Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mischform der Hausmücke kann Krankheiten vom Vogel auf den Menschen übertragen

26.04.2016

ForscherInnen der Vetmeduni Vienna wiesen erstmals eine Kreuzung zweier nordeuropäischer Hausmückenformen im Osten Österreichs nach. Der fortpflanzungsfähige Hybrid saugt – anders als die zwei bekannten Hausmückenformen – das Blut von Vögeln und Menschen. Damit könnte er auch Krankheitserreger vom Vogel auf den Menschen übertragen. Identifizieren lassen sich die zwei Ökoformen und ihr Hybrid nur über das Erbgut. Äußerlich sind sie nicht voneinander unterscheidbar. Die Studie dazu wurde im Fachjournal Parasites & Vectors veröffentlicht.

Insgesamt 1500 Hausmücken fing ein Team vom Institut für Parasitologie der Vetmeduni Vienna im Osten Österreichs ein. Die nordeuropäische Hausmücke Culex pipiens, war mit mehr als 90 Prozent die häufigste eingefangene Mückenart.


Die Ökoformen der nordeuropäischen Hausmücke kann man äußerlich kaum voneinander entscheiden.

Carina Zittra/Vetmeduni Vienna

Die Artbezeichnung Culex pipiens steht für verschiedene Ökoformen, die sich äußerlich nicht voneinander unterscheiden. Zwei dieser Ökoformen sind in Ostösterreich heimisch. Jetzt identifizierte die Erstautorin der Studie Carina Zittra auch eine Mischform der beiden.

Eine Kreuzung aus Ökoformen mit unterschiedlichen Vorlieben

Die bei weitem häufigste Ökoform war Culex pipiens f. pipiens. Sie ernährt sich vorwiegend von Vogelblut, pflanzt sich in einem Hochzeitsschwarm fort und braucht vor der ersten Eiablage eine Blutmahlzeit als Proteinzufuhr. Außerdem überwintert diese Form unter anderem in Kellern. Die zweite Ökoform, Culex pipiens f. molestus, bevorzugt dagegen das Blut von Säugern und Menschen.

Sie pflanzt sich in Einzelpaarungen fort, braucht keine initiale Blutmahlzeit und ruht im Winter nicht. Diese säugerblutaffine Hausmückenform kann also in Wohnungen auch im Winter zustechen.
„Die Mischform, die wir nachweisen konnten, ist eine natürliche Kreuzung, also ein Hybrid dieser beiden Hausmückenformen“, sagt Zittra.

Welche dieser unterschiedlichen Lebensweisen der Hybrid zeigt, bedarf laut Zittra noch weiterer Studien. Zu erwarten ist allerdings keine so eindeutige Blut-Präferenz wie bei den beiden herkömmlichen Culex pipiens-Formen.

Hybride könnten als Brückenvektoren fungieren

Stechmücken saugen nicht nur Blut. Sie können bei einer Blutmahlzeit auch Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus übertragen. Diese Erreger werden unter anderem durch Zugvögel nach Österreich gebracht. Eine Übertragung vom Vogel auf Säuger ist unwahrscheinlich, solange die Mückenformen wie die vogel-affine Culex pipiens f. pipiens ihrer jeweiligen Blutquelle treu bleiben.

Die neu entdeckten Hybriden haben laut Zittra bekanntlich keine eindeutige Präferenz für das Blut nur einer Spezies. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie zu sogenannten Brückenvektoren werden. Das heißt, der Hybride nimmt den Erreger von seinem ursprünglichen Wirt, dem Vogel, auf und kann ihn auf einen anderen Vogel oder auf eine andere Spezies wie den Menschen übertragen.

Die Häufigkeit der Hybride ist allerdings aktuell sehr gering. „Man darf das mögliche Vorkommen von Hybridformen bei zukünftigen Screenings jedoch nicht außer Acht lassen, vor allem weil sich die Hybride vermutlich fortpflanzen können“, fügt Zittra hinzu.

Die Mückenlast einschränken

Hausmücken brauchen zur Eiablage nur eine stehende Wasserstelle, wie zum Beispiel Blumen- oder Regenwasser, das sich in der Regentonne oder einem Spielzeug im Garten gesammelt hat. Daher sollte man regelmäßig diese Reservoirs ausleeren und derartige Feuchtstellen vermeiden, um den Mücken das Bruthabitat zu entziehen.

Zittra kann auch zu UV-Lampen als Fallen einen wertvollen Tipp geben. „Die gemeine Stechmücke sucht sich ihre Opfer durch den Kohlendioxid-Ausstoß beim Atmen, Körperwärme und den Schweiß. Lichtquellen locken sie nicht an, sie stechen uns ja auch nachts. Deswegen nützen auch UV-Lampen wenig, außer, dass sie andere, nützliche Insekten anziehen.“

Service:
Der Artikel „Ecological characterization and molecular differentiation of Culex pipiens complex taxa and Culex torrentium in Eastern Austria“ von Carina Zittra, Eva Flechl, Michael Kothmayer, Simon Vitecek, Heidemarie Rossiter, Thomas Zechmeister und Hans-Peter Fuehrer wurde wurde im Fachjournal Parasites & Vectors veröffentlicht. doi: 10.1186/s13071-016-1495-4
http://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-016-1495-4

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Mag.rer.nat. Carina Zittra
Institut für Parasitologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-2205
carina.zittra@vetmeduni.ac.at

Aussender:
Mag.rer.nat. Georg Mair
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1165
georg.mair@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinformatione...

Mag.rer.nat Georg Mair | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Culex pipiens Hybride Parasitologie UV-Lampen West-Nil-Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie