Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenförderung für Gruppenleiter am MPIB

10.08.2012
Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert exzellente Grundlagenforschung in Europa, um so visionäre Projekte voranzutreiben und neue interdisziplinäre Wissensgebiete zu erschließen.
Gleich drei jungen Gruppenleitern vom Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried bei München ist es jetzt gelungen, einen der begehrten „ERC Starting Grants“ einzuwerben. Verteilt auf fünf Jahre erhalten Esben Lorentzen, Andreas Pichlmair und Frank Schnorrer jeweils rund 1,5 Millionen Euro für ihre Projekte. Durch ihre bisherigen Leistungen konnten sie sich gegen mehrere Tausend Mitstreiter durchsetzen.

Ein Lieferservice für Zellhärchen
Winzige Härchen an der Zelloberfläche (Zilien) bewegen Zellen, verarbeiten Signale von außen oder koordinieren die korrekte Anordnung der inneren Organe. Allerdings müssen sie dazu mit wichtigen Bausteinen versorgt werden. Das übernimmt ihr komplexes Transportsystem, der Intraflagelläre Transport (IFT). Störungen im IFT können zu Fehlern im Aufbau der Zilien sowie zu Krankheiten mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen führen. Mit seiner Forschungsgruppe „Strukturbiologie der Zilien“ untersucht Esben Lorentzen, wie der IFT funktioniert. Mittels Röntgenkristallographie konnte er bereits die Struktur einer Untereinheit des IFT-Apparates entschlüsseln, weitere sollen folgen. Die Ergebnisse könnten helfen, Fehlern beim Aufbau der Zilien und damit Krankheiten vorzubeugen.

Viren im Visier
Wenn Viren in unseren Körper gelangen, reagiert das Immunsystem sofort. Immunzellen erkennen den Erreger über bestimmte Signalmoleküle auf der Zelloberfläche und leiten das passende Manöver ein. Diese molekularen Sensoren für Viren sind ein Schwerpunkt von Andreas Pichlmair und seiner Forschungsgruppe „Angeborene Immunität“. Gelingt es den Erregern trotzdem eine Zelle zu infizieren, übernehmen die Viren das Kommando und lassen den Stoffwechsel der Zelle für sich arbeiten. Noch ist unklar, wie sie die genetische Aktivität und die Proteinproduktion der befallenen Zellen im Detail verändern. Um solche veränderten Proteine zu identifizieren und ihre Bedeutung für die virale Replikation zu erfassen, verwenden Andreas Pichlmair und seine Kollegen unter anderem die Methode der Massenspektrometrie.

Fliegende Kraftpakete
Die Taufliege Drosophila melanogaster besitzt verschiedene Arten von Muskeln und kann so vielfältige Verhaltensweisen wie Kriechen, Laufen und natürlich Fliegen ausführen. Mittels gezielter Veränderungen von Genen untersuchen Frank Schnorrer und seine Forschungsgruppe „Muskeldynamik“, wie sich die Muskeln der Taufliege an der richtigen Stelle im Körper entwickeln und den korrekten Kontraktionsapparat aufbauen. In über 25.000 Flugtests konnten die Forscher das entscheidende Schaltergen „Spalt“ identifizieren, das Drosophila fliegen lässt. Spalt leitet die Bildung der speziellen Flugmuskeln ein, welche dann 200 Mal pro Sekunde kontrahieren können. Spalt und seine verwandten Gene sind nicht nur für die Flugmuskelbildung in Insekten wichtig, sondern möglicherweise auch für eine korrekte Herzmuskelfunktion im Menschen. In der Zukunft möchte Frank Schnorrer verstehen, wie Spalt den Flugmuskeln ihre besonderen Eigenschaften verleiht.

Bereits Anfang des Jahres zeichnete der Europäische Forschungsrat eine MPIB-Wissenschaftlerin aus: Direktorin Elena Conti erhielt den „ERC Advanced Grant“.

Kontakt
Dr. Esben Lorentzen
Strukturbiologie der Zilien
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-Mail: lorentze@biochem.mpg.de
http://www.biochem.mpg.de/lorentzen

Dr. Andreas Pichlmair
Angeborene Immunität
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-Mail: apichl@biochem.mpg.de
http://www.biochem.mpg.de/pichlmair
Dr. Frank Schnorrer
Muskeldynamik
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-Mail: schnorrer@biochem.mpg.de
http://www.biochem.mpg.de/schnorrer

Anja Konschak
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
Tel. +49 89 8578-2824
E-Mail: konschak@biochem.mpg.de
http://www.biochem.mpg.de

Anja Konschak | idw
Weitere Informationen:
http://www.biochem.mpg.de/news
http://www.erc.europa.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen