Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Specht zu Ehren Mandelas - Neue Art eines fossilen Spechts in Südafrika entdeckt

17.07.2012
Pünktlich zum morgigen Geburtstag von Nelson Mandela haben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts Frankfurt und der Universität Lyon eine neu entdeckte fossile Spechtart nach dem ehemaligen Präsidenten Südafrikas benannt. Der Specht Australopicus nelsonmandelai ist der älteste Fund eines Spechts in Afrika.

Tock, tock, tock – der charakteristische Trommelwirbel gegen Baumstämme verrät meist die Anwesenheit eines Spechts. Die etwa 200 Arten der gefiederten Baumeister sind weltweit beinahe in allen Wäldern vertreten.


Die untersuchten Knochen der neuen Spechtart Australopicus nelsonmandelai verraten auch einiges über die früheren Umweltbedingungen in Afrika. © Senckenberg


Heutige Spechte sind typische Baumbewohner
© Senckenberg

In Südafrika haben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt und des Institut de Génomique Fonctionnelle de Lyon eine bisher unbekannte fossile Spechtart beschrieben. Sie erbringen damit den erdgeschichtlich frühesten Nachweis eines Spechts auf dem afrikanischen Kontinent.

„Wir haben die neue Art nach Nelson Mandela benannt – sozusagen ein wissenschaftliches Geschenk zum 94. Geburtstag“, sagt Albrecht Manegold aus der Sektion Ornithologie am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt.

Die untersuchten Knochen stammen aus dem frühen Pliozän Südafrikas, der Fossilienfundstelle „Langebaanweg“, und sind über 5 Millionen Jahre alt. Die Fundstelle ist für ihre zahlreichen, gut erhaltenen Vogelfossilien bekannt – über 60 verschiedene Vogelarten wurden hier bisher gefunden.

„Vögel eignen sich besonders gut für die Rekonstruktion von Umweltverhältnissen vergangener Zeiten“, erläutert Manegold. Heute sind Spechte zwar fast weltweit verbreitet, doch nur wenige Arten leben in baumfreien Regionen. Ihr Vorkommen lässt somit auch auf Baumbestände vor Millionen von Jahren schließen. „Die Anwesenheit von Spechten in der untersuchten Region zeigt uns, dass es dort zur Zeit des frühen Pliozäns Wälder gegeben haben muss“, so der Frankfurter Vogelexperte.

Und noch eine weitere Überraschung hielten die Knochen bereit, die im Iziko South African Museum in Kapstadt aufbewahrt werden: Bisher war man davon ausgegangen, dass Afrika im Miozän von drei verschiedenen Spechtlinien besiedelt wurde, von denen alle heute in Afrika südlich der Sahara vorkommenden Spechte abstammen. Die neu beschriebene Art unterscheidet sich aber deutlich von diesen Linien.

„Knochenmerkmale zeigen, dass der fossile Specht näher mit Schwarzspechten und der Spechtgattung Celeus verwandt ist“, erläutert Manegold. „Diese Gattungen gibt es aber nur in Eurasien beziehungsweise in Mittel- und Südamerika.“ Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Australopicus nelsonmandelai aus Eurasien stammt und auf dem afrikanischen Kontinent isoliert wurde, als sich im Zuge von Klimaveränderungen vormals bewaldete Gebiete in Savannen- und Graslandschaften verwandelten.

Kontakt
Dr. Albrecht Manegold
Sektion Ornithologie
Tel. +31(0)620987179
Albrecht.Manegold@senckenberg.de
Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de
Publikation
Albrecht Manegold & Antoine Louchart (2012): Biogeographic and paleoenvironmental implications of a new woodpecker species (Aves, Picidae) from the early Pliocene of South Africa. Journal of Vertebrate Paleontology 32(4):926-938 http://dx.doi.org/10.1080/02724634.2012.664597

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Sensortechnik für E-Auto-Batterien

08.12.2016 | Energie und Elektrotechnik

Entlastung im Güterfernverkehr

08.12.2016 | Verkehr Logistik

Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

08.12.2016 | Physik Astronomie