Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Primäre Zilie wird vererbt

11.10.2013
Zellen geben ihre Antenne für molekulare Signale bei der der Teilung an eine der beiden Tochterzellen weiter

Zellen besitzen kleine Antennen, mit denen sie Signale aufnehmen können. Die so genannte primäre Zilie ist so ein Sensor-Fortsatz, der in Wirbeltieren in fast allen Zellen vorkommt.


Eine neurale Stammzelle in den Stadien ihrer Zellteilung. In Magenta markiert ist die primäre Zilie zu sehen, das an eine der beiden Tochterzellen vererbt wird. Diese bleibt eine Stammzelle. © MPI f. molekulare Zellbiologie u. Genetik

Bisher ging man davon aus, dass die primäre Zilie im Vorfeld einer Zellteilung abgebaut wird, damit die mit der Zilie verankerten Zentrosomen frei werden, eine Teilungsspindel aufzubauen und das Erbgut zu gleichen Teilen auf die beiden Tochterzellen zu verteilen.

Forscher des Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik haben nun in Gehirn-Stammzellen und in kultivierten Zellen gezeigt, dass es ganz anders abläuft: Die Zilie bleibt während der Zellteilung mit einem der beiden Zentrosomen verbunden und wird an eine der entstehenden Tochterzellen vererbt.

Eigentlich war die Entdeckung, wie so oft in der Wissenschaft, ein reines Versehen: „Ich suchte nach etwas anderem, und dann sah ich plötzlich noch Reste der Zilie in der Zelle als Punkt“, erinnert sich Judith Paridaen vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie.

Und das kurz vor einer Zellteilung – nach der gängigen Lehrmeinung müsste sich die Zellantenne aber schon längst abgebaut haben, um die Zellteilungsspindel ungehindert arbeiten zu lassen. Die junge Wissenschaftlerin in der Arbeitsgruppe von Wieland Huttner markierte die Zilie mit einem fluoreszierenden Protein und verfolgte es in allen Stadien der Zellteilung.

„Am Ende war immer noch Membran des Ciliums zu sehen, ich konnte beobachten, dass es an eine der beiden entstehenden Tochterzellen vererbt wurde“, so Paridaen.

Die Tochterzelle, die das Membranvesikel mit den Zilien-Resten erhält, kann dadurch Stammzellcharakter bekommen. Schon nach einer Stunde hat sich dann aus den Membranresten eine neue, funktionierende Zilie herausgeformt. „So hat diese Tochterzelle einen Vorsprung vor der anderen, oder anders gesagt: So entsteht eine asymmetrische Zellteilung“, erklärt Paridaen.

Für die Wissenschaftler sind die Erkenntnisse spektakulär: „Immerhin ist die Zellteilung ein fundamentaler biologischer Vorgang, und unsere Befunde bedeuten, dass dieser anders abläuft als bisher gedacht“, so Wieland Huttner, Direktor am Dresdner Max-Planck-Institut.

Ansprechpartner

Florian Frisch
Pressebeauftragter
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Telefon: +49 351 210-2840
E-Mail: frisch@­mpi-cbg.de
Prof. Dr. Wieland B. Huttner
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Telefon: +49 351 210-1500
Fax: +49 351 210-1600
E-Mail: huttner@­mpi-cbg.de
Originalpublikation
Judith Paridaen, Michaela Wilsch-Bräuninger, Wieland Huttner:
Asymmetric inheritance of centrosome-associated primary cilium membrane directs ciliogenesis after cell division

Cell, 10. Oktober 2013

Florian Frisch | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7559879/primaer_cilium_zellteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie