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Efeu ist Arzneipflanze des Jahres 2010

19.11.2009
Jedes Kind kennt den Efeu. Er wächst in fast jedem Garten; in der Großstadt wie auf dem Dorf bedeckt er Mauern oder klettert an Bäumen hinauf. Kaum jemand allerdings weiß, dass der Efeu eine heilende Wirkung ausübt. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben ihn darum zur "Arzneipflanze des Jahres 2010" gekürt.

Bereits die Ärzte der Antike nutzten Efeublätter und Efeufrüchte: als Schmerzmittel oder, in Salben verarbeitet, bei Verbrennungen. Heute kommt ein Extrakt aus den gelappten Blättern des Efeus zum Einsatz.

Er bessert die Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und bei akuten Entzündungen der Atemwege. Auch bei Keuchhusten wird er zur Linderung eingesetzt. Die für diese Wirkungen hauptverantwortlichen Inhaltsstoffe heißen Saponine.

Wirksamkeit durch Studien belegt

Die Wirksamkeit des Efeu-Extrakts sei durch klinische Studien belegt, wie Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Konrad Goehl von der Universität Würzburg mitteilen. Die drei Wissenschaftler gehören dem "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" am Institut für Geschichte der Medizin an.

Aber Achtung! Der Efeu hat auch gefährliche Wirkungen: Frische Efeublätter und ihr Saft können nach Kontakt mit der Haut allergische Entzündungen verursachen. Und an den Beeren der Pflanze können sich besonders Kinder vergiften - Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind die Folgen.

Efeu in der Kulturgeschichte

Wie kaum eine andere Heilpflanze ist der Efeu mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden. Er galt früher als Wahrzeichen des ewigen Lebens, als Symbol für Liebe und Treue. Bei den Ägyptern war er dem Osiris, im antiken Griechenland dem Dionysos geweiht; man verstand ihn als Hinweis auf die Präsenz des Gottes.

Dichter bekränzte man mit Efeu, weil der Efeu auch eine heilige Pflanze der Musen war. Brautpaare erhielten Efeuzweige als Sinnbild ihrer immerwährenden Verbundenheit.

Im frühen Christentum finden sich Efeuranken auf Sarkophagen, im Mittelalter schmücken sie Kirchen und Kathedralen, in Stein gehauen (Reims, Marburg) oder in Holz geschnitzt (Altenburger Dom).

Wo der Name des Efeus herkommt

Das deutsche Wort Efeu geht wahrscheinlich auf einen alten Wortstamm "ebah" oder "ifig" (altsächsisch) zurück, was soviel wie "Kletterer" heißt. Früh wurde der Wortstamm mit "Heu" verbunden: althochdeutsch "ep-höu" "ebe-höu", was "Kletterlaub" bedeuten könnte.

Der botanische Name Hedera helix leitet sich vermutlich von dem griechischen Begriff hédra (Sitz) ab, weil die Pflanze auf dem Baum "sitzt". Helix kommt vom griechischen Wort helissein (winden, drehen), denn der Efeu windet sich um den Baum herum. Bei den Griechen hieß der Efeu kissós, was ebenfalls "Schlinge" bedeutet.

Wer die Arzneipflanze des Jahres bestimmt

Seit 1999 wählt der Würzburger "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" die Arzneipflanze des Jahres. Er besteht aus Medizinhistorikern, Ärzten, Apothekern und Biologen; zum Teil wirken auch Studierende und Dozenten der Seminare "Grundlagen der Phytotherapie" und "Phytotherapie und traditionelle Medizin" mit.

Was die Arzneipflanze des Jahres auszeichnet

Jedes zur Arzneipflanze des Jahres gekürte Gewächs soll eine interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweisen und in gut belegten oder viel versprechenden pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein.

Dabei berücksichtigt der Studienkreis zum Teil wenig bekannte Pflanzen, wie den Stechenden Mäusedorn, um der Öffentlichkeit das große Spektrum der Heilpflanzen näher zu bringen. Oder er wählt, wie im Fall des Efeus oder der Pfefferminze, sehr bekannte Pflanzen, über deren Heilwirkung aber nur wenige Menschen Bescheid wissen.

Bisherige Arzneipflanzen des Jahres

Bislang hat der Studienkreis folgende Arzneipflanzen des Jahres gewählt. 1999: Buchweizen; 2001: Arnika; 2002: Stechender Mäusedorn; 2003: Artischocke; 2004: Pfefferminze; 2005: Arzneikürbis; 2006: Thymian; 2007: Hopfen; 2008: Gemeine Roßkastanie, 2009: Fenchel.

Kontakt

Dr. Johannes Gottfried Mayer, Medizinhistoriker, T (0931) 83264 oder (0931) 888-3093, johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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