Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturstoffe aus dem Meer als Basis für neue Krebstherapien

05.08.2010
Wissenschaftler aus Deutschland, China und Vietnam untersuchen im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund einer Million Euro geförderten Forschungsprojektes marine Organismen, um neuartige Wirkstoffe für die Krebsmedizin zu finden.

Ein Großteil der Summe geht an den Forschungsbereich ProQinase der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg, welche für das Wirkstoffscreening, das heißt das Austesten der gefundenen Naturstoffe im Reagenzglas und in der Zelle, verantwortlich ist.

„Das südchinesische Meer besitzt eine immense Vielfalt an marinen Organismen, die eine bislang weitgehend unerforschte Quelle von Naturstoffen mit medizinischem Nutzen darstellen“, betont Dr. Michael Kubbutat, Leiter des Freiburger Forscherteams.

Das Verbundprojekt ist auf mehrere Schultern verteilt. Es vereint im Bereich der marinen Organismen und Naturstoffchemie die Erfahrung der chinesischen Forscher von der Peking University und der Beijing Pason Biomedical Technology Company sowie deren vietnamesischer Kollegen von der Vietnamese Academy of Science and Technology in Hanoi. Das Gebiet der Isolierung und Charakterisierung von marinen Naturstoffen wird durch die die Expertise der Arbeitsgruppe von Professor Peter Proksch von der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf abgedeckt. Die Wissenschaftler des Forschungsbereichs ProQinase der Klinik für Tumorbiologie bringen ihre Erfahrungen im Bereich der Wirkstoffentwicklung für die Tumortherapie ein.

„Marine Organismen sind eine anerkannte Quelle für Wirkstoffe mit medizinischer Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs“, so Kubbutat. Naturstoffe dienen zudem auch als Startpunkt für die Entwicklung synthetischer Wirkstoffe. „Bislang wurden sind 10.000 Naturstoffe mit pharmakologischen Wirkungen bekannt. Da aber erst eine geringe Anzahl mariner Organismen untersucht worden ist, existiert hier ein unschätzbares Potential an neuartigen Wirkstoffen“, erklärt Professor Proksch. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen und vietnamesischen Partnern erlaube die Untersuchungen von Naturstoffen aus einer Region, die sich durch eine gewaltige Diversivität an marinen Lebensformen auszeichne, welche bislang wenig erforscht seien.

Die Projektpartner in China und Vietnam stellen Extrakte aus den marinen Organismen her, bei denen es sich zumeist um Schwämme handelt. Die Wissenschaftler in Düsseldorf isolieren daraus die reinen Naturstoffe. Diese werden anschließend von den Forschern in Freiburg in biochemischen und zellulären Testsystemen auf ihre antitumorale Wirkung hin überprüft. „Wir sind darauf spezialisiert, durch die Identifizierung von Proteinkinase-Hemmstoffen neue Strategien zu entwickeln, welche die Mechanismen blockieren, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Die Kombination dieser Strategie mit dem Potential der Naturstoffe aus bislang unerforschten marinen Organismen könnte zur Entdeckung völlig neuartiger Wirkstoffe führen“, erläutert Kubbutat.

Kontakt:
Barbara Riess, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Klinik für Tumorbiologie, Breisacher Str. 117, 79106 Freiburg, Tel.: 0761 1109, e-mail: riess@tumorbio.uni-freiburg.de

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie