Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Stumpfnasenaffe in Myanmar entdeckt

27.10.2010
Ein internationales Team von Primatologen hat eine neue Affenart in Nord-Myanmar entdeckt. Wie die Forschenden unter der Leitung von Thomas Geissmann von der Universität Zürich im «American Journal of Primatology» berichten, besteht die Population aus rund 300 Affen. Die von der einheimischen Bevölkerung als «Affen mit aufgestellter Nase» bezeichneten Tiere sind stark bedroht.

Das Team unter der Leitung von Thomas Geissmann vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich entdeckte die neue Art im Frühjahr 2010. Im Rahmen einer mehrjährigen Bestandesaufnahme der Gibbonbestände waren sie im wenig erforschten Myanmar unterwegs und zählten auch alle anderen Affen. Als ein Jäger von einem grosslippigen Affen mit hochgestellter Nase erzählte, liess dies die Forscher aufhorchen.


Bildrekonstruktion eines Stumpfnasenaffens.
Bild: Thomas Geissmann

«Die charakteristischen Merkmale deuteten auf Stumpfnasenaffen hin, die aber in Myanmar nicht vorkommen dürften», erzählt Thomas Geissmann. Bis anhin waren vier Arten von Stumpfnasenaffen bekannt, die alle in ihrem Fortbestand als bedroht eingestuft werden. Sie unterscheiden sich markant in ihrer Fellfärbung. Allen gemeinsam ist die seltsam geformte Nase mit vertikal aufgestellten Nasenflügeln und Nasenlöchern.

Nach zwei gezielten Expeditionen in den Nordosten des Landes konnte das Vorkommen von Stumpfnasenaffen in den Vorgebirgen des Himalajas bestätigt werden. Wie Thomas Geissman erklärt, hat die neue Affenart ein fast völlig schwarzes Fell mit weissen Ohrbüscheln. Sie unterscheidet sich darin von sämtlichen anderen Arten der Stumpfnasenaffen. Der Schwanz ist relativ lang und beträgt 140 Prozent der Kopf-Rumpflänge. Die neue Art, der Burmesische Stumpfnasenaffe (Rhinopithecus strykeri) wurde zu Ehren von Jon Stryker, dem Präsident und Gründer der Arcus Foundation benannt, der das Projekt unterstützte. In der Sprache der dort lebenden Menschen ist die Art aber als mey nwoah, «Affe mit aufgestellter Nase», bekannt.

Die Jäger erzählten den Forschenden, die Affen seien besonders bei Regen leicht zu finden: Man könne sie ständig niesen hören, weil ihnen das Regenwasser in die aufgestellten Nasen laufen würden. Die Affen würden daher Regentage mit den Köpfen zwischen den Knien sitzend verbringen.

Die Surveys und Interviews mit Jägern zeigten, dass das Verbreitungsgebiet der Affen auf das Tal des Maw Flusses beschränkt ist. Es handelt sich um ein Gebiet von etwa 270 Quadratkilometern. Die Tiere leben auf einer Höhe von 1700 bis 3200 Meter über Meer. Die gesamte Population scheint aus drei bis vier grossen Affengruppen zu bestehen, mit einer Populationsgrösse von 260-330 Individuen. Die neue Art wird als «kritisch bedroht» eingestuft.

Das kleine Verbreitungsgebiet liegt im Kachin-Staat im nordöstlichen Myanmar, nahe der chinesischen Grenze. Es ist von den anderen Vorkommen der Stumpfnasenaffen nicht nur durch hohe Gebirgszüge, sondern vor allem durch zwei grosse Verbreitungsbarrieren abgetrennt, den Flüssen Salween und Mekong. Die Isoliertheit des Vorkommens dürfte dazu beigetragen haben, dass die Art nicht vorher entdeckt wurde.

Thomas Geissmann befürchtet, dass der neu entdeckte Stumpfnasenaffe aus Myanmar schon bald ausgestorben sein könnte. Der Bau von grossen Dammprojekten und von Rodungsstrassen beginnt, das bisher isolierte Verbreitungsgebiet zu erschliessen.

Literatur:
Geissmann. T, Lwin. G, Aung. S, Naing Aung. T, Aung. Z M, Hla. T, Grindley. M, Momber. F, “A new species of Snub-nosed monkey, Genus Rhinopithecus Milne-Edwards, 1872 (Primates, Colobianae), From Northern Kachin State, Northeastern Myanmar”, American Journal of Primatology, Wiley-Blackwell, October 2010, DOI: 10.1002/ajp.20894
Kontakte:
Thomas Geissmann
Anthropologisches Institut
Universität Zürich
Tel: +41-44-635 54 13
Fax: +41-44-635 68 04
E-mail: thomas.geissmann@aim.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.gibbons.de
http://www.gibbonconservation.org
http://www.mediadesk.uzh.ch/authoring/articles/2010/neue-affenart.html

Weitere Berichte zu: Affe Affenart Gibbonbestände Myanmar Rhinopithecus Rhinopithecus strykeri

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie