Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Planetarische Grenzen: Ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit

24.09.2009
Globale biophysikalische Grenzen definieren einen sicheren Handlungsraum für die Menschheit, in dem sich viele weitere Generationen nachhaltig entwickeln könnten, schlägt eine Gruppe von 28 international renommierten Wissenschaftlern vor.

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" haben die Forscher erstmals neun dieser Grenzen auf Grundlage des aktuellen Kenntnisstandes der Erdsystemforschung identifiziert. Sie einzuhalten wäre ein Ansatz, dem Klimawandel und anderen globalen Umweltrisiken des 21. Jahrhunderts zu begegnen, berichtet das Autorenteam.

"Die Belastung des Erdsystems durch den Menschen hat ein Ausmaß erreicht, bei dem plötzliche globale Veränderungen der Umwelt nicht mehr auszuschließen sind. Um weiterhin sicher leben zu können, muss der Mensch innerhalb bestimmter kritischer und fester Grenzen der Umwelt agieren und die Natur der klimatischen, geophysikalischen, atmosphärischen und ökologischen Prozesse im Erdsystem respektieren", sagt der Hauptautor der Studie, Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre an der Universität Stockholm. Das Überschreiten dieser Grenzen könne sich verheerend auf die Menschheit auswirken, sie zu respektieren aber gute Zukunftsaussichten sichern.

Dem Forscherteam gehören neben Rockström Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Will Steffen, Katherine Richardson, Jonathan Foley und der Nobelpreisträger Paul Crutzen an. Die Wissenschaftler haben biophysikalische Grenzen identifiziert, innerhalb derer sich die menschliche Zivilisation entwickelt hat und außerhalb derer Prozesse im Erdsystem destabilisiert würden.

Planetarische Grenzen wurden in neun Bereichen identifiziert und sieben davon konkret beziffert. Die Studie deutet darauf hin, dass diese Grenzwerte in dreien der Bereiche bereits überschritten wurden: Klimawandel, biologische Vielfalt und Stickstoffeintrag in die Biosphäre. Als weitere Bereiche identifizierten die Forscher die stratosphärische Ozonschicht, Landnutzungsänderungen, Wassernutzung, die Versauerung der Ozeane, den Eintrag von Phosphor in die Biosphäre und die Meere sowie die Aerosolbelastung und Verschmutzung durch Chemikalien. Die Wissenschaftler heben hervor, dass die Grenzen eng miteinander verknüpft sind. Eine Grenze zu überschreiten, könne es erheblich erschweren, in anderen Bereichen weiterhin innerhalb des sicheren Bereichs zu agieren.

"Unsere Studie zeigt auf, wie das wissenschaftliche Verständnis des Erdsystems direkt in den gesellschaftlichen Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden kann", sagt Mitautorin Katherine Richardson, Professorin am Earth System Science Center der Universität Kopenhagen.

Wie die Wissenschaftler schreiben, habe die rapide Zunahme menschlicher Aktivitäten seit der industriellen Revolution eine globale geophysikalische Kraft erzeugt, die einer Naturgewalt gleichkomme. "Wir treten in das Anthropozän ein, ein neues geologisches Zeitalter, in dem unsere Aktivitäten die Kapazitäten des Erdsystems untergraben, sich selbst zu regulieren", sagt Will Steffen, Direktor des Climate Change Institute der Australian National University und Mitautor der Studie. "Wir sind dabei, den Planeten aus seinem derzeitigen stabilen Holozän-Zustand zu drängen", so Steffen weiter. Im Holozän, das vor etwa 10.000 Jahren begonnen hat, hätten sich Landwirtschaft und komplexe Gesellschaften - einschließlich unserer eigenen - erst entwickelt. Die zunehmenden menschlichen Aktivitäten könnten über die Belastbarkeit des Holozän-Zustands hinausgehen, der ansonsten für Jahrtausende fortbestehen würde.

Mitautor Hans Joachim Schellnhuber weist darauf hin, dass das Klimasystem beginnt, den Bereich der historischen Erfahrung zu verlassen. Das Risiko nicht-linearer Veränderungen der Umweltbedingungen erhöhe sich außerhalb dieses Bereichs wesentlich. "Das Einsetzen solcher Übergänge im Klimasystem zeichnet sich in den Beobachtungen des rasanten Rückgangs des arktischen Sommer-Meereises, des Abschmelzens der meisten Gletscher weltweit und des beschleunigten Anstiegs des Meeresspiegels während der letzten zehn bis fünfzehn Jahre ab", sagt Schellnhuber.

Die Forscher schreiben, dass ihr Ansatz kein Masterplan für die nachhaltige Entwicklung sei, aber mit der Identifizierung kritischer planetarischer Grenzen ein wichtiges Element dazu beitrage. "Innerhalb dieser Grenzen kann die Menschheit den Pfad für ihre zukünftige Entwicklung und ihr Wohlergehen wählen", sagt Jonathan Foley, Direktor des Umweltinstituts der University of Minnesota und Mitautor der Studie. "Wir liefern eine erste, wenngleich vorläufige Karte des sicheren Aktionsraums im Erdsystem und sollten uns nicht über die dort eingezeichneten Grenzen hinaus bewegen", so Foley weiter. Nun wollen die Forscher weiter untersuchen, wie sich die Gesellschaft innerhalb dieser Grenzen sicher, vernünftig und zukunftsfähig weiterentwickeln kann.

Sonderbeitrag in "Nature", Ausgabe vom 24. September:
"Planetary Boundaries: A Safe Operating Space for Humanity" sowie individuelle Kommentare und Leserreaktionen: http://www.nature.com/news/specials/planetaryboundaries/index.html
Vollständiger Artikel:
"Planetary Boundaries: Exploring the safe operating space for humanity" sowie Videointerviews, Grafiken und weiteres Hintergrundmaterial:
http://www.prnewswire.com/mnr/stockholmresilience/40125/
http://www.stockholmresilience.org/planetary-boundaries
Pressekontakt:
Stockholm Resilience Centre: Ellika Hermansson Torok/Sturle Hauge Simonsen, Telefon: +46-73-707-85-47, +46-73-707-85-50, E-Mail: ellika@stockholmresilience.su.se

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): Uta Pohlmann/Patrick Eickemeier, Telefon: +49-331-288-2507, E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Universität Kopenhagen: Svend Thaning, Telefon: +45-35-32-42-81, +45-28-75-4281, E-Mail: svt@science.ku.dk

Australian National University: Roz Smith, ANU Climate Change Institute, Telefon: +61-2-6125-6599, +61-2-402-286-325, E-Mail: roz.smith@anu.edu.au

Universität von Minnesota: Todd Reubold, Telefon: +01-612-624-6140, E-Mail: reub0002@umn.edu

Für weitere Informationen wenden Sie sich an:
EUROPA:
Johan Rockström, Telefon: +46-73-707-85-47, E-Mail: johan.rockstrom@stockholmresilience.su.se
Hans Joachim Schellnhuber, Telefon: +49-331-288-2507, E-Mail: director@pik-potsdam.de
Katherine Richardson, Telefon: +45-35324285, +45-28754285, E-Mail: KARI@science.ku.dk
AUSTRALIEN:
Will Steffen, Telefon: +61-404-074-593, +61-2-6125-6599, E-Mail: will.steffen@anu.edu.au
USA:
Jonathan Foley, Telefon: +01-952-715-9586; E-Mail: jfoley@umn.edu

Uta Pohlmann | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.stockholmresilience.org/planetary-boundaries
http://www.prnewswire.com/mnr/stockholmresilience/40125/
http://www.nature.com/news/specials/planetaryboundaries/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics