Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentherapie gegen Krebs: Vom Forschungsprojekt zur Anwendung

10.05.2016

Defekte Gene reparieren oder neue Gene und damit Eigenschaften in Zellen einschleusen – die Gentherapie hat großes Potential für die personalisierte Medizin. Sichere, effiziente und kostengünstige Verfahren für den klinischen Einsatz sind derzeit selten. Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wollen nun eine neue Krebstherapie mit umprogrammierten Immunzellen vom Labor auf den klinischen Maßstab übertragen. Dafür kooperieren sie mit Partnern aus der Industrie. Die Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt diesen Transferprozess und richtet dafür ein „Helmholtz Innovation Lab“ am MDC ein.

Mit dem Wissenstransfer aus der Grundlagenforschung in die Anwendung können aus Forschungsprojekten Medikamente und Therapien werden, die der gesamten Gesellschaft zur Verfügung stehen.


Mit dem Innovation Lab entsteht am MDC eine offene Plattform für Kooperationsprojekte im Bereich Cell Engineering.

Bild: Katharina Bohm/MDC

Ab dem Sommer 2016 startet am MDC das Helmholtz-geförderte „Max-Delbrück Center Cell Engineering Lab“ (MD-CEL), das eine Brücke zwischen der MDC-Forschung und Industriepartnern schlägt und so gemeinsame Forschung und Entwicklung ermöglicht. Das MD-CEL hat sich gegen 27 Mitbewerber durchgesetzt und erhält zusammen mit sechs anderen Projekten eine Förderung.

Die MDC-Forschungsgruppen von Dr. Zsuzsanna Izsvák und Prof. Wolfgang Uckert entwickeln im MD-CEL ein neues Verfahren, welches Zellen aus dem Immunsystem sicher, reproduzierbar und in großen Zahlen mit neuen Genen ausstatten soll. Damit werden die Zellen gezielt auf die erkrankten Personen zugeschnitten, in denen sie Tumoren bekämpfen sollen.

Neue Gene kommen über eine Genfähre in die Zelle, wie zum Beispiel Viren. Zsuzsanna Izsvák nutzt spezielle, nicht-virale Genfähren – sogenannte Transposons: „Das Transposon mit dem Namen ‚Sleeping Beauty‘ schleust Gene in die Zelle ein und verankert sie in deren Erbgut. Wir haben das System zuletzt stark optimiert. Unsere Transposon-Variante SB100X ist nun bis zu einhundert Mal effizienter als vorher und ist damit vergleichbar mit Virus-basierten Genfähren“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Zsuzsanna Izsvák kooperiert mit Wolfgang Uckert, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, der an einer vielversprechenden Strategie der Krebsbekämpfung arbeitet. Uckert programmiert T-Zellen des Immunsystems um, sodass diese Tumorzellen aufspüren und eliminieren. „Die T-Zellen zerstören gezielt nur das erkrankte Gewebe, das Potenzial für Nebenwirkungen ist also gering. Im Tiermodell der Maus ist diese Therapieform bereits äußerst erfolgreich“, sagt Wolfgang Uckert.

Die beiden Gruppen arbeiteten bereits mit anderen Forschungsgruppen des MDC, der Charité und der University of Chicago gemeinsam daran, T-Zellen für die Tumorerkennung umzuprogrammieren. Gegenüber den meistens als Genfähren verwendeten Retroviren ist das neue Verfahren technisch weitaus einfacher, kostengünstiger und schneller. Die Zusammenarbeit von Izsvák, Uckert und anderen Gruppen wird auch vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) im Rahmen eines großen Förderprojekts zur T-Zelltherapie unterstützt.

Im MD-CEL soll das Umprogrammieren der T-Zellen nun in den klinischen Maßstab übertragen werden. Die drei Industriepartner Miltenyi Biotec GmbH, PlasmidFactory GmbH & Co. KG und Formula Pharmaceuticals Inc., die über Erfahrungen bei der Entwicklung von Produktionsgeräten, Reagenzien und Therapien verfügen, wurden bereits für das Unterfangen gewonnen.

Später könnte das MD-CEL für ähnliche Transferprojekte nützlich sein. „Im Fokus des MD-CEL steht die Zellmodifikation. Das neue Verfahren lässt sich auch auf andere Fragestellungen in der Gentherapie anwenden, daher sind wir stets offen für weitere Kooperationsprojekte aus dem MDC und der Industrie“, sagt Dr. Felix Lorenz, der Leiter des neuen Labors.

Im aktuellen Projekt zur Transposon-basierten Immuntherapie soll das Verfahren nach drei Jahren so weit entwickelt sein, dass damit Zellprodukte für die klinische Anwendung hergestellt werden können. Damit werden Studien am Menschen möglich und die breite Anwendung im Kampf gegen den Krebs rückt ein Stück näher.

Weitere Informationen:

https://insights.mdc-berlin.de/de/?p=10410 – Pressemitteilung und weiterführende Informationen auf den Seiten des MDC

Vera Glaßer | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einblick ins geschlossene Enzym
26.06.2017 | Universität Konstanz

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblick ins geschlossene Enzym

26.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Laser – World of Photonics: Offene und flexible Montageplattform für optische Systeme

26.06.2017 | Messenachrichten

Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017

26.06.2017 | Messenachrichten