Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsgen funktioniert anders als gedacht

06.08.2008
Forschern der Universität Zürich ist ein wichtiger Schritt zum Verständnis eines der bedeutendsten Krebsgene gelungen. Bisher galt als gesichert, dass dieses Krebsgen namens Myc nur zusammen mit einem Partnergen namens Max funktioniert.

Wie die Forscher in der renommierten Wissenschaftszeitschrift "Nature Genetics" berichten, kann Myc das Zellwachstum alleine anregen.

Das Krebsprotein namens Myc trägt zur Entwicklung vieler menschlicher Tumoren bei, indem es das Wachstum und die Vermehrung der Tumorzellen anregt. Die exakte Wirkungsweise liegt noch im Dunkeln, aber eine Tatsache galt als gesichert: Myc benötigt für alle seine Funktionen ein Partnerprotein namens Max. Wie Dr. Dominik Steiger und seine Kollegen aus der Forschungsgruppe von Dr. Peter Gallant nun aber zeigen konnten, können grundlegende Funktionen von Myc unabhängig von Max ablaufen.

Krebs entsteht durch unkontrollierte Zellvermehrung als Folge von Mutationen in Krebsgenen. "Viele dieser Gene werden aber auch für das Zellwachstum während der normalen Entwicklung benötigt", erklärt Peter Gallant vom Zoologischen Institut der Universität Zürich. "So sterben beispielsweise Tiere ohne funktionelles Myc während der frühen Entwicklung." Wie bei anderen wachstumskontrollierenden Proteinen hat sich auch die Funktion von Myc während der Evolution wenig verändert - so wenig, dass sogar menschliches Myc die Funktion von Myc in der Taufliege Drosophila melanogaster übernehmen kann. Dies erlaubte es nun der Gruppe von Dr. Gallant, die Funktion von Myc und seinem Partner Max in Drosophila zu untersuchen und aus den gewonnenen Resultaten Rückschlüsse auf die Funktion von Myc und Max im Menschen zu ziehen.

"Verschiedene Experimente zeigten zu unserer Überraschung, dass Max zwar durchaus eine Rolle spielt, aber dass Myc für viele Aktivitäten Max gar nicht benötigt", so Dr. Gallant. Insbesondere kann Myc auch in Abwesenheit von Max die Aktivität eines Enzyms namens "RNA Polymerase 3" ankurbeln, das eine wichtige Rolle fürs Zellwachstum spielt. Ganz wichtig für diese Erkenntnis war ein Vergleich zwischen Fliegen, denen Myc fehlt, mit Fliegen, denen Max fehlt. Während Fliegen ohne Myc ganz früh in der Entwicklung sterben, entwickeln sich Tiere ohne Max nahezu bis ins Erwachsenenstadium. Somit haben der Verlust von Myc und von Max nicht die gleichen Folgen - was man aber erwarten würde, wenn Myc nur zusammen mit Max funktionieren könnte.

Es kann sogar spekuliert werden, dass die Funktionen, die Myc zu einem solch potenten Krebsgen machen, vielleicht auch zu einem Grossteil nicht durch Max vermittelt werden, was dann entsprechende Folgen für mögliche Therapien haben würde.

"Die Bedeutung dieser neuen Arbeit liegt also für einmal nicht in der Identifizierung eines bisher unbekannten Proteins, sondern im Befund, dass ein schon lange bekanntes Protein anders funktioniert als angenommen", erklärt Dr. Gallant.

Kontakt:
Dr. Peter Gallant
Zoologisches Institut
Universität Zürich
gallant@zool.uzh.ch
Tel. +41 (0)44 635 48 12
Dr. Dominik Steiger
Institut für Molekularbiologie
Universität Zürich
dominik.steiger@molbio.uzh.ch
Tel. +41 (0)44 635 31 73

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Berichte zu: Drosophila Gallant Krebsgen Myc Protein Zellwachstum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften