Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spinnenliebe geht durch den Magen. Das haben Forscherinnen aus Greifswald und Aarhus nachgewiesen

28.10.2013
Brautgeschenk-Spinnenmännchen, die ein essbares Geschenk mitbringen, werden vom umworbenen Weibchen eher erhört und paaren sich länger.

Zusätzlich speichern die Spinnenweibchen die Spermien der Geschenklieferanten bevorzugt und erhöhen damit den Fortpflanzungserfolg der „großzügigen“ Männchen zusätzlich. Das sind Ergebnisse einer Studie, die Forscherinnen der Universitäten Greifswald und Aarhus (Dänemark) jetzt in der renommierten, internationalen Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society veröffentlicht haben. Untersuchungsziel war, herauszufinden, wie selektive Spermienspeicherung bei der Brautgeschenk-Spinne funktioniert.


Pisaura mirabilis-Männchen nähert sich mit Brautgeschenk dem Weibchen an.
Foto: Gabriele Uhl

Im Tierreich müssen Männchen einiges bieten, damit sie von den Weibchen ihrer Art als Paarungspartner akzeptiert werden. Bei der Brautgeschenk-Spinne (Pisaura mirabilis) entscheiden die Weibchen über den Fortpflanzungserfolg der Männchen, indem sie bevorzugt solche Männchen akzeptieren, die Nahrung mitbringen. Diese Männchen fressen ihre Beute nicht, sondern verpacken sie mit Spinnseide zu einem auffälligen Paket, das sie den Weibchen beim Balztanz hochbeinig entgegenstrecken. Die Brautgeschenke sind für den Fortpflanzungserfolg dieser Männchen in mehrfacher Hinsicht wichtig: Erstens erhöhen sie die Chance der Männchen überhaupt von einem Weibchen akzeptiert zu werden und zweitens verlängern sie die Paarung. Je länger die Paarung, desto mehr Spermien können in den Spermienspeicher des Weibchens übertragen werden. Auch die Größe des Brautgeschenks ist wichtig: Je größer, desto länger frisst das Weibchen nach der Übergabe und desto länger kann das Männchen Spermien übertragen.

Da sich die Weibchen mit vielen Männchen paaren, entscheidet sich der Fortpflanzungserfolg eines Männ-chen letztlich an der Anzahl der übertragenen Spermien: sind mehr eigene Spermien im Spermienspeicher des Weibchens als von einem Rivalen, erhält dieses Männchen bei der später stattfindenden Eiablage auch mehr Nachkommen – ähnlich wie bei einer Lotterie, in der die Gewinnchance durch die relative Anzahl der Nummern in der Trommel bestimmt wird.

In einer neuen Studie, die heute in Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society (London) erschien, wurde ein weiteres Detail der Partnerwahlstrategien der Weibchen aufgedeckt, die sogenannte kryptische (versteckte) Partnerwahl durch die Weibchen. Ein Team von Evolutionsforscherinnen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und der Partneruniversität Aarhus in Dänemark untersuchte, ob – bei experimentell normierter Paarungsdauer – die Anzahl übertragener Spermien davon abhängt, ob das Männchen ein Brautgeschenk mitbringt oder nicht. Die Forscherinnen konnten zeigen, dass Weibchen bevorzugt Spermien von Geschenklieferanten speichern. Evolutionär betrachtet, ist die vermeintliche Großzügigkeit der Männchen, Nahrung an das Weibchen abzugeben, damit in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft und zahlt sich in Nachkommenschaft aus.

Weitere Informationen
Publikation: Albo MJ, Bilde T, Uhl G., 2013 Sperm storage mediated by cryptic female choice for nuptial gifts. Proc R Soc B 20131735.
http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2013.1735
Autoren: Maria Albo, Trine Bilde, Gabriele Uhl (Zoologisches Institut und Museum der Universität Greifswald)
Lehrstuhl Allgemeine und Systematische Zoologie am Zoologischen Institut und Museum der Univerität Greifswald
http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/fr-biologie/institute-und-forschung/zool-institut-museum/allgemeine-und-systematische-zoologie.html
Aarhus Universitet/Aarhus University
http://www.au.dk/ und http://www.au.dk/en/
Das Foto kann in höherer Auflösung für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Pressemitteilung kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist der Name des Bildautors zu nennen. Download:

http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/pressefotos/pressefotos-2013/pressefotos-oktober-2013.html

Ansprechpartnerin an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Gabriele Uhl
Lehrstuhl für Allgemeine und Systematische Zoologie
Zoologisches Institut und Museum
Anklamer Straße 20, 17489 Greifswald
Telefon 03834 86-4239
gabriele.uhl@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Invitation to the upcoming "Current Topics in Bioinformatics: Big Data in Genomics and Medicine"

13.04.2018 | Event News

Unique scope of UV LED technologies and applications presented in Berlin: ICULTA-2018

12.04.2018 | Event News

IWOLIA: A conference bringing together German Industrie 4.0 and French Industrie du Futur

09.04.2018 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Latest News

Structured light and nanomaterials open new ways to tailor light at the nanoscale

23.04.2018 | Physics and Astronomy

On the shape of the 'petal' for the dissipation curve

23.04.2018 | Physics and Astronomy

Clean and Efficient – Fraunhofer ISE Presents Hydrogen Technologies at the HANNOVER MESSE 2018

23.04.2018 | Trade Fair News

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics