Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche Gehirnzellen aus dem Reagenzglas

12.08.2011
Doktorand der Universität Konstanz generiert Astrozyten aus embryonalen Stammzellen

Philipp Kügler hat im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Konstanz aus embryonalen Stammzellen erfolgreich Astrozyten entwickeln können. Der Doktorand der Graduiertenschule Chemische Biologie konnte nun zeigen, dass die von ihm aus embryonalen Stammzellen entwickelten Astrozyten die gleichen Funktionen übernehmen können, wie Astrozyten im Gehirn.

Damit hat der Konstanzer Nachwuchswissenschaftler eine Grundlage für die Entwicklung von zell-basierten Test- und Analyseverfahren geschaffen, die den Einfluss toxischer Substanzen auf das Gehirn untersuchen. „Wenn wir zelluläre Systeme für die Untersuchung von Neurotoxizität nutzen, vermeiden wir nicht nur Tierversuche, sondern können gleichzeitig sehr viel exaktere und effizientere Untersuchungsergebnisse gewinnen, als über die bisher üblichen Verfahren“, erläutert Kügler die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse.

Der Doerenkamp-Zbinden-Lehrstuhl von Prof. Dr. Marcel Leist, dem Betreuer der Dissertation von Philipp Kügler, hat auf die Untersuchung des Einflusses von toxischen Substanzen auf den Embryo im Mutterleib einen Schwerpunkt gesetzt. Dabei soll untersucht werden, wie sich Chemikalien auf die Entwicklung des menschlichen Gehirns auswirken. Diese Chemikalien, wie beispielsweise Blei im Trinkwasser oder toxische Stoffe in der Farbe von Spielzeugen, werden in der Umwelt angereichert und zeigen bereits in sehr geringen Konzentrationen eine schädliche Wirkung. Durch eine solche neurotoxische Wirkung der Substanzen werden bei Kindern und Jugendlichen Wahrnehmungs- und Lernstörungen erklärt. Das Team um Professor Leist, der auch Leiter des in Konstanz angesiedelten europäischen Zentrums für Alternativen zu Tierversuchen (CAAT-EU) ist, forscht intensiv an der Entwicklung von alternativen Testmethoden für Tierversuche, die schneller und kostengünstiger sind und verlässlichere Daten liefern.

Die von Philipp Kügler generierten Astrozyten zählen zu den sogenannten „Gliazellen“ des Gehirns. „Glia“ steht im Griechischen für Leim. Die Zellen wurden lange Zeit für eine reine Klebemasse ohne besondere Eigenschaften gehalten. Tatsächlich hat sich aber gezeigt, dass die Untersuchung der Astrozyten einen wichtigen Teilaspekt bei der Wirkung von Giften auf das Gehirn darstellt. Bis zum Abschluss seiner Dissertation im Herbst diesen Jahres unter dem Titel „Development of embryonic stem cell derived neural cell culture systems for toxicity and drug testing“ wird sich der Konstanzer Nachwuchswissenschaftler anhand von Laboruntersuchungen und erweiterten Testverfahren mit den verschiedenen Eigenschaften und Reaktionen der Astrozyten auf toxische Einflüsse auseinandersetzen.

Philipp Kügler forscht seit 2008 in der Graduiertenschule Chemische Biologie der Universität Konstanz, die seit 2007 im Zuge der erfolgreichen Teilnahme der Universität an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wird. Er hat sein Studium „Life Science“, das aus einer kombinierten Ausbildung in den Fächern Chemie und Biologie Kompetenzen im Feld der biomolekularen Forschungsfelder vermittelt, an der Universität Konstanz absolviert. Außerdem hat er an der University of Canterbury in Neuseeland einen Forschungsaufenthalt mit dem „Postgraduate Diploma of Science“ abgeschlossen. Kügler hatte ursprünglich nicht geplant, seine Doktorarbeit ebenfalls an der Universität Konstanz durchzuführen: „Aber spätestens als die Graduiertenschule gegründet wurde, war klar: überall anders wären die Bedingungen nicht so optimal gewesen, wie hier“, betont der junge Wissenschaftler. Neben den angebotenen Kursen und dem jährlich von den Doktoranden selbst organisierten „Retreat“ war es vor allem die interdisziplinäre Kollaboration, die den Konstanzer Forscher überzeugte. Durch den gemeinschaftlichen Forschungsverbund war es Kügler möglich, die im biologischen Bereich angelegte Arbeit mit Messverfahren und Analysen aus dem Fachbereich Chemie zu ergänzen und gemeinsame Publikationen zu veröffentlichen.

Kontakt:

Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
78457 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-3603
kum@uni-konstanz.de
Philipp Kügler
Universität Konstanz
Graduiertenschule Chemische Biologie
78457 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-5074
philipp.kuegler@uni-konstanz.de

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft
27.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut
27.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie