Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettungsnetz für Lupus-Patienten

04.05.2010
Lupus ist eine Krankheit, bei der das Immunsystem gesunde körpereigene Zellen attackiert. Bekanntestes Kennzeichen dieser Krankheit ist eine schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht. Bei vielen Patienten endet diese Krankheit tödlich durch Nierenversagen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin und Mediziner der Universität Erlangen haben entdeckt, dass die Fangnetze des Immunsystems bei manchen Lupus-Patienten nicht abgebaut werden können und sich in den Nieren anreichern. Nierenversagen kann die Folge sein. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für eine Früherkennung und rechtzeitige Behandlung von besonders betroffenen Patienten. (PNAS, 3. Mai 2010)

Systemischer Lupus erythematodes ist eine der am häufigsten auftretenden Autoimmunkrankheiten. Die Symptome sind ungeheuer vielgestaltig und umfassen Hautausschläge, Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Entzündungen und Fehlgeburten. Bei einem Drittel der Patienten kommt es zu einem tödlichen Nierenversagen. Über die Ursache und die Grundlagen des Krankheitsverlaufs ist nur wenig bekannt. Die Diagnosestellung ist schwierig, da eine Vielzahl von Symptomen auch bei anderen Erkrankungen auftritt. Sicheres Kennzeichen für Lupus ist die Bildung von Antikörpern gegen körpereigene DNA und gegen bestimmte Proteine, die in Zellkernen und weißen Blutkörperchen vorkommen. Typischerweise verläuft eine Lupus-Erkrankung in Schüben, die oft von einer Infektion ausgelöst werden. Nach Abklingen dieses Schubs geht es den Patienten wieder besser, jedoch nicht so gut wie vor dem Schub. Dies führt zu einer kontinuierlichen Verschlimmerung der Krankheit.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie vermuteten, dass ein erst kürzlich von ihnen entdeckter Immunmechanismus bei Lupus eine Schlüsselrolle spielt: Während einer Infektion werden weiße Blutkörperchen stimuliert und werfen ein Netz aus, in dem die Krankheitserreger gefangen und abgetötet werden (Abb. 1). Dieses Netz besteht aus genau den Bestandteilen, gegen die bei Lupus Antikörper gebildet werden: DNA und Proteine aus dem Zellkern und den weißen Blutkörperchen (Abb. 2). In Zusammenarbeit mit einer klinischen Arbeitsgruppe der Universität Erlangen konnten die Forscher erstmals zeigen, dass ein Teil der Lupus-Patienten im Gegensatz zu Gesunden nicht in der Lage ist, diese Netze nach der Infektion wieder abzubauen.

Die Wissenschaftler fanden weiterhin heraus, dass der Abbau der Netze durch das Enzym DNase-1 geschieht, ein Protein, das im Blut vorkommt. Dieses Enzym ist bei einem Teil der Lupus-Patienten entweder nicht vorhanden oder blockiert. Die Untersuchung dieser Patientengruppe ergab, dass sich die nicht abgebauten Netze mit daran gebundenen Antikörpern bereits im Nierengewebe ablagerten. Man kann also davon ausgehen, dass die Lupus-Patienten, die keine Netze abbauen können, ein hohes Risiko für ein Nierenversagen aufweisen. Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklungs eines Tests, der die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung dieser Risikogruppe ermöglichen könnte.

Originalveröffentlichung:

Abdul Hakkim, Barbara G. Fürnrohr, Kerstin Amann, Britta Laube, Ulrike Abu Abed, Volker Brinkmann, Martin Herrmann, Reinhard E. Voll, and Arturo Zychlinsky
Impairment of neutrophil extracellular trap degradation is associated with lupus nephritis

PNAS, 3. Mai 2010, online vorab veröffentlicht (doi/10.1073/pnas.0909927107)

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Prof. Arturo Zychlinsky
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
Tel. +49-30-28 460 300
zychlinsky@mpiib-berlin.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpiib-berlin.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Wie Proteine Zellen stabil machen
21.02.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Deep Learning sagt Entwicklung von Blutstammzellen voraus

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

36 Forschungsprojekte zu Big Data

21.02.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Sternenmusik aus fernen Galaxien

21.02.2017 | Physik Astronomie