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Das entschwundene Gedächtnis

03.11.2011
Kieler Forschungsteam studiert Aufbau des Langzeitgedächtnis

Es ist eine fundamentale Eigenschaft des Gehirns, autobiographische Gedächtnisinhalte zu speichern und diese bei Bedarf wiederzugeben. Der genaue Aufbau dieses Gedächtnissystems beim Menschen war jedoch unbekannt. Kieler Gedächtnis- und Demenzforscher im Forschungsverbund ‚Neurowissenschaften‘ der Kieler Medizinischen Fakultät und des ‚Sonderforschungsbereiches 654‘unter Leitung von Dr. Thorsten Bartsch konnten Licht ins Dunkel bringen.

Das Ergebnis wurde in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsjournals PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences), Volume 108, Number 42, veröffentlicht.

Möglich war dieser Erfolg, durch die Mithilfe von Patienten, die an einer kurzzeitigen Neugedächtnisstörung litten, die man als vorübergehenden vollständigen Gedächtnisverlust (transiente globale Amnesie) bezeichnet. Während dieser Attacke verlieren die Patienten über Stunden Teile ihres autobiographischen Gedächtnisses.

Die Patientinnen und Patienten sollten sich während einer akuten Attacke an autobiographische Gedächtnisinhalte erinnern, die von der Gegenwart bis zu Kindheitserinnerungen reichten. Dabei zeigte sich, dass lang zurückliegende Erinnerungen deutlich stärker und lebhafter erinnert wurden als neuere. „Die Patienten können sich zwar noch sehr gut an ihre Kindheit und Jugend erinnern, doch die aktuellen Erinnerungen sind nicht mehr vorhanden“, sagt Bartsch. Mithilfe der Kernspintomographie konnte das gestörte Hirnareal in einer besonderen Hirnstruktur, dem Hippocampus, identifiziert werden.

Der Hippocampus gehört zu dem Teil des Gehirns, welches für den Transport der Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verantwortlich ist.

Bartsch wies auch darauf hin, dass damit beim Menschen erstmalig die Rolle dieser speziellen Nervenzellen beim Abruf von autobiographischen Erinnerungen gezeigt werden konnte. Das Ergebnis ist für das Verständnis des menschlichen Gedächtnisses von großer Bedeutung, weil es erstmals die Architektur und die Bedeutung von speziellen Nervenzellen beim autobiographischen Gedächtnis aufzeigt.

Professor Günther Deuschl, Direktor der Neurologischen Klinik, sprach von einem großen Erfolg bei der Erforschung des Gedächtnisses, der dieser Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereiches 654 gelungen ist. Deuschl wies darauf hin, dass ein Schaden dieser „Gedächtnisnervenzellen“ ebenso beim M. Alzheimer gefunden wird. Damit erlauben es diese Ergebnisse, viele Symptome von Gedächtnisstörungen besser zu verstehen und damit gezielte neue Therapien bei Gedächtnis- und Demenzerkrankungen zu entwickeln.

Grafik zum Herunterladen:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2011/2011-175-1.jpg
Bildunterschrift: Darstellung des Hippocampus und den zugehörigen Läsionen, welche den Ort der Gedächtnisstörung kennzeichnen. Der Hippocampus gehört zu dem Teil des Gehirns, welches für den Transport der Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verantwortlich ist.
Grafik: Thorsten Bartsch

Dr. Boris Pawlowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/108/42/17562
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2011/2011-175-pnas-gehirn.shtml

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