Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geplanter Zufall

22.05.2012
Antikörper-basierte Suche nach neuen chemischen Reaktionen

Dem Zufall verdanken wir viele Entdeckungen; man kann ihm aber auch auf die Sprünge helfen: Die Chance, etwas Interessantes zu finden, steigt mit der Zahl der unternommenen Versuche. Französische Forscher haben dieses Prinzip jetzt bei der Suche nach neuen chemischen Reaktionen angewendet. In der Zeitschrift Angewandte Chemie stellen sie ein Konzept vor, das auf Antikörpern und einem „Sandwich“-Immunoassay beruht.

Bringt es etwas, einfach wie ein Alchimist wahllos Substanzen zusammenzukippen und zu schauen, was passiert? Systematisch und in großen Stil durchgezogen ist das ein erfolgversprechender Ansatz, nennt sich Hochdurchsatz-Screening und ist eine etablierte Methode bei der Suche nach Katalysatoren und pharmazeutischen Wirkstoffen. Inzwischen wird dieses Konzept auf die ganz allgemeine Suche nach neuartigen Typen chemischer Reaktionen ausgeweitet. Wozu braucht man neuen Reaktionstypen? Um das Repertoire des Synthesechemikers zu erweitern, wenn es gilt, neue oder einfachere, raschere, elegantere Synthesewege z.B. für Naturstoffe, Spezialchemikalien und Wirkstoffe zu finden.

Die französischen Wissenschaftler um Frédéric Taran (Institute of Biology and Technology, Saclay, iBiTec-S, Gif-sur-Yvette) haben jetzt einen neuen Immunoassay-basierten Ansatz entwickelt, um neue Kupplungsreaktionen zu suchen, also Reaktionen, bei denen zwei organische Moleküle miteinander verknüpft werden.

In die Vertiefungen von Mikrotiterplatten werden je zwei Reaktanden A und B gegeben, in manche zusätzlich verschiedene Übergangs-Metalle als mögliche Reaktionsvermittler. Reaktand A trägt eine Markierung, die von Antikörper AK 1 erkannt und gebunden wird, Reaktand B trägt eine Markierung für Antikörper AK 2. Findet eine Kupplung statt, trägt das Produkt beide Markierungen. Nach der Reaktion werden die Lösungen auf frische Platten übertragen, die mit AK 1 beschichtet sind. Nach einem Waschschritt haften nur Moleküle mit einer Bindestelle für AK 1. Anschließend wird eine Lösung mit AK 2 aufgegeben und wiederum nachgewaschen. Wo AK 2 haften bleibt, muss ein Produkt vorliegen, das beide Markierungen trägt – es entsteht ein „Sandwich“, bei dem das Produkt wie der Belag zwischen zwei Antikörper-„Brotscheiben“ klemmt. Treffer werden durch ein Enzym sichtbar gemacht, das an AK 2 geknüpft ist und einen gelben Farbumschlag verursacht. Überall, wo es deutlich gelb ist, wird das Reaktionsprodukt analysiert und festgestellt, ob dessen Bildungsreaktion einem bereits bekannten Typus folgt oder noch unbekannt ist.

Um zu belegen, dass das Konzept funktioniert, untersuchten die Forscher parallel 3360 Ansätze. Als Reaktanden wählten sie Verbindungen mit gewöhnlichen sowie mit unkonventionellen reaktiven Gruppen. So gelang es ihnen, zwei neue durch Kupfer unterstützte Reaktionstypen zu identifizieren: eine Reaktion von Thio-Harnstoffen zu Iso-Harnstoffen sowie eine Zyklisierung, bei der Thiazol-Derivate aus Alkinen und N-Hydroxythioharnstoffen entstehen.

Angewandte Chemie: Presseinfo 20/2012

Autor: Frédéric Taran, CEA, iBiTecS, Gif-sur-Yvette (France), http://www-dsv.cea.fr/en/institutes/institute-of-biology-and-technology-saclay-i...

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201201451

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de/

Weitere Berichte zu: Angewandte Chemie Antikörper Markierung Molekül Reaktionstypen Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft
27.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut
27.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie