Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ohrwürmer lassen hungrige Kinder im Stich

13.05.2009
Mütter suchen Duftstoffe starker Jungtiere und pflegen nur diese

Ohrwürmer-Mütter bevorzugen ihre gesündesten Jungen und füttern diese mehr als den hungrigem Nachwuchs. Zu diesem Schluss kommen Evolutionsbiologen der Universität Basel im Wissenschaftsmagazin Proceedings.

Sie entschlüsselten chemische Signale, mit denen Jungtiere ihre Mütter um Essen bitten, und untersuchten im Labor die Reaktion auf die Muttertiere. Dabei schauen die Mütter mehr auf Qualität als auf die Notwendigkeit ihres Nachwuchses, berichtet die Studienleiterin Flore Mas.

In einem Experiment wurden Duftextrakte von jungen Ohrwürmern im Larvenstadium hergestellt, die sich in guter Kondition befanden. Ebenso verfuhr man mit Ohrwürmern, die man längere Zeit hungern ließ. Nachdem man Ohrwurmmütter einem dieser beiden Duftstoffe ausgesetzt hatte, ließ man sie auf Nahrungssuche gehen, ehe sie in ihr Nest zurückkehrten und ihre Jungen versorgten. Zu dieser Fütterung würgen Mütter die aufgenommene Nahrung hervor. Aufschluss über das Sozialverhalten ergab die Detailbeobachtung. Dazu wogen die Forscher die zur Verfügung gestellte Nahrung vor und nach der Aufnahme durch die Mutter ab. Außerdem verfolgten sie im Bauch der Jungtiere den weiteren Verlauf der Nahrung, da man diese grün gefärbt hatte.

Die Ohrwurm-Mütter hatten sich besonders bei der Nahrungssammlung angestrengt, wenn sie zuvor Duftstoffen der wohlgenährten Jungen aufgenommen hatten. Der Geruch von hungrigem oder schwachem Nachwuchs löste deutlich geringere Aktivität aus, zudem widmeten die Weibchen den schwachen Jungtieren nach der Rückkehr ins Nest viel weniger Fütterungszeit. "Diese unerwartete Reaktion ist durch die hohe Sterblichkeit des Nachwuchses erklärbar. Von etwa 50 Jungtieren eines Geleges überleben im Labor nur die Hälfte, in der Natur wahrscheinlich viel weniger. Für eine stabile Population reicht es jedoch, dass zwei Tiere überleben. Da zahlt es sich aus, die elterliche Investition auf den wohlgenährten Nachwuchs zu konzentrieren", erklärt Mathias Kölliker, Gruppenleiter der Forschung, gegenüber pressetext.

Hauptziel der Ohrwurm-Forschung ist laut Kölliker die Suche nach Regeln sozialen Verhaltens in Gemeinschaften, sowie die Verbesserung von Voraussagen, die auf der Evolutionstheorie basieren. "Das Verhalten der Weibchen, die viel Zeit, Energie und Ressourcen in der Zucht ihrer Jungen verwenden, ist altruistisch. Dennoch kommt es zu Konflikten, da die Jungen mehr einfordern, als ihnen die Eltern zugestehen." Die Arbeit bleibt an der Mutter hängen, da das Ohrwurm-Männchen bereits vor dem Schlüpfen der Jungen stirbt.

Auch wenn die im Experiment beobachtete Kommunikation als Konfliktlösung Ohwurm-spezifisch sei, könne man die dahinterstehenden Probleme der Ohrwurmfamilie auch mit anderen Lebewesen vergleichen. Ähnliches Verhalten habe man erst bei wenigen Tieren festgestellt. "Bisher ist bekannt, dass Vogeleltern besonders die Jungen füttern, deren Haut unter den Federn UV-Strahlen stärker reflektiert. Das ist ein Hinweis auf funktionierendes Immunsystem", so der Basler Evolutionsbiologe gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://evolution.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen
27.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie