Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hepatitis C: Missbrauch des zelleigenen Proteinsyntheseapparats durch das Virus stoppen

28.09.2011
Viele mit dem Hepatitis-C-Virus infizierte Patienten entwickeln eine chronische Leberentzündung. Aus dieser Hepatitis C kann sich später ein Leberzellkarzinom entwickeln.

Die Arbeitsgruppe um PD Dr. Christian Thoma am Universitätsklinikum Freiburg hat einen möglichen Angriffspunkt im Visier, mit dem sich das Virus durch molekularen Waffen unschädlich machen ließe. Die Forscher wollen versuchen, in den Prozess einzugreifen, bei dem das Virus die Proteinsynthesemaschinerie der Leberzelle missbraucht, um sich zu vermehren.

Das Hepatitis-C-Virus lässt seine notwendigen Eiweiße in der Zelle produzieren. Die Baupläne dafür liest eine große molekulare Dechiffrier-Maschine, das Ribosom, am Erbgut des Virus ab. Sein Genmaterial schleust der Virus geschickt dort ein. Im regulären Proteinsyntheseprozess der Zelle sind weitere spezielle Moleküle notwendig, damit die Synthese überhaupt startet. Die Kontrolle für den Start des Prozesses ist also vergleichbar mit einem Sicherheitsschloss für das mehrere Schlüssel gleichzeitig betätigt werden müssen, bevor die Tür freigegeben wird. Der Virus dagegen hat in sein Erbgut jedoch eine Art Universal-Dietrich eingebaut, mit dem er unabhängig vom Beisein aller sonst notwendigen Moleküle das Ribosom rekrutieren kann. Diese Struktur in der viralen RNA wird als „Internal Ribosome Entry Site“, kurz IRES, bezeichnet.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftler den genauen Mechanismus untersuchen, der dem Virus diesen Direktzugang ermöglicht. Die Forscher hoffen, dass sich auf Basis ihrer Analysen dann zielgerichtete molekulare Therapien zur Heilung einer chronischen Hepatitis-C-Infektion entwickeln lassen. „Die bislang verfügbaren antiviralen Therapien führen leider nicht bei allen chronisch infizierten Patienten zu einer Auslöschung des Virus. Daher ruhen viele Hoffnungen auf neuen molekularen Therapien“, erläutert Dr. Christian Thoma.

Zunächst will das Forscherteam der Frage nachgehen, wie es möglich ist, dass das Erbgut des Erregers ohne die üblichen Hilfsmoleküle vom Ribosom abgelesen wird. "Würden wir etwa andere Stoffe finden, die dies begünstigen und ihre Funktion genau aufklären, dann könnten wir in den Mechanismus eingreifen, der die Synthese der viralen Proteine kontrolliert", erläutert Dr. Thoma. Um dies zu klären, hat er gemeinsam mit seinem Team eine spezielle Methode entwickelt, die es grundsätzlich erlaubt, das gesamte Erbgut einer Krebszelle nach Genen zu durchsuchen, die die Synthese der Virus-Bausteine fördern oder blockieren können: Die Forscher legen einzelne Gene gezielt still und prüfen anschließend, ob sich die Produktion der Virus-Bausteine erhöht oder verringert hat. Auffällig gewordene Erbgutabschnitte und die Eiweiße, deren Baupläne dort codiert sind, werden dann genauer untersucht. Das Team um Dr. Thoma will klären, wie genau solche Moleküle die Synthese kontrollieren. Zusammen mit Prof. Dr. Baumert und dessen Team vom Forschungszentrum INSERM in Straßburg sollen die identifizierten Moleküle dann weiter unter die Lupe genommen. Dabei überprüfen die Straßburger Kooperationspartner inwieweit sich die identifizierten Moleküle tatsächlich als therapeutisches Ziel eignen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 200.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
PD Dr. Christian Thoma
Universitätsklinikum Freiburg
Medizinische Klinik II
Hugstetterstr. 55
79106 Freiburg

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://www.uniklinik-freiburg.de/gastro/live/forschung/AG-Thoma.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Birke, Kiefer, Pappel – heilsame Bäume

20.04.2018 | Unternehmensmeldung

Licht macht Ionen Beine

20.04.2018 | Physik Astronomie

Software mit Grips

20.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics