Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MDC- und Charité-Forscher schärfen das Immunsystem gegen Krebs

17.03.2015

Forschern des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Berlin-Buch, ist es gelungen, Zellen des Immunsystems im Labor so aufzurüsten, dass sie Krebszellen ganz gezielt erkennen und zerstören können. Die Ergebnisse der Forschungen von Matthias Obenaus und Prof. Thomas Blankenstein (MDC und Charité) sowie Prof. Dolores Schendel (Medigene AG, Planegg/Martinsried) sind jetzt in Nature Biotechnology online (doi:10.1038/nbt.3147)* erschienen.

Das Selbstverteidigungssystem des Körpers ist darauf trainiert, zwischen fremd und eigen zu unterscheiden und körperfremde Strukturen zu erkennen und zu zerstören.


Diese Maus verfügt über „hochwirksame“ Bestandteile des menschlichen Immunsystems zur Krebsbekämpfung. (Photo und Copyright: SFB-TR 36)

Bei Krebserkrankungen jedoch ist das Immunsystem offenbar sehr zurückhaltend. So könnte es zwar Krebszellen erkennen, denn sie tragen häufig Merkmale (Antigene) auf ihrer Oberfläche, die sie als krankhaft veränderte Zellen ausweisen. Aber meist attackiert das Immunsystem sie nicht, sondern toleriert sie, weil Krebszellen körpereigene Zellen sind, die Immunzellen nicht als fremd erkennen. Diese Toleranz möchten die Forscher für die Entwicklung von Therapien gegen den Krebs gezielt durchbrechen.

Dreh- und Angelpunkt bei der Attacke des Immunsystems sind die sogenannten T-Zellen. Sie tragen auf ihrer Oberfläche Ankermoleküle (Rezeptoren), mit denen sie die fremden Strukturen, die Antigene von Bakterien oder Viren, erkennen und so die Eindringlinge gezielt zerstören können.

Diese Eigenschaft der T-Zellen versuchen Krebsforscher und Immunologen auch im Kampf gegen Krebs zu mobilisieren. Entscheidend dafür ist, dass die T-Zellen ganz gezielt nur Krebszellen erkennen und angreifen, die anderen Körperzellen aber verschonen.

Jetzt ist es Matthias Obenaus, Prof. Blankenstein und Prof. Schendel gelungen, menschliche T-Zell-Rezeptoren (englische Abkürzung TCRs) zu entwickeln, die keine Toleranz mehr gegenüber menschlichen Krebszellen haben und ganz speziell ein Antigen erkennen, das auf verschiedenen menschlichen Tumorzellen vorkommt, das Antigen MAGE-A1. Dazu gingen sie quasi einen Umweg über Labormäuse.

Zunächst statteten die Forscher die Mäuse mit der genetischen Information für menschliche TCRs aus. Diese bilden daraufhin ein ganzes Arsenal menschlicher TCRs (Nature Medicine, doi: 10.1038/nm.2197). Wenn die T-Zellen der Mäuse mit menschlichen Krebszellen in Kontakt kommen, sind deren Antigene für sie genauso fremd wie die von Viren oder Bakterien und sie können die Tumorzellen gezielt erkennen, angreifen und zerstören.

Jetzt gelang es den Forschern humane T-Zell-Rezeptoren von diesen Mäusen zu isolieren, die speziell gegen das Tumorantigen MAGE-A1 gerichtet sind. Danach transferierten Sie die T-Zell-Rezeptoren in menschliche T-Zellen und brachten ihnen so bei, die Krebszellen als fremd erkennen zu können.

Manche Menschen besitzen T-Zellen, die MAGE-A1 natürlicherweise auf Tumorzellen erkennen, allerdings nur in der Petrischale. Bei Untersuchungen im Tiermodell erwiesen sich nur die aufgerüsteten menschlichen TCRs aus den Mäusen als wirksam gegen den Tumor. Die TCRs aus menschlichen T-Zellen ignorierten den Tumor komplett. Der Vergleich mit den geschärften menschlichen TCRs aus der Maus zeigt, dass die TCRs von Patienten die Tumorantigene nicht gut genug erkennen können, sie sind zu schwach. „Die Tatsache, dass unsere TCRs aus der Maus besser sind, ist ein starker Hinweis darauf, dass die Immunzellen eines Menschen gegenüber MAGE-A1 tolerant sind“, erläutern Matthias Obenaus und Prof. Blankenstein.

Mit den von ihnen entwickelten und geschärften T-Zell-Rezeptoren planen die Forscher eine erste klinische Studie bei Patienten mit Multiplem Myelom, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, das das Antigen MAGE-A1 trägt.

*Identification of human T-cell receptors with optimal affinity to cancer antigens using antigen-negative humanized mice
Matthias Obenaus1, Catarina Leitão1,7, Matthias Leisegang1, Xiaojing Chen1, Ioannis Gavvovidis1
Pierre van der Bruggen2,3, Wolfgang Uckert1,4, Dolores J Schendel5 & Thomas Blankenstein1,6
1Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany. 2Ludwig Institute for Cancer Research, Brussels, Belgium. 3De Duve Institute, Université Catholique de Louvain, Brussels, Belgium. 4Institute of Biology, Humboldt University, Berlin, Germany. 5Medigene AG, Planegg/Martinsried, Germany. 6Institute of Immunology, Charité Campus Buch, Berlin, Germany. 7Present address: Institute for Molecular and Cell Biology, Porto, Portugal.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de

Weitere Informationen:

https://www.mdc-berlin.de/34981868/de/news/archive/2010/20100806-mehr_schlagkraf...

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik