Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mensch-Hund-Beziehung basiert auf sozialen Fähigkeiten der Wölfe

20.01.2015

Hund und Mensch sind Freunde, ja sogar Partner. Worauf diese gute Mensch-Hund-Beziehung basiert, haben Verhaltensforscherinnen des Messerli Forschungsinstitutes an der Vetmeduni Vienna und des Wolfsforschungszentrums untersucht. Sie fanden heraus, dass die Vorfahren der Hunde, die Wölfe, mindestens genauso achtsam gegenüber ihren Artgenossen und dem Menschen sind wie Hunde. Diese sozialen Fähigkeiten kristallisierten sich nicht erst mit der Domestizierung heraus, sondern waren bereits bei den Wölfen vorhanden. Die Zusammenfassung der Ergebnisse und ihre neue Theorie stellen die beiden Wissenschafterinnen im Journal Frontiers in Psychology vor.

Gängige Domestizierungs-Hypothesen besagen: „Hunde haben sich mit der Domestizierung zu toleranten und achtsamen Wesen entwickelt. Der Mensch hat diese Fähigkeiten gezielt selektiert und den Hund so zum kooperationsfähigen Partner des Menschen herangezogen.“


Wölfe sind mindestens genau so tolerant und sozial aufmerksam wie Hunde. Foto: Zsófia Virányi mit Wolf.

Fotocredit: Wolf Science Center

Friederike Range und Zsófia Virányi aus der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung stellen diese Ansicht in Frage und entwickelten eine andere Hypothese. Ihre „Canine Cooperation Hypothesis“ besagt, dass bereits Wölfe tolerante, achtsame und kooperative Wesen sind. In der Beziehung der Wölfe zueinander liege der Grundstein der heutigen Mensch-Hund-Beziehung. Eine zusätzliche Selektion von Eigenschaften wie soziale Aufmerksamkeit und Toleranz war während der Domestizierung der Hunde nicht nötig.

Hunde akzeptieren den Menschen als Sozialpartner

Nach Ansicht der Forscherinnen sind Hunde keineswegs toleranter oder sozial aufmerksamer als Wölfe. Trotzdem kooperieren Hunde leichter mit dem Menschen als Wölfe, hauptsächlich deshalb, weil Hunde den Menschen eher als Sozialpartner akzeptieren und leichter ihre Angst vor ihm verlieren als Wölfe. Um ihre Hypothese zu prüfen, testeten Range und Virányi die soziale Aufmerksamkeit und Toleranz innerhalb von Wolfrudeln und Hunderudeln aber auch gegenüber dem Menschen.

Wölfe schneiden im Test mindestens so gut ab wie Hunde

In unterschiedlichen Verhaltenstests zeigten sie, dass sich Wölfe und Hunde in ihren sozialen Fähigkeiten sehr ähneln. Die Forscherinnen testeten beispielsweise wie gut Wölfe und Hunde Futter wiederfinden, das von einem Artgenossen oder von einem Menschen versteckt wurde. Wölfe wie auch Hunde nutzten Informationen des Menschen, um verstecktes Futter wiederzufinden.

In einer weiteren Studie zeigten sie, dass Wölfe dem Blick eines Menschen folgen. Um diese Aufgabe zu lösen, müssen die Tiere in der Lage sein, sich in die Perspektive des „Blickenden“ hineinzuversetzen. Wölfe können dies zum Beispiel sehr gut.

In einem weiteren Versuch hatten Hunde und Wölfe die Möglichkeit, Artgenossen dabei zu beobachten, eine Kiste zu öffnen. Waren schließlich die Beobachter selbst an der Reihe, zeigten sich die Wölfe als die erfolgreicheren Imitatoren. Sie öffneten die Kiste häufiger mit Erfolg als Hunde. Möglicherweise haben Hunde die Fähigkeit zu imitieren verloren, weil sie sich häufig auf den Menschen verlassen. „Insgesamt haben die Tests gezeigt, dass Wölfe sehr gut aufeinander und auf den Menschen achten. Hypothesen die besagen, dass Wölfe über weniger soziale Fähigkeiten verfügen als Hunde, sind also nicht korrekt“, betont Range.

Hunde- und Wolfsrudel im Test

Im Wolf Science Center im niederösterreichischen Ernstbrunn erforschen Range und Virányi das soziale Verhalten in Hunde- und Wolfsrudeln, die genau gleich aufgewachsen sind, nämlich gemeinsam mit Artgenossen und mit dem Menschen. Die Tiere sind es gewohnt, mit Artgenossen und mit dem Menschen zu kooperieren. „Um das Verhalten von Hunden und Wölfen überhaupt vergleichen zu können und Aussagen über die Effekte der Domestikation zu treffen, ist es wichtig, dass die Tiere unter denselben Voraussetzungen leben“, erklärt Autorin Virányi.

Service:
Der Artikel “Tracking the evolutionary origins of dog-human cooperation: the “Canine Cooperation Hypothesis”” von Friederike Range and Zsófia Virányi wurde im Fachjournal Frontiers in Psychology veröffentlicht. doi: 10.3389/fpsyg.2014.01582
http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2014.01582/abstract

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Friederike Range, PhD
Messerli Forschungsinstitut, Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-2685
friederike.range@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2015/hun...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Antibiotikaresistente Erreger in Haushaltsgeräten
16.02.2018 | Hochschule Rhein-Waal

nachricht Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt
16.02.2018 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics