Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frontotemporale Demenz: Fehlender Link gefunden

20.06.2012
Forscher um Prof. Dr. Dieter Edbauer finden erstmals einen Link zwischen FUS und Tau. Beide Proteine haben eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Frontotemporalen Demenz (FTD) und der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).
FTD ist nach der Alzheimer Krankheit die am zweithäufigsten vorkommende Demenz bei unter 65-jährigen. Die Wissenschaftler tragen damit zu einem besseren Verständnis der Krankheiten bei. Die Ergebnisse des Forscherteams vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der LMU München erschienen gestern online bei EMBO reports.

FTD und ALS sind zwei neurodegenerative Erkrankungen, die klinisch unterschiedliche Symptome hervorrufen. ALS führt zu einer schnell voranschreitenden Muskelschwäche, bei FTD dominieren Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens. Bereits vor einiger Zeit konnten Forscher zeigen, dass beiden Erkrankungen wohl ein ähnlicher Mechanismus zugrunde liegt und dass es teilweise fließende Übergänge zwischen FTD und ALS gibt.
Das Protein FUS (Fused in sarcoma) scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Beim gesunden Menschen befindet sich der Großteil des Proteins im Kern der Nervenzellen (Neuronen) und ist dort bei der Verarbeitung von genetischer Information beteiligt – genauer für die Kopie der DNA in RNA und deren weitere Prozessierung, das sogenannte Spleißen. In den Neuronen von ALS- oder FTD-Patienten sammelt sich das Protein aber außerhalb des Kerns im Zellkörper und bildet dort krankhafte Ablagerungen.

Das Team um Dieter Edbauer konnte nun zeigen, dass FUS ein anderes Protein namens Tau beeinflusst. Tau ist neben dem Abeta-Protein derzeit das bekannteste Protein in der Demenzforschung. Beide lagern sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ab. Die Wissenschaftler beobachteten, dass FUS an die RNA-Kopie von Tau bindet. Diese Tau-Kopie wird durch FUS modifiziert. Reduzierten die Forscher FUS in Nervenzellen (Neuronen), so fanden sie gehäuft längere Tau-Kopien und entsprechend größere Tau-Proteine vor. Interessanterweise treten genau diese Tau-Varianten bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen gehäuft auf. Man nimmt an, dass ein Ungleichgewicht von kurzen und langen Tau-Varianten die Nervenzell-Funktion beeinträchtigt und sogar zum Zelltod führen kann.
Darüber hinaus entdeckten die Forscher, dass sich durch die Reduktion von FUS das Zellskelett in Neuronen verformt. Das passiert insbesondere an den Spitzen von wachsenden Nervenzellen, die neue Verbindungen zu anderen Zellen herstellen. Entsprechende Veränderungen wurden bereits in Modellorganismen beobachtet, bei denen das Tau-Protein komplett ausgeschaltet und damit eine Erkrankung simuliert wurde. „Der Link zwischen FUS und Tau ist für uns eine wichtige Entdeckung. Wir denken, dass die Störung der normalen Tau-Funktion ein Mechanismus ist, der vielen neurodegenerativen Erkrankungen zugrunde liegt“, so Dieter Edbauer. „Wir werden jetzt genauer untersuchen, wie die Tau-Kopie verändert wird und wie Verformungen im Zytoskelett bei FTD und ALS-Patienten mit der FUS-Pathologie zusammenhängt“.

Originalpublikation:
Denise Orozco, Sabina Tahirovic, Kristin Rentzsch, Benjamin M. Schwenk, Christian Haass & Dieter Edbauer. Loss of fused in sarcoma (FUS) promotes pathological Tau splicing. EMBO reports advance online publication 19 June 2012; doi:10.1038/embor.2012.90

Kontakt:
Prof. Dr. Dieter Edbauer
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
& Adolf Butenandt-Institute, LMU
+49 (0)89/218075-462
dieter.edbauer@dzne.de

Dr. Dirk Förger
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Pressesprecher
+49 (0)228/43302-260
dirk.foerger@dzne.de

Daniel Bayer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzne.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
11.12.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Mit den Augen der Biene: Zoologe der Uni Graz entwickelt Verfahren zur Verbesserung dunkler Bilder
11.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit