Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hessische Rarität bedroht - Lanzettblättrige Glockenblume als eigene und bedrohte Art identifiziert

01.03.2017

Senckenberg-Wissenschaftler haben den Artstatus der Lanzettblättrigen Glockenblume untersucht. In ihrer kürzlich im Fachjournal „AoB Plants“ veröffentlichten Studie kommen sie zu dem Schluss, dass es sich bei der Pflanze um eine eigene Art handelt, die zudem bedroht ist. Die Pflanze ist nur in zwei Gebieten Deutschlands – im hessischen Taunus und im Pfälzer Wald – zu finden und könnte in Zukunft von verwandten Arten verdrängt werden.

Für einen Laien ist die Lanzettblättrige Glockenblume (Campanula baumgartenii) nur sehr schwer von ihrer nahen Verwandten der Rundblättrigen Glockenblume zu unterscheiden – beide krautigen Pflanzen haben lilagefärbte Blüten, sind etwa gleich hoch und wachsen bevorzugt auf mageren Standorten.


Gefährdet: die Lanzettblättrige Glockenblume.

© Senckenberg


Genetische Methoden bestätigen den Artstatus von Campanula baumgartenii.

© Senckenberg

„Allein der unterschiedliche Wurzelwuchs ist ein verlässliches morphologisches Unterscheidungsmerkmal“, erklärt Kai-Uwe Nierbauer vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Im Taunus werden aber immer wieder Exemplare gefunden deren Artzugehörigkeit unklar sind.“

Dies veranlasste den Frankfurter Botaniker und seinen Kollegen Dr. Juraj Paule sowie den Leiter der Senckenberg-Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung Prof. Dr. Georg Zizka den Artstatus der Pflanze zu untersuchen. Das Frankfurter Wissenschaftlerteam konnte durch eine genetische Analyse bestätigen, dass es sich bei der Lanzettblättrigen Glockenblume um eine eigene Art handelt.

Die Pflanze mit den violetten Blüten ist eine lokale Besonderheit in der hessischen Flora: Erstmals vom Frankfurter Botaniker Johannes Becker beschrieben findet man sie in Hessen nur an den Westhängen des Großen Feldberges.

„Eine weitere, Population gibt es in der Pfalz“, fügt Zizka hinzu und erläutert: „Aufgrund des kleinen Verbreitungsgebietes und der geringen Individuenzahl gilt die Pflanze als gefährdet. Seit der Aufnahme in ein Artenschutzprogramm in den Jahren 1998 bis 2000 wurden die hessischen Bestände aber als stabil angesehen.“

In ihrer Studie haben die Frankfurter Botaniker nun eine neue Bedrohung für die zwischen 40 und 90 Zentimeter hohe Pflanze ausgemacht: Sie fanden im Taunus Kreuzungen der Lanzettblättrigen mit der Rundblättrigen Glockenblume.

„Erstaunlicherweise waren diese Mischformen nicht steril – es besteht die Gefahr, dass Campanula baumgartenii nach und nach durch diese Hybride verdrängt wird und wir dann eine Pflanzenart weniger in Hessen haben werden“, schließt Paule.

Kontakt
Dr. Juraj Paule
Kai-Uwe Nierbauer
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Tel. 069 97075 1158
juraj.paule@senckenberg.de

Prof. Dr. Georg Zizka
Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel. 069 97075-1166
georg.zizka@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Kai Uwe Nierbauer, Juraj Paule und Georg Zizka (2017). Heteroploid reticulate evolution and taxonomic status of an endemic species with bicentric geographical distribution. AoB Plants doi: 10.1093/aobpla/plx002

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert.

Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik