Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Abwehrmechanismus des Immunsystems gegen HI-Viren entdeckt.

13.11.2013
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint – das Immunsystem hat einem Angriff durch HI-Viren durchaus etwas entgegen zu setzen.

Christine Goffinet, Leiterin der Arbeitsgruppe Angeborene Immunität und Virale Evasion am TWINCORE, hat einen neuen antiviralen Mechanismus entdeckt, mit dem sich unsere Immunzellen direkt nach der Infektion mit HI-Viren zur Wehr setzen: Das Protein 90K ist ein sogenannter antiviraler Restriktionsfaktor, der die Ansteckungsfähigkeit neu gebildeter Viren reduziert.


Primäre humane Makrophagen, stimuliert mit Interferon-alpha, nach Permeabilisierung mit anti-90K Antikörper (gelb) und DAPI (Zellkern, blau) markiert. Dr. Christine Goffinet

Es wird besonders stark in Makrophagen aktiviert, einer der Zelltypen, auf die das HI-Virus vor allem abzielt. Dieser Abwehrmechanismus ist zwar nicht stark genug, um das Virus in HIV-1 infizierten Patienten wirkungsvoll zu bekämpfen, aber er ist ausbaufähig; davon ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

„Es sind etwa ein Dutzend antiviraler Proteine bekannt, die direkt nach einem Angriff in unseren Zellen aktiviert werden“, sagt Christine Goffinet. Sie wirken an unterschiedlichen Stellen des viralen Vermehrungszyklus, können HIV jedoch – wie hinlänglich bekannt – nicht stoppen.

Ohne diese antiviralen zellulären Proteine wäre HIV aber möglicherweise noch schneller und aggressiver als es ohnehin schon ist. Die Restriktionsfaktoren werden von Interferonen angeschaltet, die der Organismus als erste, angeborene Reaktion auf eine Infektion bildet. Der Körper reagiert auf eine Infektion mit dem HI-Virus zunächst ähnlich wie auf eine leichte Grippe. Allerdings ist diese Erstreaktion des Körpers meist nicht einmal so stark, dass sie Patienten veranlasst, zum Arzt zu gehen.

„Das Protein 90K haben wir als neuen antiviralen Faktor identifizieren können, der gemeinsam mit anderen Faktoren durch Interferone aktiviert wird. Das Besondere an diesem Protein ist, dass es das Virus über einen neuen Wirkmechanismus angreift“, sagt die Wissenschaftlerin. Andere Faktoren beeinflussen beispielsweise die genetischen Kopier- und Schreibprozesse oder die Freisetzung der Viren.

Der neue Faktor wirkt hingegen auf die Biosynthese der viralen Hüllproteine und stört die Zusammensetzung der neuen Hüllen des Nachwuchses. In infizierten Zellen werden zwar in Gegenwart des Proteins 90K genauso viele Viren gebildet wie ohne - aber die Viren sind, wenn sie während ihrer Produktion diesem Faktor ausgesetzt waren, weniger infektiös und können neue Zellen nicht mehr so einfach infizieren. Die Verbreitung des Virus wird – zumindest in Zellkultur – gebremst. Diese „Bremswirkung“ ist jedoch nicht stark genug, um daraus direkt eine Therapie entwickeln zu können.

Nun gilt es, die Effekte, die 90K auf HIV hat, zu stärken und den Gegenspieler im Virus zu finden, der die Wirkung des Proteins abschwächt – es also antagonisiert. Die Fragen, die sich Christine Goffinet stellt: Ist es möglich, das Protein 90K so zu modifizieren, dass es das Virus stärker schädigt und zudem nicht mehr durch die Gegenmaßnahmen des Virus inaktiviert werden kann? „Kollegen in der ganzen Welt arbeiten an der Erforschung dieser natürlich vorkommenden antiviralen Proteine, um daraus eine Therapie abzuleiten“, sagt die TWINCORE Wissenschaftlerin. „90K könnte sich, da es einen einzigartigen antiviralen Wirkmechanismus hat, zu einem wichtigen neuen Baustein für diesen Therapieansatz entwickeln.“

Publikation:
Veronika Lodermeyer, Kristina Suhr, Nicola Schrott, Christian Kolbe, Christina M. Stürzel, Daniela Krnavek, Jan Münch, Christian Dietz, Tanja Waldmann, Frank Kirchhoff, and Christine Goffinet. 90K, an interferon-stimulated gene product, reduces the infectivity of HIV-1. Retrovirology 2013, 10:111 doi:10.1186/1742-4690-10-111
Ansprechpartnerin:
Dr. Christine Goffinet, christine.goffinet@twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-198
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de/infothek-und-presse/mitteilungen/newsdetails/artikel/696/

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise