Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flüssiges Blut dank Schlangengift

21.05.2010
Aus dem Cocktail hochgiftiger Substanzen lassen sich Blutgerinnungshemmer isolieren

Schlangengifte enthalten einen ganzen Arzneischrank voller hochwirksamer Stoffe, die binnen kurzer Zeit zu Schock, Lähmung oder unstillbaren Blutungen führen können.

Prof. Johannes Eble von der Goethe-Universität erforscht in erster Linie Verbindungen, welche die Blutgerinnung hemmen. Wie er in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichtet, finden sich in den Giften diverser Schlangen pharmakologisch interessante Leitstrukturen für neue Wirkstoffe, die das Risiko eines Herzinfarkts, Schlaganfalls und anderer Thrombosen mindern.

Zusammen mit Kooperationspartnern in Brasilien beschäftigt sich Eble seit vielen Jahren damit, die blutgerinnungshemmenden Einzelkomponenten aus unterschiedlichen Giftschlangen-Arten zu isolieren. Danach wird die molekulare Struktur der Einzelkomponenten und der für ihre Wirkung verantwortliche Molekülteil bestimmt: „Diese Wirkstruktur versuchen wir dann durch chemisch oder biochemisch synthetisierte Verbindungen zu imitieren, wobei wir den Wirkstoff den pharmakologischen Bedürfnissen entsprechend designen“. Dazu gehört einerseits die Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen wie Abwehrreaktionen des Immunsystems. Andererseits gilt es auch, die zeitliche Aufnahme des Wirkstoffs im Organismus (Pharmakokinetik) und die Wirkung am Wirkort (Pharmakodynamik) gezielt zu beeinflussen.

Von großer medizinischer Bedeutung bei der Behandlung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen sind Wirkstoffe, die Blutgerinnsel auflösen können (Fibrinolytika). Fibrin ist ein körpereigener „Klebstoff“, der ein Netzwerk bildet, in dem sich die Blutplättchen (Thrombozyten) verfangen und festhalten. Schlangengifte enthalten Enzyme (Fibrinogenasen), die das Fibrin oder seine Vorstufe (Fibrinogen) zu Fragmenten abbauen, so dass daraus kein Fibrinnetzwerk mehr entstehen kann. Inzwischen wird das Enzym Fibrolase aus der Kupferkopf-Schlange (Agkistrodon contortrix contortrix) in einer leicht modifizierten Form gentechnologisch als Alfimeprase hergestellt. Die klinische Anwendung der Fibrolase wird derzeit erprobt. Ancrod aus dem Gift der Malaien-Mokassinotter (Calloselasma rhodostoma) ist ebenfalls in klinischer Prüfung.

Eine weitere Kategorie von Schlangengiftkomponenten heften sich an die Oberflächenrezeptoren von Blutplättchen. Diese können dann nicht mehr durch biochemische Signale für eine Bindung an den „Klebstoff“ Fibrin aktiviert werden. Gut erforscht sind insbesondere die Disintegrine. Sie wurden zur Ausgangsverbindung bei der Entwicklung einer neuen Generation von Antithrombotika, zum Beispiel Aggrastat® (Tirofiban) und Integrilin® (Eptifibadit).

Informationen: Prof. Johannes Eble, Exzellenscluster „Kardio-pulmonäre Systeme“, Klinikum der Goethe-Universität, Tel.: (069) 6301 87651, Eble@med.uni-frankfurt.de.

„Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/2010/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen
20.02.2017 | Universität zu Lübeck

nachricht Zellstoffwechsel begünstigt Tumorwachstum
20.02.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie