Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sexy brummeln

17.09.2012
Bestimmte sogenannte Buzz-Elemente im Gesang von männlichen Nachtigallen haben einer Studie von Verhaltensbiologen der Freien Universität Berlin zufolge Einfluss auf die Zuneigung der Weibchen.
Die in einem Gesang etwa alle fünf Minuten wiederkehrenden langgezogenen Brummel- oder Schnarrpassagen verraten demnach darüber hinaus Wichtiges über den Sänger, wie etwa dessen Gewicht oder Paarungsstatus. Die Ergebnisse der Studie wurden in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals „Plos One“ veröffentlicht.

In der kürzlich von den Verhaltensbiologen Michael Weiß, Dr. Sarah Kiefer und Prof. Dr. Silke Kipper veröffentlichten Studie wurde untersucht, inwiefern „Buzz-Elemente“ im Gesang von Nachtigallen Informationen kodieren und in der Kommunikation zwischen Vögeln genutzt werden. Sogenannte Buzze kommen in verschiedenen Nachtigall-Strophentypen vor und werden etwa alle fünf Minuten einmal vorgetragen. Sie klingen selbst für das menschliche Ohr auffällig anders als die flötenden und trillernden Elemente, aus denen der Nachtigallgesang sonst besteht – der „Buzz“ kommt einem lang gezogenen Brummeln oder Schnarren nahe.

Um zu zeigen, dass die im Balzkontext benutzten „Buzze“ Qualitätsausweise für den Sänger sind, musste dreierlei nachgewiesen werden: zunächst, dass sich der „Buzz“ verschiedener Männchen unterscheidet. Tatsächlich singen verschiedene Vögel ihre „Buzze“ zum Beispiel unterschiedlich lang oder hoch. Weiterhin sollte der „Buzz“ bestimmte für Weibchen oder andere Männchen relevante Informationen des Sängers zuverlässig kodieren – dies könnten zum Beispiel das Gewicht, das Alter oder auch der Gesundheitszustand des Sängers sein.

„Wir konnten zeigen, dass schwerere Männchen „Buzze“ etwas anders singen als leichtere Männchen. Auch der Paarungsstatus scheint den „Buzz“ zu beeinflussen: Männchen, die unverpaart geblieben sind, singen ihre „Buzze“ zum Ende der Saison anders als am Anfang“, erklärt Michael Weiß, Verhaltensbiologe an der Freien Universität Berlin und Erst-Autor der Studie. So könnten andere Nachtigallen einem „Buzz“ tatsächlich verschiedene Informationen entnehmen.

Ob dieses Potenzial von den Tieren selbst tatsächlich genutzt wird, war die dritte relevante Frage, der bei der Suche nach qualitätsanzeigenden kommunikativen Signalen nachgegangen werden musste.

„In Playback-Experimenten haben wir untersucht, ob die Tiere auf Gesänge mit vielen „Buzz“-Strophen anders reagieren als auf Gesangsstücke, die keine Buzz-Strophen enthalten“, erklärt Michael Weiß. Während die Männchen nicht unterschiedlich auf die beiden Playbacks reagierten, konnte bei den Weibchen eine Verhaltensänderung beobachtet werden: „Beim Vorspielen von „Buzz“-Strophen wurde häufiger gehüpft, und es wurde mehr Schwanzwippen verzeichnet – beides sind Indizien für eine erhöhte Erregung des Weibchens.“

Den Wissenschaftlern zufolge spricht alles dafür, dass die Weibchen ihre Männchen nicht nur anhand der vielen Strophentypen auswählen, sondern auch ganz genau hinhören und die Vortragskunst verschiedener Männchen vergleichen.

Die Forscher planen, die Struktur der „Buzze“ und Eigenschaften, die damit in Zusammenhang stehen, weiter zu erforschen, etwa ihren Beitrag zur Brutpflege. Außerdem stelle sich die Frage, welche weiteren Strukturen im Gesang über bestimmte Eigenschaften eines Männchens Aufschluss geben könnten, sagt Weiß. So könne einerseits der faszinierende Gesang der Nachtigallen weiter entschlüsselt werden, andererseits helfe er als „Modellfall“, die Evolution von Gesängen und anderen Signalen, die im Paarungskontext zum Einsatz kommen, zu verstehen.

Die Studie im Internet
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0045057

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
• Michael Weiß, E-Mail: miweiss@zedat.fu-berlin.de
• Prof. Dr. Silke Kipper, Verhaltensbiologie, Telefon: 030 / 838-, E-Mail: silkip@zedat.fu-berlin.de

Christine Boldt | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0045057

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verbesserte Kohlendioxid-Fixierung dank Mikrokompartiment
25.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Regenbogenfarben enthüllen Werdegang von Zellen
25.09.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops