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Feldspitzmaus ist Reservoir für Pferdevirus

11.04.2014

Feldspitzmäuse zählen zu den geschützten Tierarten in Mitteleuropa. Die Insektenfresser bergen jedoch ein dunkles Geheimnis. Forschende der Vetmeduni Vienna haben die Feldspitzmaus als Überträger des Bornavirus identifiziert. Bei Pferden verursacht eine Infektion mit dem Virus eine tödliche Gehirnentzündung. Bisher war die Übertragung des Bornavirus unklar. Nun ist der Weg über die Spitzmaus zum Wirt aufgeklärt. Die Studie wurde vor kurzem im Journal PLOS ONE veröffentlicht.

Die Bornasche Krankheit, benannt nach der deutschen Stadt Borna, in der vor mehr als 100 Jahren zahlreiche Fälle auftraten, betrifft in erster Linie Pferde und Schafe. In seltenen Fällen treten auch Infektionen bei Rindern und Kaninchen auf. Ein einziger Fall ist auch beim Hund dokumentiert. Die Erkrankung äußert sich beim Pferd unter anderem durch Absondern von der Herde, Depression und allgemeiner Desorientierung. Letztendlich führt die unheilbare Krankheit zum Tod.

Bornaviren in Feldspitzmäusen nachgewiesen

Lange Zeit tappten Forschende im Dunkeln, was die Übertragungsweise des Bornavirus betrifft. Die Spitzmäuse standen bereits im Verdacht, ein klarer Nachweis fehlte jedoch. Norbert Nowotny und Jolanta Kolodziejek vom Institut für Virologie sowie Herbert Weissenböck vom Institut für Pathologie und gerichtliche Veterinärmedizin untersuchten gemeinsam mit einem Kollegen aus Deutschland insgesamt 107 Spitzmäuse, vor allem aus dem deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Alle Tiere waren Totfunde. Davon gehörten 58 Tiere der Feldspitzmausart an, wovon 14 Individuen das Bornavirus in sich trugen. In allen anderen Spitzmausarten wurden keine Bornaviren nachgewiesen.

Mögliche Übertragungswege entdeckt

Untersuchungen von Gewebeproben zeigten, dass die Spitzmäuse große Virusmengen in nahezu allen Organen aufwiesen, darunter auch in den Schleimhäuten der Mundhöhle, dem Atmungstrakt sowie in der Haut. Es ist daher denkbar, dass die Hautschuppen dieser Tiere infektiös sind.
„Uns überraschte, dass wir besonders hohe Mengen des Virus in der Haut der Spitzmäuse fanden. Üblicherweise befinden sich die Viren eher im Inneren eines Überträgerorganismus und werden mit dem Urin und Kot ausgeschieden. Da bei Pferden zuerst das Riechhirn von einer Infektion betroffen ist, gehen wir eher von einer Infektion über die Atemwege als über den Verdauungstrakt aus“, so Co-Autor und Pathologe Weissenböck.

Spitzmäuse wandern nicht gern

Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) gibt es nur in Mitteleuropa. Und überall dort, wo die Bornasche Krankheit vorkommt, lebt auch die Feldspitzmaus. Die Infektionskrankheit gibt es vor allem in Deutschland, aber auch in Gebieten der Ostschweiz sowie im angrenzenden Vorarlberg. Virologe Nowotny erklärt: „Die Verbreitung der Feldspitzmaus bleibt relativ konstant, da das Tier sehr standorttreu ist. Die Feldspitzmaus wandert nicht gerne.“ In den letzten Jahren sind die Krankheitsfälle sogar zurückgegangen. Mittlerweile kommt es etwa zu 100 Fällen im Jahr.

Genetik entlarvt Infektionsweg

Einen weiteren Beweis für die Feldspitzmaus als sogenanntes Erreger-Reservoir bietet die genetische Analyse der Viren aus den Spitzmäusen und den Pferden. Die Virusstämme in den untersuchten Spitzmäusen stimmen exakt mit den Stämmen aus den erkrankten Pferden derselben Region überein. Das spricht dafür, dass sich in den sehr standorttreuen Feldspitzmäusen offenbar über Jahrhunderte hinweg für bestimmte Regionen charakteristische Virussubtypen herausgebildet haben, die dann auf Pferde übertragen werden können.

Bornasche Krankheit ist nicht ansteckend

Der Übertragungsweg der Bornaschen Krankheit stellt eine Besonderheit dar. Das Virus wird nicht zwischen einzelnen infizierten Tieren übertragen sondern benötigt immer den Zwischenwirt - Feldspitzmaus. Die Krankheit ist demnach nicht direkt ansteckend, weswegen nie ganze Herden sondern nur Einzeltiere betroffen sind. „Eine Übertragung kann am besten mit dem Fernhalten der Spitzmäuse aus den Ställen verhindert werden. Übliche Hygienemaßnahmen sollten hier ausreichen“, so der Studienleiter Nowotny.

Der Artikel “The bicolored white-toothed shrew Crocidura leucodon (HERMANN 1780) is an indigenous host of mammalian Borna disease virus” von Ralf Dürrwald, Jolanta Kolodziejek, Herbert Weissenböck und Norbert Nowotny wurde am 3. April im Journal PLOS ONE veröffentlicht. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0093659

 
Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Weissenböck
Institut für Pathologie und gerichtliche Veterinärmedizin
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
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Public Relations
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Weitere Informationen:

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Heike Hochhauser | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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