Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gleichgewichtsorgan der Hörnchen unterscheidet sich je nach Bewegungsart

27.05.2015

Utl. Bogengänge des Innenohrs der Tiere variieren

WissenschaftlerInnen um Cathrin Pfaff von der Universität Wien untersuchten Eichhörnchen und ihre nahen Verwandten und fanden heraus, dass der Durchmesser der Bogengänge des Innenohres je nach Bewegungsweise der Tiere variiert:


Die Ohrregion des Gleithörnchens (Petaurista petaurista) wurde mittels Mikrocomputertomographie untersucht und danach dreidimensional rekonstruiert.

Copyright: Cathrin Pfaff, Institut für Paläontologie


Dreidimensionale Messungen und ihre entsprechenden Messtrecken am rechten Innenohr des Gleithörnchens

Copyright: Cathrin Pfaff, Institut für Paläontologie

Gleithörnchen haben deutlich dünnere und somit weniger sensitive Bogengänge im Innenohr als am Boden lebende Tiere – obwohl erstere mehr Informationen über ihre Lage im Raum benötigen. Die ForscherInnen vermuten, dass sich dies als Anpassung an einen zu großen Informationsfluss ins Gehirn erklären lässt. Ihre Ergebnisse werden aktuell im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

Das Innenohr der Wirbeltiere hat zwei wichtige Aufgaben: Zum einen ist es mit der Gehörschnecke für das Hören verantwortlich und zum anderen nehmen drei Bogengänge das Gleichgewicht und die Lage des Körpers im Raum wahr. Da sich das Innenohr im hinteren Bereich des Kopfes befindet kann es mittels Geräten wie dem Mikro-Computertomographen untersucht werden: Dies kommt vor allem bei seltenen Fossilien zum Tragen.

Forschungsobjekt von Cathrin Pfaff vom Institut für Paläontologie der Universität Wien und ihren KollegInnen aus Bonn und Frankfurt war vornehmlich eine einzelne Gruppe von Nagetieren, die Hörnchenartigen. Die Vertreter dieser Tierart sind sehr nah miteinander verwandt, zeigen jedoch unterschiedliche Lebens- und Bewegungsweisen: "Sie können auf Bäumen leben, wie das einheimische Eichhörnchen, oder aber auf dem Boden, wie der Präriehund, oder sogar von Baum zu Baum gleiten wie das Gleithörnchen", erklärt die Biologin.

Ziel war es, den Zusammenhang zwischen den anatomischen Anpassungen der Bogengänge im Innenohr und der Bewegungsweise der Tiere besser zu verstehen. Dabei stellte sich heraus, dass die Dicke der Bogengänge je nach Bewegungsweise der Tiere unterschiedlich ist. "Bodenlebende Hörnchen haben deutlich dickere Bogengänge als gleitende und baumlebende Arten", stellte Pfaff fest.

Der Grund für diese Anpassung liegt in der eigentlichen Aufgabe des Innenohres: Als Gleichgewichtsorgan ist es sensitiv gegenüber Veränderungen der Lage im Raum. Mittels mathematischer Gleichungen berechneten die WissenschaftlerInnen einen Sensitivitätsindex für jedes untersuchte Tier.

Fazit: Jene Hörnchen, die auf dem Boden leben, haben sensitivere Bogengänge als baumlebende und gleitende Arten. "Gleitende Arten haben unserer Einschätzung nach deswegen dünnere Bogengänge im Innenohr, weil sie durch das Gleiten von Baum zu Baum sehr viel mehr Information über die Lage im Raum benötigen. Ihre dadurch geringere Sensitivität im Innenohr könnte also als Schutzmechanismus des Gehirns dienen", schließt die Forscherin.

Publikation in "Proceedings of the Royal Society B":
Cathrin Pfaff, Thomas Martin, Irina Ruf: Bony labyrinth morphometry indicates locomotor adaptations in the squirrel-related clade (Rodentia, Mammalia). In: Proceedings of the Royal Society B (27. Mai 2015).
DOI: http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2015.0744


Wissenschaftlicher Kontakt
Cathrin Pfaff
Institut für Paläontologie
1090 - Wien, Althanstraße 14
+43-1-4277-535 21
cathrin.pfaff@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 33
+43-664-60277-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://www.univie.ac.at

1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen Jahresprogramm – unterstützt von zahlreichen Sponsoren und Kooperationspartnern. Die Universität Wien bedankt sich dafür bei ihren KooperationspartnerInnen, insbesondere bei: Österreichische Post AG, Raiffeisen NÖ-Wien, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Stadt Wien, Industriellenvereinigung, Erste Bank, Vienna Insurance Group, voestalpine, ÖBB-Holding AG, Bundesimmobiliengesellschaft, Mondi. Medienpartner sind: ORF, Die Presse, Der Standard.

Stephan Brodicky | Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht
25.04.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern
25.04.2018 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics