Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Gen zur Leukämie

21.03.2011
Deutsche Krebshilfe fördert Leibniz-Projekt mit 550000 Euro

Zwei Leibniz-Institute aus Hamburg und Jena starten ein kliniknahes Projekt zur Leukämieforschung, das durch die Deutsche Krebshilfe mit 550000 Euro für die nächsten drei Jahre gefördert wird.

Die Kooperationspartner wollen untersuchen, welche Funktion das Wilms-Tumor-Gen (WT1) bei der Entstehung der akuten myeloischen Leukämie (AML) hat und wie sich das Gen auf den Verlauf und Erfolg von Therapien auswirkt. Dr. Carol Stocking vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie und Prof. Christoph Englert vom Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann Institut in Jena leiten die Studien.

Zwei Leibniz-Institute aus Hamburg und Jena starten ein kliniknahes Projekt zur Leukämieforschung, das durch die Deutsche Krebshilfe mit 550000 Euro für die nächsten drei Jahre gefördert wird. Die Kooperationspartner wollen untersuchen, welche Funktion das Wilms-Tumor-Gen (WT1) bei der Entstehung der akuten myeloischen Leukämie (AML) hat und wie sich das Gen auf den Verlauf und Erfolg von Therapien auswirkt. Dr. Carol Stocking vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie und Prof. Christoph Englert vom Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann Institut in Jena leiten die Studien.

Das Wilms-Tumor-Gen (WT1) enthält die Erbinformation für ein Protein, das als Transkriptionsfaktor die Aktivität anderer Gene steuert. Es ist für die normale Entwicklung von Nieren, Keimdrüsen und weiteren Organen unerlässlich. Wenn WT1 fehlt oder nicht korrekt funktioniert, kann ein bösartiger Nierentumor bei Kindern, der Wilms Tumor, auftreten. Nach diesem Tumor ist das Gen benannt. Auch im blutbildenden System wirkt WT1 regulierend. Carol Stocking fasst die bisherigen Erkenntnisse zusammen: „Wir wissen, dass das WT1 Gen bei den meisten akuten myeloischen Leukämien hoch exprimiert wird, das heißt, es wird in großen Mengen abgelesen und scheint bei Leukämien sehr aktiv zu sein. Außerdem wissen wir, dass ca. 10 Prozent der AML-Patienten Mutationen im WT1 Gen aufweisen.“ Der klinische Verlauf einer AML ist besonders schlecht, wenn diese Mutationen mit Veränderungen in einem weiteren Gen, dem für die FLT3 Rezeptor-Tyrosinkinase, auftreten.

Wirkt WT1 im blutbildenden System als Krebsgen oder als schützendes Tumorsuppressor-Gen? Welche Funktionen üben die natürlich vorkommenden Varianten des WT1 Gens in Blutzellen aus? Welche Auswirkung hat der Funktionsverlust von WT1 auf die Entstehung oder den Verlauf einer akuten myeloischen Leukämie? Mit welchen anderen Proteinen interagiert das WT1-Protein in einer Blutzelle und welche anderen Gene werden im blutbildenden System durch WT1 reguliert? Auf diese Fragen möchten die Forscher zukünftig Antworten finden. Dafür werden geeignete Mausmodelle entwickelt. Am Leibniz-Institut für Altersforschung existieren bereits WT1 Knock-out Mäuse, also Mäuse, in denen das WT1 Gen ausgeschaltet werden kann. „Wir haben das WT1 Gen gezielt so verändert, dass es nicht nur in bestimmten Geweben sondern auch zu bestimmten Zeiten ausgeschaltet werden kann“, erläutert Christoph Englert. Am Heinrich-Pette-Institut wiederum haben Carol Stocking und ihr Team Genvektoren entwickelt, die aus manipulierten Retroviren hervorgegangen sind. Mit diesen retroviralen Vektoren lassen sich im Mausmodell Leukämien erzeugen, die denen im Menschen sehr ähnlich sind.

„Mit den Ergebnissen aus dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen zukünftig verbesserte klinische Prognosen einer akuten myeloischen Leukämie anhand des WT1 Genotyps möglich sein. Außerdem hoffen wir, neue Therapieansätze zur effektiven Behandlung von Leukämiepatienten zu finden, die auf der Funktion von WT1 oder seiner Partnerproteine beruhen. Das ist dringend notwendig, denn nachwievor liegt die Überlebenschance erwachsener AML-Patienten nur bei 25 Prozent“, so Stocking und Englert.

Pressekontakt:
Dr. Angela Homfeld, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI), Hamburg

Tel. 040/48051-108; E.Mail: angela.homfeld@hpi.uni-hamburg.de

Projektleitung:
Dr. Carol Stocking, Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI), Hamburg

Tel. 040/48051-273; E-Mail: carol.stocking@hpi.uni-hamburg.de

Prof. Dr. Christoph Englert, Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI), Jena

Tel. 03641/656042; E-Mail: cenglert@fli-leibniz.de

Dr. Angela Homfeld | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de
http://www.fli-leibniz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen