Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein im Gleichgewicht - Neues Modell zur Erforschung von Krebs- und Immunerkrankungen entwickelt

04.02.2014
Das Protein STAT1 ist für die Abwehr von Krankheitserregern verantwortlich und hemmt zugleich die Entstehung von Krebs. Gerät die Menge des Proteins aus dem Gleichgewicht, entstehen Krankheiten.

Forschende der Vetmeduni Vienna entwickelten eine genetisch veränderte Maus, deren STAT1 Level gezielt verändert werden kann. Mit dieser Maus wird es erstmals möglich, die Verfügbarkeit von STAT1 bei der Entstehung und der Heilung von Krankheiten genau zu erforschen. Die Arbeit wurde im Journal PLOS ONE veröffentlicht und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Grundlagenforschung.


Zu viel STAT1 in der Zelle führt zu chronischen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen im Körper. Zu wenig STAT1 kann chronische Infektionen und Krebserkrankungen hervorrufen.
Grafik: Nicole R. Leitner / Vetmeduni Vienna

STAT1 (Signal transducer and activator of transcription 1) ist Mitglied einer Familie von Transkriptionsfaktoren. Das sind Proteine in der Zelle, die kontrollieren, ob und wann bestimmte Gene aktiv sind. Sogenannte Interferone wirken über STAT1 auf das Immunsystem. Ist zu wenig STAT1 vorhanden, führt dies zu Immunschwäche und zur Entstehung von Tumoren. Zu viel STAT1 hingegen, lässt das Immunsystem überreagieren. Es kommt also auf die richtige Dosis im Körper an. Menschen mit Mutationen im STAT1-Gen leiden etwa an einer abgeschwächten Immunantwort und deshalb an schwerwiegenden bakteriellen und viralen Erkrankungen. Patienten mit überschießendem STAT1 leiden unter Autoimmunerkrankungen.

Maus mit STAT1-Dosiermechanismus

Im Rahmen des FWF-geförderten Sonderforschungsbereichs „JakStat“ (http://www.jak-stat.at) und dem GENAU-geförderten Programm „Austromouse“ entwickelten die Erstautorin Nicole R. Leitner vom Institut für Tierzucht und Genetik und KollegInnen erstmals eine genetisch veränderte Maus, deren STAT1-Level genau dosiert, also entweder erhöht oder reduziert werden kann. Das Besondere an der Maus ist, dass die Produktion von STAT1 ganz einfach mit dem Mittel Doxycyclin im Trinkwasser herbeigeführt werden kann. Wird weniger Doxycyclin verabreicht, werden auch die STAT1-Level niedriger. So kann die Rolle von STAT1 bei verschiedenen Krankheitsverläufen, wie etwa bei Brustkrebs oder Infektionskrankheiten, in der Maus genau erforscht werden.

„Mäuse, deren STAT1 einfach abgeschaltet werden kann, so genannte Knock-out-Mäuse, gibt es bereits seit Längerem. Das Besondere an unserem Modell ist die genaue Dosierbarkeit von STAT1. Verschiedene Mengen an STAT1 können kontrolliert im Körper hergestellt werden. So erforschen wir die Entstehung, den Verlauf und die Heilung von Krankheiten im Detail“, betont Leitner.

Institutsleiter Mathias Müller führt weiter aus: „Die Mengen von STAT1 in der Zelle könnten in Zukunft Informationen über den Krankheitsverlauf und die passende Therapieform beim Menschen liefern. Uns interessieren gegenwärtig verschiedene Brust- und Blutkrebsformen.“

Die Forschungsarbeit fand im Rahmen eines vom FWF (Österreichischer Wissenschaftsfonds) geförderten Sonderforschungsbereichs (SFB) und des GENAU-finanzierten Netzwerkes zur Funktionsgenomik der Maus statt. Im SFB beschäftigen sich Forschende innerhalb eines internationalen Netzwerks mit den sogenannten Jaks (Janus Kinasen) und den oben beschriebenen STATs. Jaks und STATs sind Proteine, die im Bereich Entzündung, Infektion und Krebs eine Rolle spielen. (www.jak-stat.at)

Der Artikel “Inducible, dose-adjustable and time-restricted reconstitution of Stat1 deficiency in vivo” von Nicole R. Leitner, Caroline Lassnig, Rita Rom, Susanne Heider, Zsuzsanna Bago-Horvath, Robert Eferl, Simone Müller, Thomas Kolbe, Lukas Kenner, Thomas Rülicke, Birgit Strobl und Mathias Müller erschien vor kurzem im Journal PLOS ONE. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0086608

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und modernste Forschungsinfrastruktur. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls dazu. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Mathias Müller
Institut für Tierzucht und Genetik
Abteilung für Molekulare Genetik
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-5620
mathias.mueller@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschungsgruppe erprobt erfolgreich neue Diagnose- und Therapieansätze
29.05.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz