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Mücken gefährden Vögel auf Galapagos

12.08.2009
Krankheitsüberträger reisen mit dem Touristengepäck ein

Eine Mückenart, die als blinder Passagier der Touristenflüge die Inselgruppe Galapagos erreicht, könnte für die dortige Artenvielfalt eine ernsthafte Bedrohung werden.

Davor warnen englische und ecuadorianische Forscher in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B. Sie fanden in Laderäumen von Flugzeugen, die das Archipel im Pazifik ansteuerten, eine Mücke namens Culex quinquefasciatus, die ein berüchtigter Verbreiter von Vogelkrankheiten ist.

Da sie sich auf der Insel behaupten kann und die dortige Tierwelt dem Erreger nicht gewachsen ist, könnten mehrere Vogelarten für immer von Galapagos verschwinden, falls es keine Gegenmaßnahmen gibt, so die Wissenschaftler.

Die zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln im Pazifik gelten als Naturparadies und sind Teil des UN-Weltkulturerbes. Ihre entlegene Lage verschonte sie weitgehend von der globalen Umweltzerstörung, was das Überleben von 95 Prozent der ursprünglichen Arten ermöglichte. In den letzten Jahren entwickelte sich das Archipel zum Touristenmagnet und bildet dadurch eine lukrative Einnahmequelle für das Mutterland Ecuador. Ungewollte Begleiterscheinungen dieser Entwicklung bedrohen jedoch die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Dazu gehören der steigende Schiffs- und Flugverkehr (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/061013028/ ), die Zunahme an Müll sowie unberechenbare Faktoren wie die Einschleppung von Haustieren durch die arbeitende Bevölkerung (http://pressetext.com/news/090602028/ ). Auch die Mitnahme von Mücken, die Schildkröten und Leguane befallen (http://pressetext.com/news/090602028/ ), hat man bisher als Problem erkannt.

Diesmal untersuchten die Forscher das Vorkommen einer Mückenart, die der wichtigste Überträger der Vogelkrankheiten Vogelmalaria, Vogelpocken und West-Nil-Virus ist. Im späten 19. Jahrhundert hatte ihre Einschleppung nach Hawaii für das Aussterben von 23 von 42 Türkis-Vogelarten gesorgt. Zunächst nahmen die Forscher auf ihrer Suche systematisch Laderäume der nach Galapagos abfliegenden Flugzeuge unter die Lupe. So kamen sie zu einer Einschätzung, wie viele der Insekten auf diesem Weg die Inselgruppe erreichen. Anschließend führten sie bei Moskito-Populationen der Insel Gentests durch, um Einblick in die Überlebensrate und Verbreitung der Mücke zu bekommen. "Gewöhnlich bringt jedes Flugzeug nur wenige Mücken mit, doch aufgrund der großen Anzahl an Flügen reicht diese Zahl aus, um das Überleben und die Vermehrung der Mücken zu garantieren, sobald sie den Flieger verlassen", berichtet Studienleiter Arnaud Bataille.

Sobald die Mücken die Inselgruppe erreichen, integrieren sie sich problemlos in bestehende Populationen anderer Insekten und pflanzen sich fort. Bootsfahrten der Touristen sorgen dafür, dass die Tiere auf die verschiedenen Inseln des Archipels verteilt werden. "Kaum jemand, der Galapagos besucht, denkt daran, dass er damit das Risiko einer ökologischen Katastrophe erhöht", sagt Simon Goodman, einer der Autoren der Studie. Die ecuadorianische Regierung bestimmte kürzlich, dass alle die Insel ansteuernden Flugzeuge mit Insektiziden behandelt werden müssen. "Dass das auch den gewünschten Effekt bringt, ist bisher nicht nachgewiesen. Außerdem müssen ähnliche Maßnahmen auch für Schiffe eingeführt werden", fordert Goodman. Von der Durchsetzung der bereits bestehenden strengen Schutzbestimmungen hänge die Zukunft des Naturparadieses ab, denn der rapide Anstieg des Tourismus sei kaum aufzuhalten.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://rspb.royalsocietypublishing.org

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