Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschen könnten wie Tiere über Duftstoffe kommunizieren: Molekül Hedion aktiviert Pheromonrezeptor

09.04.2015

Es ist umstritten, ob Menschen so wie Tiere über Pheromone miteinander kommunizieren. Zellphysiologen der Ruhr-Universität Bochum haben nachgewiesen, dass der Duftstoff Hedion den Pheromonrezeptor VN1R1 aktiviert, welcher in der menschlichen Riechschleimhaut vorkommt. Gemeinsam mit Kollegen aus Dresden zeigten die Bochumer, dass der Geruch von Hedion geschlechtsspezifische Aktivierungsmuster im Gehirn erzeugt, die bei klassischen Riechstoffen nicht entstehen. „Die Ergebnisse liefern einen starken Hinweis, dass es auch bei Menschen eine Pheromonwirkung gibt, die sich vom Riechen unterscheidet“, sagt Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt.

Hedion aktiviert Pheromonrezeptor aus der Riechschleimhaut

Mit genanalytischen Methoden bestätigten die Bochumer Forscher die Existenz des Pheromonrezeptors in der menschlichen Riechschleimhaut. Anschließend schleusten sie den genetischen Code für den Rezeptor in Zellkulturen ein und zeigten anhand dieser Zellen, dass Hedion den Rezeptor aktiviert. Hedion – nach dem griechischen Wort „hedone“ für Vergnügen, Genuss, Lust benannt – hat eine zarte frische Jasmin-Magnoliennote und findet in vielen Parfüms Einsatz. Es wird auch als Duft des Erfolgs bezeichnet.

Geschlechterspezifische Hirnaktivierung könnte mit Sexualhormonausschüttung einhergehen

Was im Gehirn passiert, wenn Menschen Hedion riechen, untersuchte die Bochumer Gruppe gemeinsam mit dem Team um Prof. Dr. med Thomas Hummel vom Universitätsklinikum Dresden. Sie verglichen die Ergebnisse mit den Effekten, die Phenylethylalkohol auslöst, ein klassischer floraler Geruchsstoff. Hedion aktivierte Hirnareale im limbischen System signifikant stärker als Phenylethylalkohol. Das limbische System wird mit Emotionen, Gedächtnis und Antrieb in Verbindung gebracht. Zusätzlich aktivierte Hedion einen speziellen Bereich des Hypothalamus, bei Frauen stärker als bei Männern. Dieses Aktivierungsmuster ist typisch für eine Regulation der Sexualhormonausschüttung. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift „Neuroimage“ veröffentlicht.

Nächste Schritte bereits in Arbeit

„Wir wollen nun herausfinden, welche physiologischen und psychologischen Parameter beeinflusst werden, wenn Hedion den Pheromonrezeptor aktiviert“, berichtet Hanns Hatt. „Entsprechende Studien haben wir bereits begonnen. Man muss aber auch nach Geruchsmolekülen in Körpersekreten suchen, die dem Hedion ähnlich sind und auf den Rezeptor wirken. Damit könnten Menschen dann tatsächlich miteinander kommunizieren.“

Pheromonrezeptoren bei Menschen und Tieren

Pheromone sind Botenstoffe, die der chemischen Kommunikation zwischen Lebewesen der gleichen Art dienen. Sie lösen immer eine gleichartige, reproduzierbare Reaktion aus. Im Tierreich ist diese Art der Kommunikation weit verbreitet. Mäuse haben etwa 300 verschiedene Gene für Pheromonrezeptoren; beim Menschen sind davon vermutlich nur noch fünf nutzbar. Tiere besitzen dafür ein eigenes Organ in der Nähe der Nasenwand, das Vomeronasalorgan. Bei Menschen ist dieses Organ nach heutiger Kenntnis funktionslos. Forscher der RUB und anderer Institute zeigten in den vergangenen Jahren allerdings, dass Pheromonrezeptoren beim Mensch und bei Tieren auch in der Riechschleimhaut vorkommen können.

Titelaufnahme

I. Wallrabenstein, J. Gerber, S. Rasche, I. Croy, S. Kurtenbach, T. Hummel, H. Hatt (2015): The smelling of Hedione results in sex-differentiated human brain activity, Neuroimage, DOI: 10.1016/j.neuroimage.2015.03.029

Weitere Informationen

Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, Lehrstuhl Zellphysiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24586, E-Mail: Hanns.Hatt@rub.de

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE