Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Raupe Nimmersatt“ macht sich breit - Invasive Zickzack-Blattwespe in Ostdeutschland entdeckt

26.08.2015

Die eingewanderte Zickzack-Blattwespe breitet sich rasch in Deutschland aus. Wissenschaftler des Senckenberg Deutschen Entomo-logischen Institutes in Müncheberg haben herausgefunden, dass das Insekt mit den charakteristischen Fraßspuren dabei Strecken zwischen 50 und 90 Kilometern im Jahr zurücklegen kann. Ein Befall durch den Schädling kann zu völligem Kahlfraß an Ulmen führen; erstmals wurde auch ein Vorkommen auf Zuchtformen der Laubbäume entdeckt. Die Studie wurde im Fachmagazin „Journal of Hymenoptera Research“ veröffentlicht.

Die Zickzack-Blattwespe heißt, wie sie frisst: Mal nach rechts, mal nach links beißen sich die Larven von Aproceros leucopoda durch die Blätter und erzeugen so ihre charakteristischen Fraßspuren.
Erstmals wurden die ursprünglich aus Ostasien stammenden Insekten vor fünf Jahren in Deutschland gesichtet.


Die charakteristischen Fraßspuren der Zickzack-Blattwespe

© SDEI/Andrew Liston

„Damals waren die Tiere aber nur vereinzelt im südöstlichen Bayern zu finden“, erzählt Dr. Stephan Blank vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und fährt fort: „Unsere aktuelle Untersuchung zeigt aber, dass sich die invasive Pflanzenwespe nun sowohl in Bayern als auch in weiten Teilen Ostdeutschlands ausgebreitet hat.“

Die bis zu einen Zentimeter langen Larven der Zickzack-Blattwespe fressen ausschließlich an Ulmen; ein Befall kann zu völligem Kahlfraß an den Laubbäumen führen. Schäden wurden sowohl in Wäldern als auch in Ortschaften und Gärten beobachtet, wo Ulmen als Zier- oder Alleebäume stehen.

Die Befürchtungen der Senckenberg-Wissenschaftler, die bereits 2013 die Öffentlichkeit zur Meldung von Funden des Insektes aufriefen, haben sich bestätigt: Die Zickzackwespe breitet sich weiter in Deutschland aus. „Und das in einem – für ein nur 6 Millimeter kleines Tier – rasantem Tempo“, erläutert der Müncheberger Insektenforscher. Zwischen 50 und 90 Kilometer kann die Blattwespe im Jahr zurücklegen.

Dies und die Tatsache, dass sich die eingewanderten Insekten sehr schnell vermehren – die Zickzackwespe bringt bis zu vier Generationen im Jahr hervor – „wird schnell zu einer weiteren Ausbreitung führen“, prophezeit Blank.

Ulmen sind in vielen Regionen Europas bereits vom sogenannten "Ulmensterben", einer aggressiven Pilzinfektion, betroffen. Um dem Sterben vorzubeugen, wurden resistente Ulmen gezüchtet, die häufig als Zierde entlang Straßen oder in Parks angepflanzt werden.

„Doch auch vor diesen Zuchtbäumen macht die Zickzack-Blattwespe nicht halt“, weiß der Entomologe aus Müncheberg. Die heimische Flatterulme Ulmus laevis bleibt dagegen von den gefräßigen Larven meistens verschont – „warum weiß bisher niemand“, ergänzt Blank.

Auch in deutschen Nachbarländern, wie Belgien oder den Niederlanden, fühlt sich die Zickzack-Blattwespe mittlerweile wohl. Da diese Vorkommen bis zu 600 Kilometer von den Verbreitungsgebieten in Bayern oder Ostdeutschland entfernt liegen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Wespen auch passiv durch den Menschen verschleppt werden.

Die Zickzack-Blattwespe steht bereits als Schädling auf der Liste der Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO). „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Zickzack-Blattwespe ernstzunehmendes Schadpotential an den europäischen Ulmenbeständen haben“, fasst Blank zusammen und ergänzt: „Wir freuen uns über Einsendungen und Beobachtungen zur Zickzack-Wespe, um den eingewanderten Schädling auch weiterhin beobachten zu können.“

Die aktuelle Verbreitungskarte des invasiven Schädlings und weitere Informationen finden Sie unter: http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=17858

Kontakt
Dr. Stephan Blank
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut
Tel: 033432 - 73698-3730
stephan.blank@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Blank SM, Köhler T, Pfannenstill T, Neuenfeldt N, Zimmer B, Jansen E, Taeger A, Liston AD (2014) Zigzagging
across Central Europe: recent range extension, dispersal speed and larval hosts of Aproceros leucopoda (Hymenoptera,
Argidae) in Germany. Journal of Hymenoptera Research 41: 57–74. doi: 10.3897/JHR.41.8681

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Weitere Informationen:

http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=17858 Link zur Karte

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise