Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer DNA-Test zur Diagnostik der gefährlichsten Wurminfektion des Menschen

24.04.2009
Der Nachweis der Schistosomiasis (Bilharziose) wird damit einfacher und sensitiver.

Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin haben gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Hamburg und Gießen den weltweit ersten DNA-Test für Schistosomiasis entwickelt. Die Methode wird den Nachweis der gefährlichen Tropenkrankheit erheblich vereinfachen.

Zudem lässt sich mit ihr überprüfen, ob Behandlungsmaßnahmen wirksam sind. Mit Schistosomiasis, die in Deutschland häufig nach dem deutschen Entdecker Theodor Bilharz auch Bilharziose genannt wird, sind weltweit etwa 200 Millionen Menschen infiziert. Jährlich fordert die Krankheit schätzungsweise 200.000 Opfer - sie gilt damit als gefährlichste Wurminfektion des Menschen. Die Arbeit zum DNA-Test ist jetzt in der Zeitschrift "PLoS Neglected Tropical Diseases" erschienen.

Der Erreger der Schistosomiasis ist ein kleiner Wurm, der so genannte Pärchenegel. Die Larven dringen durch die intakte Haut in den Menschen ein, reifen und wandern in die Leber, wo sich die Weibchen in einer breiten Längsfalte am Bauch der Männchen niederlassen. Gemeinsam wandern die Pärchenegel in die Venen des Darms oder des kleinen Beckens und lassen sich dort nieder. Offenbar gelangt dann Wurm-DNA laufend in das Blut des Patienten. Die Weibchen produzieren massenhaft Eier, die zunächst die Wand der Blutgefäße, dann die Darm- bzw. Blasenwand durchdringen und mit Stuhl oder Urin ausgeschieden werden.

"Unser Test kann die DNA des Wurms anhand charakteristischer Merkmale nachweisen", erklärt Professor Dr. Christian Drosten, der die Arbeiten am Hamburger Tropeninstitut durchgeführt hat und inzwischen das Institut für Virologie an der Universität Bonn leitet. In der jetzt veröffentlichten Studie wird gezeigt, dass der neue Bluttest hochsensitiv ist und sowohl bei akut als auch bei chronisch Infizierten funktioniert. Zudem eignet er sich, um den Erfolg einer eingeleiteten Therapie zu überprüfen. "Die nachgewiesene DNA-Menge korrespondiert mit der Zahl der Erreger", betont Christian Drosten.

Bislang gestaltete sich eine sichere Diagnose der Schistosomiasis als schwierig. Zwar gibt es einen Antikörper-Test, der aber insbesondere akute Infektionen häufig nicht anzeigt. "Außerdem kann ein positives Testergebnis auch auf eine längst abgeheilte Infektion zurückzuführen sein", sagt Dr. Dominic Wichmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Standard ist seit Jahrzehnten der mikroskopische Nachweis der Eier der Pärchenegel im Stuhl oder Urin. Doch deren Verteilung ist so ungleichmäßig, dass nicht jede Probe einer infizierten Person auch zwangsläufig Eier enthält. Häufig mussten zur sorgfältigen Diagnostik daher Darm- oder Blasenspiegelungen durchgeführt werden.

Übertragungsort der Schistomiasis sind stehende Gewässer. Dort vermehren sich Larven des Wurms in Schnecken, die schließlich zahlreiche infektionstüchtige Larven ins Wasser abgeben. Nachdem diese in den Menschen eingedrungen sind, die Pärchen sich gefunden und in den Blutgefäßen eingenistet haben, gelangen die produzierten Eier häufig nicht in den Darm bzw. in die Blase, sondern werden mit dem Blut in die Leber bzw. ins Gehirn gespült. Dort verursachen sie lebensgefährliche Vernarbungen, die Erkrankungen ähnlich der Leberzirrhose bzw. Störungen im Zentralnervensystem hervorrufen können mit Jahr für Jahr nach Schätzungen rund 200.000 Opfern.

Der vollständige Artikel "Diagnosing Schistosomiasis by Detection of Cell-Free Parasite DNA in Human Plasma" kann bei PLoS Neglected Tropical Diseases! unter http://www.plosntds.org/doi/pntd.0000422 abgerufen werden.

Kontakt für die Medien:

Professor Dr. Christian Drosten
Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn
Tel.: 0228/287-11055
E-Mail: drosten@virology-bonn.de
Dr. Dominic Wichmann
Sektion Infektiologie und Tropenmedizin, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Mobil: 0171-732 6788
E-Mail: wichmann@bni-hamburg.de
Über das Bernhard-Nocht-Institut:
Als nationales Kompetenzzentrum dient das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) der Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.

Gegenstand der Forschung sind Klinik, Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung sowie die Biologie der Krankheitserreger, ihrer Reservoirtiere und Überträger. Den aktuellen Schwerpunkt bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochinfektiösen Erregern wie Lassa- und Ebola-Viren verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4).

In Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das BNI seit über 10 Jahren ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum in Ghana, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht. Als herausragende wissenschaftliche Leistungen des BNI in jüngster Vergangenheit gelten die Identifizierung des SARS-Coronavirus und die Entdeckung eines bisher unbekannten Entwicklungs-stadiums der Malaria-Erreger im Menschen.

Versorgungsleistungen des BNI umfassen die spezielle Labordiagnostik tropen-typischer und anderer seltener Erkrankungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sowie Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, die wesentlich zur gesamtstaatlichen Bedeutung des Instituts beitragen.

Das BNI fungiert dabei als nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren.

Als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) wird das BNI als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.

Eva Königsmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bni-hamburg.de/
http://www.plosntds.org/doi/pntd.0000422

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics