Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künftige Alternative zu Antibiotika

02.04.2012
Forscher finden in Escherichia coli G3/10 ein Eiweiß, das andere Bakterien abtötet
Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden haben bei Untersuchungen des probiotischen Arzneimittels Symbioflor 2 ein bisher unbekanntes Eiweiß entdeckt, das krankheitserregende Darmbakterien abtötet. Dazu mussten sie das Gesamtgenom aller in dem Präparat enthaltenen sechs Escherichia coli-Genotypen mit jeweils über 5.000 Genen aufwendig sequenzieren und charakterisieren. In E. coli Symbio G3/10 konnte dann das „Mikrozin S“ getaufte kleine Eiweiß identifiziert werden.

Es ist das weltweit erst 15. identifizierte Mikrozin dieser Art und als potentieller Antibiotika-Ersatz hochinteressant. Ihre Erkenntnisse publizieren die Dresdner Wissenschaftler Anke Zschüttig und Prof. Florian Gunzer gemeinsam mit weiteren Co-Autoren aktuell im Fachjournal PLoS ONE. Unterstützt werden die Arbeiten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Firma SymbioPharm GmbH Herborn.

Mikrozine sind kleine Eiweiße, die von Darmbakterien – meist Escherichia coli - hergestellt werden und antibakteriell wirken. Sie töten also andere, auch eng verwandte Bakterien ab, die mit ihrem Erzeuger-Stamm beispielsweise um Nahrung konkurrieren. Dass auch Escherichia coli Symbio G3/10 solch ein Mikrozin erzeugt, konnte nun von Dresdner Forschern nachgewiesen werden. „Die im genetischen Code von E. coli G3/10 unter 5.000 anderen Genen versteckte, winzige Sequenz des Mikrozins zu finden, gleicht der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, erklärt die Doktorandin Anke Zschüttig vom Dresdner Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

Die in Versuchen festgestellte Wirkung des Mikrozin S getauften Proteins auf einen anderen, krankheitserregenden E. coli-Stamm, ist für die Wissenschaftler äußerst spannend. Auch wenn die genauen Wirkprinzipien des Mikrozins noch nicht vollumfänglich bekannt sind, eröffnen sich damit Ansätze für Alternati-ven zum Einsatz von Antibiotika. „Unsere Forschung gibt beispielsweise Hinweise darauf, dass der 2011 aktiv gewesene EHEC-Stamm durch unser neu entdecktes Mikrozin S wirkungsvoll bekämpft wird“, erläutert Prof. Florian Gunzer, Leiter der aktuellen Studie und stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

Diese Erkenntnisse führten bei den Wissenschaftlern zu einem weiteren Denkansatz: Mikrozin produzierende Probiotika könnten künftig als Futterzusatz zum Beispiel bei Rindern zum Einsatz kommen, um deren Ausscheiden von EHEC-Erregern zu minimieren. Denn über die Ausscheidungen, die zum Beispiel als Dünger genutzt werden, gelangen EHEC auf die Felder und zurück in die Nahrungskette. Außerdem ist mit den Mikrozinen eine Reduktion des immer wieder kritisierten massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung denkbar.

Link zum Paper: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0033351

Kontakt
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Prof. Florian Gunzer
Tel.: +49 0351 458 16560
Fax: +49 0351 458 6310
E-Mail: florian.gunzer@tu-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0033351

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen