Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Schweiß auf der Spur - Hohenstein Institute optimieren Textilien in Bezug auf Geruch

24.11.2009
Wer im Berufsleben Kleidung trägt, von der Körperschweiß aufsteigt, beraubt sich vermutlich selbst seiner Aufstiegschancen. Bestimmte Textilien nehmen Schweiß nun einmal besonders gerne auf und verteilen ihn im Umkreis von ein paar Metern in die Nasen unserer Mitmenschen - schlecht wenn das gerade der Chef ist.

Grund genug, sich intensiv um die Geruchsoptimierung unserer Bekleidung zu kümmern. Um negative oder positive, von Textilien ausgehende Gerüche wissenschaftlich fundiert sensorisch zu beurteilen, sind sowohl umfangreiche instrumentelle Analysen als auch professionell trainierte menschliche Testriecher (Sniffer oder Panelists) erforderlich.

Durch den weiteren Ausbau ihrer Geruchsanalytik sind die Hohenstein Institute dem Ziel, den Geruch von Bekleidung zu optimieren nun einen großen Schritt näher gekommen.

Hersteller von körpernah getragener Bekleidung (z. B. Sport- und Outdoor-Bekleidung, Unterwäsche oder Socken), Arbeitskleidung, Schutzkleidung und Heimtextilien sowie Schuhen und Schuheinlagen können nun mit Hilfe der Hohensteiner Geruchsanalytik gezielt an der Geruchs-Verbesserung ihrer Produkte arbeiten und Fasertypen, Konstruktionsmerkmale und spezielle Ausrüstungen aufeinander abstimmen.

Hierzu betont Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie, "dass sowohl der Neuzustand verschiedener Materialien untersucht werden kann als auch getragene, gewaschene oder künstlich beaufschlagte Materialien." Demzufolge sind die an den Hohenstein Instituten etablierten Verfahren also nicht nur für geruchsreduzierende (antibakterielle) oder Geruch abgebende Textilien (Wellness-Textilien) interessant, sondern z. B. auch für die Waschmittel- und Kosmetikindustrie, um eine genaue Analyse der Duftfreisetzung durchzuführen. Da Düfte neben Mikrokapsel-Ausrüstungen in der Regel über Waschverfahren auf Textilien aufziehen, können nun unabhängige Produktvergleiche und Auswirkungen verschiedener Waschverfahren auf den Textilgeruch beurteilt werden.

Bereits in der Vergangenheit haben die Hohenstein Institute antibakterielle Textilien, die den Schweißgeruch signifikant reduzieren, mit Hilfe einer bakteriellen Schweißsimulation und der GC/MS-Technologie im Labor überprüft und Unternehmen beim Nachweis dieser antimikrobiellen Wirkung marketingtechnisch unterstützt. Seit einigen Wochen sind die Wissenschaftler jetzt in der Lage, neben der chemischen Analyse bestimmter Geruchsmoleküle über GC/MS, auch textile Gerüche und Düfte gezielt mit Hilfe eines so genannten Olfaktometers einer Gruppe ausgebildeter Testriecher zuzuführen.

Prüfpersonen und Gerät ermöglichen es, die Konzentration eines Geruchsstoffs, seine Intensität sowie seine positive/negative Beurteilung (hedonische Wirkung) exakt zu bestimmen. Nach wie vor kann also bei der Geruchsbewertung auf das "sensorische Panel" nicht verzichtet werden. Mitunter verwenden die Hohensteiner Wissenschaftler auch einen speziellen Riechprobengeber, der den Prüfpersonen einen standardisierten Volumenstrom der Geruchsluft in die Nasen leitet.

Dies ist zum Beispiel in Feldversuchen wichtig, bei denen getragene Textilien im Rechts/Links-Vergleich hinsichtlich des Schweißgeruchs verglichen werden. Um Geruchsproben direkt am Entstehungsort nehmen zu können, wird ein spezieller Riechprobennehmer benutzt. Er kommt zum Einsatz, um beispielsweise negative Gerüche einer Warenproduktion vor Ort oder am Arbeitsplatz (z. B. in der Gastronomie) einzufangen und im Labor zu untersuchen, so dass man teuren Kundenreklamationen vorbeugen kann.

Den direkten Auswirkungen von Sportbekleidung auf den Schweißgeruch und die Hautphysiologie des Menschen ist das Institut für Hygiene und Biotechnologie in Praxisversuchen näher nachgegangen. Zunächst wurden Sportler mit unterschiedlichen Sportshirts ausgestattet, deren Wasserdampfdurchlässigkeit ("Atmungsaktivität") mit den in Hohenstein entwickelten Messmethoden nach DIN EN 31092 bzw. ISO 11092 bestimmt wurde. So ausgerüstet unterzogen sich die Probanden einer standardisierten, intensiven Trainingseinheit. Direkt im Anschluss wurde die thermoregulatorische Mikrozirkulation der Haut mit Hilfe einer Wärmebildkamera (Thermografie) aufgenommen.

Abbildung 2 zeigt die Auswirkungen eines Sportshirts aus Baumwolle (links) im Vergleich zu einem Sportshirt mit hoher Atmungsaktivität (Funktionsfasern) kurz nach der sportlichen Betätigung. Zu erkennen ist einerseits die verstärkte thermoregulatorische Mikrozirkulation der Haut und die Wärmeverteilung, welche durch die jeweiligen Faser- und Konstruktionsmerkmale der Textilien beeinflusst werden. Diese Daten wurden nun mit Hautuntersuchungen zum physiologischen Mikroklima korreliert.

So lag der Feuchteindex des Mikroklimas in der Achselhöhle vor der sportlichen Betätigung bei Werten um 60, während er nach sportlicher Aktivität und entsprechender Schweißproduktion beim Versuch mit dem Baumwoll-Shirt deutlich über 100 stieg. Die unterschiedliche Schweißproduktion in den Achselhöhlen spiegelte sich auch in der Geruchsintensität des Schweißes wider: Die in die Achselhöhlen der Sportler eingebrachten Baumwoll-Textilläppchen wurden von den Testriechern am Olfaktometer als deutlich intensiver und (hedonisch) negativer beurteilt als Textilproben aus Funktionsfasern.

Ansprechpartner für weitere Informationen zur textilen Geruchsanalytik an den Hohenstein Instituten: Gregor Hohn, E-mail: g.hohn@hohenstein.de

Rose-Marie Riedl | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics