Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Genom von Emiliania endlich entschlüsselt

11.07.2013
Ein internationales Konsortium, unter Beteiligung eines französischen Teams des CNRS (Zentrum für wissenschaftliche Forschung), der UPMC (Universität Pierre&Marie Curie), des INRA (Institut für Agrarforschung), der Universität Aix-Marseille und der Ecole Normale Supérieure 1, hat zum ersten Mal das Genom der Emiliania huxleyi, dem bedeutendsten Vertreter des Phytoplanktons im Meer, entschlüsselt. Die Sequenzierung erfolgte am Department of Energy Joint Genome Institute in den USA. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden am 13. Juni 2013 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Dank der Photosynthese des Phytoplanktons produzieren die Ozeane über 50% unseres Sauerstoffs. Trotzdem wurden diese Einzeller (Protisten - eukaryotische Mikroorganismen) bislang nur wenig erforscht. Emiliania huxleyi ist ein Einzeller, der zur Abteilung der Haptophyta (Kalkalgen) gehört. Aufgrund der extremen Ausmaße ihrer Algenblüte gehört die Emiliana zur Schlüsselspezies des Phytoplanktons.

Zur Sequenzierung des Emiliania-Genoms (das erste jemals entschlüsselte Haptophyta-Genom) nutzten die Wissenschaftler dreizehn Stämme dieser Art, die aus sämtlichen Ozeanen der Welt stammen (einige kamen aus der reichen Sammlung der Biologischen Station Roscoff, die über 500 Proben der Emiliania verfügt). Anschließend wurde das genetische Material in verschiedenen Laboratorien isoliert.

Die erste Entdeckung war, dass das Genom der Emiliania huxleyi zwanzig Mal kleiner ist als das menschliche Genom: Es besteht aus 141 Millionen Basenpaaren (das Kieselalgen-Genom hat etwa 24 Millionen Basenpaare und das menschliche Genom etwa 3,2 Milliarden). Zur großen Überraschung der Forscher weist es jedoch mindestens 30% mehr Gene auf als das menschliche Genom. Das internationale Konsortium identifizierte über 30.000 Gene, die für eine Vielzahl von Proteinen und Funktionen kodieren, von denen jedoch mehr als die Hälfte noch nicht in den bestehenden genetischen Datenbanken zu finden sind.

Eine zweite Überraschung war die Komplexität des Genoms, die auf ein hohes Anpassungspotential der Emiliana schließen lässt. Überdies haben die dreizehn sequenzierten Stämme, die sich theoretisch sehr ähnlich sein müssten, im Durchschnitt nur 75% ihrer Gene gemeinsam.

Weitere Informationen zur Studie:
[1] ″Pan genome of the phytoplankton Emiliania underpins its global distribution″, Betsy A. Read, Jessica Kegel, Mary J. Klute, Alan Kuo, Stephane C. Lefebvre, Florian Maumus, Christoph Mayer, John Miller, Adam Monier, Asaf Salamov, Jeremy Young, Maria Aguilar, Jean-Michel Claverie, Stephan Frickenhaus, Karina Gonzalez, Emily K. Herman, Yao-Cheng Lin, Jonathan Napier, Hiroyuki Ogata, Analissa F. Sarno, Jeremy Shmutz, Declan Schroeder, Colomban de Vargas, Frederic Verret, Peter von Dassow, Klaus Valentin, Yves Van de Peer, Glen Wheeler, Emiliania huxleyi Annotation Konsortium, Joel B. Dacks, Charles F. Delwiche, Sonya T. Dyhrman, Gernot Glöckner, Uwe John, Thomas Richards, Alexandra Z. Worden, Xiaoyu Zhang & Igor V. Grigoriev, Nature, 13. Juni 2013.
Kontakte:
Colomban de Vargas - Tel.: +332 98 29 25 28 - E-Mail: vargas@sb-roscoff.fr
Jean-Michel Claverie - Tel.: +334 91 82 54 20 - E-Mail: claverie@igs.cnrs-mrs.fr

Florian Maumus - Tel.: +331 30 83 31 74 - E-Mail: florian.maumus@versailles.inra.fr

Quelle:
Pressemitteilung des CNRS - 12.06.2013 - http://www2.cnrs.fr/presse/communique/3127.htm
Redakteur:
Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr

Marie de Chalup | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung