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Hände weg, bitte! Freundliche Hinweise vermindern Vandalismus an wissenschaftlicher Ausrüstung

26.11.2013
Verhaltensbiologen, die ihre Tiere im Freiland beobachten, sind dazu oft auf modernste Technik angewiesen.

Wird die technische Ausrüstung beschädigt oder gestohlen, bedeutet dies meist einen großen finanziellen und wissenschaftlichen Verlust.


Attrappe mit freundlicher Beschriftung
© Eleftherios Bitzilekis

Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen wollten nun wissen, ob der Umgangston von Hinweisschildern an der Ausrüstung Vandalismus verhindern kann. Dazu legten sie 60 Attrappen in vier Münchner Stadtparks aus. Tatsächlich fanden sie, dass freundlich beschriftete Ausrüstung eher in Ruhe gelassen wurde als solche mit einem neutralen oder gar drohenden Schild.

Winzige Sender geben Einblick in Wanderwege von Schmetterlingen, Kameras in Nistkästen spähen das Brutgeschäft von Kohlmeisen aus: Moderne Wissenschaft ist ohne neuste technische und dadurch oft teure Ausrüstung undenkbar. Meist muss diese Ausrüstung vor Ort bleiben, um eine dauerhafte Beobachtung zu ermöglichen oder die Tiere nicht durch wiederholtes Aufbauen von Gerät zu stören.

Auch ein Team von Verhaltensforschern um Markus Clarin und Holger Goerlitz vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen ist darauf angewiesen, seinen Tieren unauffällig möglichst nahe zu kommen. Sie untersuchen Fledermäuse, deren Leben im Dunklen, im Flug und im für uns unhörbaren Bereich stattfindet und dadurch eine ganze Menge wissenschaftlicher Ausrüstung erforderlich macht.

Die Idee zu dieser Studie ist also aus der Not geboren: Was und wie viel passiert, wenn wissenschaftliche Ausrüstung unbeobachtet draußen Daten sammelt? Kann die Drohung einer Anzeige oder ein freundlicher Hinweis auf eine Abschlussarbeit, inklusive Foto eines niedlichen Eichhörnchen-Babys, potenzielle Vandalen fernhalten? Markus Clarin und seine Kollegen deponierten 60 Ausrüstungs-Attrappen für je eine Woche in insgesamt vier Münchner Parkanlagen.

Die Attrappen bestanden aus einem mit Kabelbindern verschlossenen Werkzeugkoffer, einer daran befestigten, rot blinkenden Imitation einer Überwachungskamera und einer Autoantenne. An allen Attrappen war entweder ein freundlich, neutral oder drohend formuliertes Hinweisschild angebracht. „Wir wurden häufig von interessierten Parkbesuchern angesprochen“, sagt Markus Clarin, Erstautor der Studie. „Allen erzählten wir von unserer fiktiven Studie an Kleinsäugern, die mit Sendern ausgestattet von den Kameras der Boxen fotografiert werden, wenn sie in deren Nähe vorbeilaufen.“

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Attrappen blieben unbehelligt, obwohl sie ungeschützt und gut sichtbar im Park lagen. Attrappen mit einem freundlichen, persönlichen Hinweisschild wurden insgesamt 40 Prozent weniger manipuliert als die beiden Versionen mit neutralem oder drohendem Schild. Zwischen allen Attrappen gab es jedoch keinen Unterschied in der Schwere der Manipulation, also ob sie nur bewegt, geöffnet, beschädigt oder gestohlen wurden. „Es scheint, als ob die wenigen Parkbesucher, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, unsere Geräte zu stehlen oder kaputt zu machen, sich von dem Hinweisschild ebenso stark beeinflussen ließen wie diejenigen, die unsere Geräte nur in die Hand genommen haben, um sie genauer zu betrachten“, sagt Holger Goerlitz, Leiter der Studie.

Aber ist diese Untersuchung in einer der wohlhabendsten Städte Deutschlands repräsentativ? Vor ihrer Studie befragten die Seewiesener Wissenschaftler zunächst einmal internationale Kollegen nach ihren Erfahrungen. Diese Umfrage ergab auch hier, dass die Ausrüstung (ob Tierfallen oder Kameras) meist unbehelligt blieb. Wenn aber etwas beschädigt oder gestohlen wurde, hatte das oft dramatische finanzielle und wissenschaftliche Auswirkungen, bis hin zum Scheitern eines Experimentes. Ein freundliches Hinweisschild könnte da vielleicht Abhilfe schaffen. „Das freundliche Hinweisschild konnte auch bei uns nicht beeinflussen, was genau mit der Ausrüstung angestellt wurde, dafür aber wie häufig damit etwas passierte“, fasst Holger Goerlitz die Studie zusammen.

„Explizit möchten wir uns bei den örtlichen Behörden, besonders der Polizei, und den Parkverwaltungen bedanken“, sagt Markus Clarin. Die waren eingeweiht und blieben äußerst kooperativ, auch als einmal ein fälschlich ausgelöster Bombenalarm kurzfristig für Verwirrung sorgte: Eine der Boxen wurde mit in den Biergarten genommen und dort rot blinkend auf dem Tisch zurückgelassen. (SSP/HR)

Kontakt:
Dr. Holger Goerlitz
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Telefon: +49 8157 932-372
E-Mail:hgoerlitz@orn.mpg.de
Orginalpublikation:
Clarin, B.-M., Bitzilekis, E., Siemers, B. M. and Goerlitz, H.:
Personal messages reduce vandalism and theft of unattended scientific equipment. Methods in Ecology and Evolution. Online Veröffentlichung 26.11.2013

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7628338/vandalismus

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