Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erneutes Amselsterben durch tropisches Virus / Erste Amsel aus Nordrhein-Westfalen infiziert

13.07.2012
Gestern Abend haben Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) sechs tote Amseln aus Rheinland Pfalz und erstmals auch eine Amsel aus Nordrhein-Westfalen positiv auf das von Mücken übertragene Usutu-Virus getestet.
Damit bestätigten sie die Prognose von Mückenexperten der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) aus dem Frühjahr, dass im Sommer 2012 ein erneutes Amselsterben zu erwarten sei und der Ausbruch andere Bundesländer erfassen könnte.(1)

Im Sommer 2011 begann ein durch Usutu-Viren ausgelöstes Massensterben der Amseln und anderer Vögel im Dreiländereck von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Die Gruppe um den Hamburger Virologen Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, BNI, erforschte den letztjährigen Ausbruch intensiv und veröffentlichte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift PloS One.(2)

„In den letzten Tagen wurden uns etwa 95 tote Amseln aus dem Raum Neustadt an der Weinstraße, Landau und Bad Dürkheim gemeldet“, berichtet Dr. Norbert Becker, wissenschaftlicher Leiter der KABS und Dozent an der Universität Heidelberg. Seine Mitarbeiter sammelten verendete Vögel ein und insgesamt 73 Tiere wurden am BNI auf eine Usutu-Virus-Infektion untersucht. „Leider haben sich die Befürchtungen nun bestätigt, dass das Usutu-Virus in der bekannten Ausbruchregion seit Juni wieder aktiv ist und viele Vögel an der Infektion versterben“, sagt Becker.

Laut Schmidt-Chanasit wurde am gestrigen Abend zudem erstmals eine tote Amsel, die eine aufmerksame Bürgerin außerhalb des ursprünglichen Ausbruchgebiet gefunden hatte, positiv auf das Usutu-Virus getestet. Die Amsel wurde in der Stadt Siegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen tot aufgefunden.

Im April dieses Jahres hatte das interdisziplinäre Expertenteam die Bevölkerung dazu aufgerufen, tote Vögel zu melden und die Überträgermücke zu bekämpfen. „Auch dank der Unterstützung von Bürgerinnen und Bürger ist es uns gelungen, den Usutu-Virus-Ausbruch geografisch genau eingrenzen zu können“, sagt Becker.

Der aktuelle Ausbruch biete die einmalige Chance, in Deutschland die komplexen biotischen Interaktionen zwischen Viren, Stechmücken und Vögeln unter Einbeziehung ökologischer Rahmenbedingungen zu untersuchen, so Schmidt-Chanasit. Deshalb sollen wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger infizierte Vögel weiterhin melden und möglichst früh an das BNI, die KABS oder ein örtliches Veterinäramt schicken. Mit dem Usutu-Virus infizierte Vögel zeigen oftmals Verhaltensauffälligkeiten und ein zerzaustes Gefieder.

Weitere Informationen und ein Meldeformular bietet der NABU über seine Website www.nabu.de an: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/forschung/amselsterben

Pressekontakte:

Dr. Eleonora Setiadi (BNI)
Tel.: 040 42818-264
presse@bnitm.de

Dr. Norbert Becker (KABS)
Tel.: 0623 64186-0
norbert.becker@kabs-gfs.de

Eine Hintergrundinformation zum Ausbruch des Usutu-Virus und zu den beteiligten Institutionen können Pressevertreter gerne anfordern: presse@bnitm.de, Tel. 040 42818-264.

Publikationen:
1 Pressemitteilung Nr 2/2012 des BNI, der KABS und dem NABU vom 19.04.2012; www.bnitm.de

2 Becker N, Jöst H, Ziegler U, Eiden M, Höper D, Emmerich P, Fichet-Calvet E, Ehichioya DU, Czajka C, Gabriel M, Hoffmann B, Beer M, Tenner-Racz K, Racz P, Günther S, Wink M, Bosch S, Konrad A, Pfeffer M, Groschup MH, Schmidt-Chanasit J: Epizootic emergence of Usutu virus in wild and captive birds in Germany. PLoS One.7(2):e32604 (2012); Epub 2012 Feb 28.

Dr. Eleonara Setiadi | idw
Weitere Informationen:
http://www.bnitm.de/
http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/forschung/amselsterben
http://www.kabs.de/

Weitere Berichte zu: AMSeL Amselsterben BNI KABS NABU Usutu-Virus Virologe Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics