Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Komplexe Krebs-Biochemie: Auch gute Seite an rabiatem Protein entdeckt

28.06.2011
Fehler im komplizierten biochemischen Prozess der Zellteilung führen oft zu Krebs. Einer der daran beteiligten Faktoren, der Transkriptionsfaktor c-JUN, gilt seit langem als direkt ins Krebsgeschehen involviert.

Ein Team unter der Führung der Vetmeduni Vienna hat jetzt jedoch entdeckt, dass c-JUN auch dabei helfen kann, Krebs zu bekämpfen: c-JUN aktiviert auch ein Gen, das das Wachstum von Tumoren hemmt. Mit der nun gefundenen positiven Wirkung von c-JUN wird der biochemische Mechanismus der Entstehung von Krebs noch eine Spur komplizierter. Die Resultate wurden in der Zeitschrift „Oncotarget“ veröffentlicht.

Der Transkriptionsfaktor c-JUN wurde in den 1980-er Jahren als Protein von Säugetieren beschrieben, das einem Krebs auslösenden Protein bei Vögeln sehr ähnlich ist. Seither führte intensive Forschungsarbeit in vielen Laboren weltweit zu einem grundlegenden Verständnis der Rolle von c-JUN bei der Krebsentstehung.

Als so genannter Transkriptionsfaktor bindet er an die Erbsubstanz der Zelle, an die DNA, und aktiviert dort zentrale Prozesse, die in Summe zu ungeregeltem Zellwachstum und damit zu Krebs führen. Die Aktivität von c-JUN wird selbst noch zusätzlich von einer Reihe weiterer Proteine reguliert. Karoline Kollmann, eine Mitarbeiterin in Veronika Sexls Gruppe am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna, hat in einer erst jüngst veröffentlichten Arbeit gemeinsam mit Partnern an der Medizinischen Universität Wien und in Madrid eine weitere Funktion von c-JUN beschrieben, die das Wachstum von Krebszellen fördert, dies aber überraschenderweise unabhängig von der „normalen“ Funktion des Proteins, indem es ein Abschalten der Aktivität eines Gens mit dem Namen Cdk6 verhindert.

Protein mit zwei Gesichtern

In der jetzt in „Oncotarget“ veröffentlichten Arbeit zeigen Kollmann und ihre Kollegen jetzt, dass c-JUN neben all diesen bisher bekannten krebsfördernden Wirkungen auch Tumorwachstum hemmen kann: c-JUN kann ein bekanntes Tumor-Suppressorgen mit dem Namen p16INK4a aktiv halten. Wenn p16INK4a inaktiv ist oder mutiert, erhöht das das Risiko, an einer Reihe von Krebsarten zu erkranken. c-JUN schützt den Promoter von p16INK4a vor dem Inaktivwerden und scheint damit Zellen zu helfen, Krebs zu bekämpfen.

Biochemisches Durcheinander

Heißt das nun, dass ein zentraler Bösewicht der Krebsentstehung eigentlich nicht so böse ist, wie bisher gedacht? Kollmann antwortet vorsichtig: „Ich denke, das bedeutet, dass die Funktion all dieser Proteine viel komplexer ist, als wir heute wissen. Sie alle arbeiten mit vielen anderen Proteinen zusammen, und der Gesamteffekt hängt wieder von einer großen Zahl an Faktoren ab. Wir müssen diese Mechanismen noch viel besser verstehen lernen, bevor wir wissen, welche Proteine wir gezielt hemmen müssen, um Krebs wirksamer zu behandeln.“

Der Artikel „c-JUN prevents methylation of p16INK4a (and Cdk6): the villain turned bodyguard” von Karoline Kollmann, Gerwin Heller und Veronika Sexl wurde in der Open-Access-Zeitschrift „Oncotarget“ (2011, Vol. 2, No. 5) veröffentlicht.

Der wissenschaftliche Artikel im Volltext online:
http://impactjournals.com/oncotarget/index.php?journal=oncotarget&page=article&op=view&path%5B%5D=279&path%5B%5D=432

http://www.vetmeduni.ac.at

Rückfragehinweis:
Prof. Dr. Veronika Sexl, E veronika.sexl@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-2910
Aussender:
Mag. Klaus Wassermann, E klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-1153

Beate Zöchmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics