Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Machtkämpfe lieber ohne Öffentlichkeit: Zuschauer beeinflussen künftigen Status nach Rivalenkämpfen

05.04.2013
Wie wirkt sich die Anwesenheit von Zuschauern bei Kämpfen dominanter Wachtelmännchen aus?

Dies testeten Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Nach einem Konflikt ohne Zuschauer wiesen sowohl Gewinner als auch Verlierer erhöhte Testosteronwerte auf. Außerdem konnten Gewinner und Verlierer ihren Dominanzstatus in ihrer Gruppe beibehalten.


Die Kämpfer gehen während der Auseinandersetzungen ziemlich rabiat zur Sache, tragen dabei aber kaum Schäden davon.
Foto: Katharina Hirschenhauser


Bei Kämpfen zwischen konkurrierenden Wachtel-Männchen beeinflussen die Zuschauer maßgeblich den zukünftigen Erfolg eines Kämpfers.
Foto: Katharina Hirschenhauser

Mit Zuschauern galt dies auch für die Gewinner, nicht aber für die Verlierer von Kämpfen: sie zeigten keine erhöhte Hormonwerte und verloren ihren Dominanzstatus in der Gruppe. Eine informierte Zuschauerschaft bestimmte also den zukünftigen Erfolg eines Männchens, Testosteron hingegen spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Kämpfe um Reviere und Paarungspartner sind bei Tieren weit verbreitet und werden meist von Männchen ausgefochten. Dabei spielt das Geschlechtshormon Testosteron eine entscheidende Rolle. Oft steigt dessen Konzentration während eines Kampfes an drastisch an. Jedoch können die soziale Umgebung und die Umwelt, in der sich die Rivalen befinden, den Zusammenhang zwischen Testosteron und Dominanz beeinflussen. Erfahrung spielt eine Rolle, z.B. wie oft sich die Kontrahenten auf einen Konflikt einlassen und ob sie einander bereits zuvor begegnet sind. Ebenso entscheidend kann sein, ob das Kampfgeschehen von Zuschauern beobachtet wird. Auch beim Menschen können die Zuschauer entscheidend den Ausgang eines Wettbewerbs beeinflussen.

Den Einfluss von Zuschauern auf den künftigen sozialen Status nach einem Kampf untersuchten nun auch Wissenschaftler um Katharina Hirschenhauser vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen mit Unterstützung der Humboldt-Gesellschaft. Sie hielten Wachteln in sozialen Gruppen, die aus je zwei Männchen (einem dominanten und einem untergeordneten) und drei Weibchen bestanden. Treffen zwei dominante Wachtelmännchen aufeinander, kommt es unweigerlich zum Kampf. Die Wissenschaftler beobachteten solche Kämpfe in einer zentralen Arena. Dabei durften die Mitglieder der jeweiligen sozialen Gruppe in manchen Fällen den Kämpfen zuschauen, in anderen nicht. Während der durchschnittlich sieben Minuten dauernden Kampfphase attackierten die späteren Gewinner des Kampfes die Rivalen im Schnitt 29 Mal. Obwohl es bei den Kämpfen natürlicherweise recht ruppig zugeht, tragen die Kontrahenten keine ernsthaften Schäden davon.

Die Gewinner behielten ohne Ausnahme ihren Dominanzstatus bei (“Sieger-Effekt“). Die Verlierer hingegen wurden nach dem Zurücksetzen in ihre soziale Gruppe häufig von allen Gruppenmitgliedern „verprügelt“ und verloren ihren Dominanzstatus an das jeweilige vormals untergeordnete Männchen der Gruppe (“Verlierer-Effekt“). Ohne Zuschauer konnten jedoch auch die Verlierer ihren Dominanzstatus beibehalten.

Wie erwartet, erhöhten sich ohne Zuschauer die Testosteronwerte nach dem Kampf. Dies geschah unabhängig davon, ob die Wachtel den Kampf gewonnen oder verloren hatte. Nach einem Kampf mit Zuschauern hingegen wiesen die Verlierer keine erhöhten Testosteronspiegel auf. Die Gewinner hingegen zeigten einen ähnlichen Anstieg wie Wachteln, die ohne Zuschauer kämpften. Um zu sehen, ob ein Statuswechsel bei verlorenem Kampf mit Publikum physiologisch verhindert werden kann, behandelten die Wissenschaftler die Verlierer mit Testosteron, das sie unmittelbar nach dem Kampf mittels einer Creme auf die Haut auftrugen.

Durch diese Behandlung wurde die Aggressionsbereitschaft der Verlierer stark beeinflusst, die nun verstärkt den untergeordneten Hahn der jeweiligen sozialen Gruppe jagten und dadurch langfristig dominant blieben. Das deutet eigentlich auf einen starken Einfluss von Testosteron auf den „Sieger-Effekt“ hin.

Doch die Wissenschaftler gingen noch weiter: sie injizierten den Siegern direkt nach dem Kampf ein Testosteronblocker und beobachteten ihr Verhalten in ihrer sozialen Gruppe. Obwohl durch die Blocker Testosteron bei diesen Hähnen temporär keine Wirkung hatte, konnten die Gewinner ihren sozialen Status beibehalten. „Es ist vor allem die öffentliche Information für die zukünftigen Chancen des Verlierers ausschlaggebend. Dem Sieger ist sowohl Testosteron als auch das Publikum egal, er scheint allein aus der Erfahrung seinen „Siegerblick“ zu tragen.

Jedenfalls gab es hier keinen kausalen Zusammenhang zwischen Testosteron und dem Gewinner-Effekt“, fasst Katharina Hirschenhauser, Erstautorin der Studie zusammen. Im nächsten Schritt wäre es interessant zu untersuchen, wie sich die Kämpfer verhalten, wenn sie die Zuschauer nicht wahrnehmen können, diese jedoch die Kämpfer beobachten könnten, die Information also nur in eine Richtung fließt. (SL)

Kontakt:

PD Dr. Wolfgang Goymann
Abteilung Verhaltensneurobiologie
Max-Planck-Institut für Ornithologie
82319 Seewiesen
Tel.: 08157 932-301
Email: goymann@orn.mpg.de

Dr. Katharina Hirschenhauser
Email: khirschenhauser@orn.mpg.de

Originalveröffentlichung:

Katharina Hirschenhauser, Manfred Gahr, Wolfgang Goymann: Winning and losing in public: Audiences direct future success in Japanese quail. Hormones and Behavior, in press

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie