Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entdeckung von "Chamäleon-Zellen" für eine bessere Narbenbildung?

24.06.2010
Forschern des Instituts für Entwicklungs- und Krebsbiologie (IBDC), des CNRS [1] und der Universität Nizza ist es gelungen, Zellen bei der Drosophilia Fliege nachzuweisen, die während der Embryogenese erstaunlicherweise ihre Identität verändern.

Die Wissenschaftler haben diese "Chamäleon-Zellen" in einem Narbenbildungs-Modell untersucht und konnten zeigen, wie diese Zellen die Gewebespannung reduzieren und somit ein perfektes Zusammenwachsen der Epidermis (bzw. Oberhaut) fördern.

Diese Ergebnisse eröffnen neue Forschungswege in der regenerativen Medizin. Sie wurden am 8. Juni 2010 in der Fachzeitschrift PloS Biology [2] veröffentlicht.

Die Forscher haben die sogenannte "Rückenschließung" an Embryonen der Drosophilia Fliege untersucht. Bei diesem wichtigen Schritt der Morphogenese [3] der Drosophilia treffen 2 Epidermen aufeinander und wachsen zusammen. Dieses Zusammenwachsen der beiden Gewebe ist dem Zusammenwachsen einer Schnittwunde sehr ähnlich und ist somit sehr gut als Modell der Narbenbildung geeignet. Bei der Beobachtung der Drosophilia Embryonen während der „Rückenschließung“ bemerkten die Forscher, dass manche Zellen die Eigenschaft haben, unter normalen Bedingungen der Embryonalentwicklung ihre Identität (oder differenzierten Typ) und ihren Ort zu wechseln. In der Regel können differenzierte Zellen ihre Identität nicht verändern und vermischen sich nie mit Zellen eines anderen Teilgebiets des Embryos. Dieser Identitätswechsel, auch als zelluläre Plastizität bekannt, ist bereits aus pathologischen Fällen bekannt, bei denen die erneute Differenzierung der Zelle meistens eine oder mehrere Zellteilungen erfordert. Im Fall der Drosophilia Fliege erfolgt die zelluläre Plastizität durch eine genetische Kontrolle, die auch bei der Geweberegeneration der erwachsenen Fliege eine Rolle spielt. Die Forscher konnten beobachten, dass je mehr "Chamäleon-Zellen" wandern, desto geringer wird die Gewebespannung. Nebenzellen schieben sich zwischen die "Chamäleon-Zellen" und schaffen dadurch einen sogenannten "Entspannungs-Abschnitt" für das Gewebe, wodurch ein perfektes Zusammenwachsen bei der Rückenschließung ohne sichtbare Narbenbildung ermöglicht wird.

[1] CNRS: französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung

[2] "JNK Signalling Controls Remodelling of the Segment Boundary through Cell Reprogramming during Drosophila Morphogenesis", Gettings, […], Almeida & Noselli - PloS Biology - 08.06.2010

[3] Die Morphogenese ist die Etappe der Embryogenese, bei der sich die Formen und Organe herausbilden.

Kontakt:

Stéphane Noselli, CNRS Forscher - Tel: +33 4 92 07 64 33 - E-Mail: noselli@unice.fr

Quelle:

Pressemitteilung des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung CNRS - 08.06.2010 - http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1909.htm

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 186 vom 23.06.2010) Französische Botschaften in Deutschland und Österreich

| Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE