Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sanfte Greifer

24.01.2011
Pneumatische Elastomere als Roboterarme

Es sieht aus wie ein Seestern aus weichem Kunststoff. Wird Luft über einen dünnen Schlauch eingeblasen, kommt Leben hinein und der „Seestern“ greift zu wie eine Hand. Das tut er so sanft, dass er beispielsweise ein rohes Ei greifen kann, ohne es zu zerbrechen. Der seesternartige Greifer ist der Prototyp eines pneumatischen „sanften“ Roboterarms aus weichem Kunststoff, den George M. Whitesides und sein Team von der Harvard University (Boston, USA) in der Zeitschrift Angewandte Chemie vorstellen.


Der seesternartige Roboterarm greift ein rohes Ei, ohne es zu zerbrechen

Ob in der Produktion von Maschinen oder in der modernen Chirurgie, ob bei der Deaktivierung von Sprengsätzen oder in der unbemannten Raumfahrt – Roboter sind inzwischen in vielen Bereichen unabdingbar. Sind empfindliche Objekte zu handhaben, wie Früchte oder gar innere Organe, ist das mit den konventionellen harten Roboterarmen aber immer eine schwierige Aufgabe. Einfacher könnte es mit weichen Roboterbauteilen laufen.

Whitesides und seine Kollegen wollen diese Idee mit einem neuen Konzept realisieren, das auf pneumatischen Netzwerken („PneuNets“) basiert: In elastische Kunststoffe, so genannte Elastomere, betten sie Kanäle ein. Um eine Stellbewegung zu erreichen, werden diese wie Ballons aufgeblasen. Dabei dehnen sich die Kanäle in diejenige Regionen des Elastomers aus, die am nachgiebigsten sind. In homogenen Elastomeren sind das die Stellen mit den dünnsten Wänden, bei verschiedenen Materialien sind es die Wände aus dem weicheren, elastischeren Material. Damit die prall aufgeblasenen Kammern nebeneinander Platz haben, krümmt sich das ganze Bauteil, sodass die stärker gedehnten Wände außen sind. Für die Herstellung von Prototypen, die zu komplexen Bewegungen in der Lage sind, verbanden die Forscher eine Reihe solcher Komponenten.

Wie das Teil sich verformt, hängt aber nicht nur vom Design sondern auch von den gewählten Materialien ab. Whitesides und seine Kollegen fügten Teile aus zwei verschieden steifen Silikon-Elastomeren zusammen, um die Bewegung gezielt zu „programmieren“. So stellten sie unter anderem seesternartige „Greifer“ her. Aufblasen bringt sie dazu, sich wie die Finger einer Hand fest um einen Gegenstand zu legen und ihn zu ergreifen. Dabei sind sie so sanft, dass man ihnen sogar ein rohes Ei oder eine lebende Maus getrost anvertrauen kann. Anders als bei harten Roboterarmen ist dazu keine aufwendige, fein austarierte Steuerung über Sensoren notwendig.

Angewandte Chemie: Presseinfo 01/2011

Autor: George M. Whitesides, Harvard University, Cambridge (USA), http://gmwgroup.harvard.edu/contact.html

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201006464

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://gmwgroup.harvard.edu/contact.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen
27.03.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
27.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie