Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Rolle der Artenvielfalt in Korallenriffen

06.04.2011
Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus rund 50 Ländern beteiligte sich das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen an einem globalen Zensus von Fischgemeinschaften in Korallenriffen. Nun erscheint hierzu eine Studie die verdeutlicht, dass die Rolle der Biodiversität in den Riffen bisher stark unterschätzt wurde.

Tropische Korallenriffe sind die artenreichsten Ökosysteme der Erde. Diese komplexen Lebensräume beherbergen vermutlich mehr als eine Million Arten an Tieren und Pflanzen. Wie eine neue, breit angelegte Untersuchung zeigt, ist die Rolle der Biodiversität in den Riffen jedoch bisher stark unterschätzt worden. Mit seiner Forschung an indonesischen Riffen beteiligte sich Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie an einem weltumspannenden Zensus von Fischgemeinschaften, der überraschende Ergebnisse ans Licht brachte.

Für die neue Studie sammelten 56 Wissenschaftler aus 49 Ländern Daten über Arten, Individuenzahl und –größe von Rifffischen an rund 2000 verschiedenen Orten, die sich über den gesamten Tropengürtel verteilten. In Korallenriffen spielen insbesondere die Fische eine wesentliche Rolle für das Funktionieren des gesamten Ökosystems. Zudem sind sie die Nahrungsgrundlage für viele Millionen von Menschen und damit eine der wesentlichen Ökosystemleistungen der Riffe: Gesunde Korallenriffe ergeben jährlich pro km2 rund 15 Tonnen Ertrag an Fischen.

Der Zensus wurde mit demographischen Daten über die Bevölkerungsdichte in den untersuchten Gebieten kombiniert. Wie erwartet waren Fischerei, Düngerverbrauch im Hinterland und die Bebauungsrate in dicht besiedelten Gebieten sehr hoch. Diese Einflüsse des Menschen können Riffe nachhaltig schädigen.

„Entgegen bisheriger Annahmen zeigte die Studie: Je diverser die Fischgemeinschaften in einem Korallenriff, desto stärker wirkt sich der negative Einfluss des Menschen aus“, berichtet Sebastian Ferse. Er untersuchte die Fischgemeinschaften dreier Standorte vor der Küste Nord-Sulawesis, inmitten des sogenannten Korallendreiecks, des Zentrums mariner Biodiversität. Die Orte sind unterschiedlich stark betroffen von schädigenden Einflüssen wie Abwassereinleitung ins Meer oder Dynamitfischerei.

Praktisch jede Art trägt also zum Funktionieren des komplexen Riffökosystems bei. So werden beispielsweise in der Fischerei vor allem die großen, räuberischen Rifffische weggefangen, wie Haie oder Zackenbarsche. Sie haben kaum Konkurrenten, die ihren Platz einnehmen können, ihre Funktion ist aber sehr bedeutend: die großen Räuber regen die Produktivität und Artendynamik im Riff an. Kranke Individuen sowie Arten, die unzureichend an die Lebensbedingungen im Riff angepasst sind, sind eine leichte Beute. Ihre ökologische Nische wird von erfolgreicheren Arten neu besetzt.

Angesichts des steigenden Bevölkerungsdrucks in tropischen Ländern macht die Studie eine Neubewertung der Rolle der Artenvielfalt im Riff dringend erforderlich. Man geht davon aus, dass sich innerhalb der nächsten 50 bis 100 Jahre die Anzahl der Menschen in Ländern mit Korallenriffen sogar verdoppeln wird. Der zunehmende Verlust an Biodiversität in Riffen schwächt diese und ihre Ressourcen. Mittlerweile liegt er sogar über dem der tropischen Regenwälder.

Weitere Informationen:

Dr. Sebastian Ferse
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Tel: 0421 / 23800 – 28
Email: sebastian.ferse@zmt-bremen.de
Originalveröffentlichung:
Mora C., O. Aburto-Oropeza, A. Ayala Bocos, P.M. Ayotte, S. Banks, A.G. Bauman, M. Beger, S. Bessudo, D.J. Booth, E. Brokovich, A. Brooks, P. Chabanet, J. Cinner, J. Cortés, J.J. Cruz-Motta, A. Cupul Magaña, E. DeMartini, G.J. Edgar, D.A. Feary, S.C.A. Ferse, A. Friedlander, K.J. Gaston, C. Gough, N.A.J. Graham, A. Green, H. Guzman, M. Hardt, M. Kulbicki, Y. Letourneur, A. López Pérez, M. Loreau, Y. Loya, C. Martinez, I. Mascareñas-Osorio, T. Morove, M.-O. Nadon, Y. Nakamura, G. Paredes, N.V.C. Polunin, M.S. Pratchett, H. Reyes Bonilla, F. Rivera, E. Sala, S. Sandin, G. Soler, R. Stuart-Smith, E. Tessier, D.P. Tittensor, M. Tupper, P. Usseglio, L. Vigliola, L. Wantiez, I. Williams, S.K. Wilson, F.A. Zapata (in press): Global human footprint on the linkage between biodiversity and ecosystem functioning in reef fishes. PLoS Biology

Das LEIBNIZ-ZENTRUM FÜR MARINE TROPENÖKOLOGIE - ZMT in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber menschlichen Eingriffen und natürlichen Veränderungen. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es den Aufbau von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt. Das ZMT ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie