Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum gibt es eigentlich Männchen?

11.01.2013
Männchen sind für die Fortpflanzung und somit den Fortbestand vieler Arten eigentlich überflüssig.

Bisweilen werden Männchen sogar als evolutionäre Sackgasse oder evolutionäre Last angesehen. Warum gibt es dieses scheinbar unnütze Geschlecht dann überhaupt?


Eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines männlichen Fadenwurms.
Copyright: Hinrich Schulenburg, Aufnahme: Antje Thomas

Eine Arbeitsgruppe von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) geht den Vor- und Nachteilen von Männchen in der aktuellen Ausgabe einer der führenden Fachzeitschriften der Lebenswissenschaften, Ecology Letters, nach.

Professor Hinrich Schulenburg und seine Mitarbeiterin Dr. Leila Masri vom Zoologischen Institut der Universität nehmen ein zentrales Modellsystem aus der Biologie zuhilfe, um dem Sinn und Unsinn von Männchen auf die Spur zu kommen. Den Fadenwurm C. elegans haben sie hierfür im Detail untersucht.
„Unsere Ergebnisse belegen, dass der Schlüssel für den Fortbestand der Männchen das Auftreten von Parasiten sind“, so Schulenburg. Zunächst sind Parasiten ungünstig für Männchen, denn diese sind deutlich anfälliger für die Krankheitserreger als Weibchen und werden dadurch schneller krank – zumindest im untersuchten Modellsystem. Hinzu kommt, dass Männchen bei Auftreten der Krankheitserreger weniger Sex haben. Somit haben sie auch weniger Nachkommen, was wiederum die evolutionäre Bedeutung der Männchen schmälert.

Gleichzeitig weisen die wenigen Nachkommen der schwächlichen Männchen aber einen wichtigen Vorteil auf. „Die Nachkommen sind nämlich dank Vermischung der elterlichen Genome resistenter gegen die Krankheitserreger. Und das ist letztlich der entscheidende Faktor für den Fortbestand der Männchen: Ihre Nachkommen sind weniger anfällig für Infektionskrankheiten und über den Erfolg dieser Nachkommenschaft sichert sich auch das eigentlich schwache Geschlecht, die Männchen, ihre Existenz“, erklärt Schulenburg.

Grundsätzlich wirken somit auf die Männchen unterschiedliche Selektionskräfte, die von den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, aber auch von der Interaktion mit Krankheitserregern geprägt werden. Dieses Wechselspiel der Selektionskräfte ist wichtig, um den Fortbestand der Männchen in der Evolution zu verstehen. Es ist damit nicht nur für den Fadenwurm von Bedeutung:
Geschlechtsunterschiede in der Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern sind vielmehr bei vielen Arten verbreitet, auch beim Menschen. Die Arbeitsgruppe von Professor Schulenburg wird das Modellsystem mit dem Fadenwurm weiterhin einsetzen, um zu verstehen, warum eine Vermischung elterlicher Genome tatsächlich zu höherer Resistenz führt und wie dies auf molekularer Ebene im Immunsystem umgesetzt wird.

Originalpublikation:
Masri L, Schulte R, Timmermeyer N, Thanisch S, Crummenerl L, Jansen G, Michiels NK, Schulenburg H (2013) Sex differences in host defense interfere with parasite-mediated selection for outcrossing during host-parasite coevolution. Ecology Letters in press.
http://doi.wiley.com/10.1111/ele.12068

Zwei Fotos stehen zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2013/2013-007-1.jpg
Bildunterschrift: Dr. Leila Masri bei der Arbeit mit den Fadenwürmern.
Copyright, Foto: Hinrich Schulenburg,

www.uni-kiel.de/download/pm/2013/2013-007-2.jpg
Bildunterschrift: Eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines männlichen Fadenwurms.

Copyright: Hinrich Schulenburg, Aufnahme: Antje Thomas

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski,
Text: Claudia Eulitz
Postanschrift: D-24098 Kiel,
Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de

Claudia Eulitz | Uni Kiel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2013/2013-007-maennchen.shtml

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik