Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der kleinste Käfer Europas nun auch genetisch erfasst

23.09.2014

Die kleinste Käferart Europas ist der weniger als einen halben Millimeter messende Zwergkäfer oder Federflügler mit dem wissenschaftlichen Namen Baranowskiella ehnstromi.

Forschern der Zoologischen Staatsammlung München gelang es, in wahrer Detektivarbeit mehrere Exemplare des Käfers zu finden. Im Labor konnten sie erstmals seinen Gen-Code entschlüsseln und im Internet als sogenannten DNA-Barcode für alle Wissenschaftler weltweit kostenlos verfügbar machen.


Der Federflügler Baranowskiella ehnstromi, hier neben einem menschlichen Haar, ist mit bloßem Auge kaum zu sehen. Foto: Dr. Lars Hendrich


Die Pilze, die der Zwergkäfer zum Leben braucht, wachsen in Bayerns letzten Urwäldern.

Foto: Franz Wachtel

Der Käferkundler Mikael Sörensson entdeckte die Art erst 1997 in seinem Heimatland Schweden. Inzwischen gibt es auch Funde aus Norwegen, Dänemark, der Schweiz und Österreich sowie auch aus Deutschland.

Der Zwergkäfer entzog sich lange dem Zugriff der Wissenschaftler, weil das winzige Tier – es ist nur ein Zehntel Millimeter breit und damit so dünn wie ein menschliches Haar – in den Poren von Baumpilzen lebt, von deren mikroskopisch kleinen Sporen es sich ernährt. Hier bevorzugt es vor allem den muschelförmigen Feuerschwamm, der wiederum parasitisch an Weiden lebt.

Der Erstnachweis der Art für Bayern gelang dem erfahrenen Käferforscher Franz Wachtel. In einem Weidenurwald in den Isarauen südlich des Georgensteins spürte er den Käfer auf, indem er Baumpilze einsammelte und diese dann im Labor austrocknen ließ.

Die Käfer sammelten sich in einer darunter befindlichen Schale. "Mit dieser Methode lässt sich der Zwergkäfer von Experten relativ leicht finden. Weitere Untersuchungen dürften zeigen, dass er in weiten Teilen Mitteleuropas im Verbreitungsgebiet seines Wirtspilzes vorkommt", fasst Dr. Lars Hendrich, Käferexperte an der Zoologischen Staatsammlung München, den bisherigen Wissenstand zusammen. 

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte "Barcoding Fauna Bavarica" und "German Barcode of Life", bei denen alle deutschen Tierarten genetisch erfasst und in einer globalen Online-Bibliothek für Interessenten zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBOL mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen. Oliver Hawlitschek, Projektkoordinator in München, beschreibt den Zweck des Projektes:

"Insbesondere bei kleinen und selten beobachteten Insekten wie dem Zwergkäfer erleichtert die Methode den Wissenschaftlern die Arbeit enorm, da solche Arten ohne genetische Hilfe meist nur von einer Handvoll Experten weltweit identifiziert werden können und so zum Beispiel bei Naturschutzprojekten kaum Beachtung fanden". DNA-Barcoding soll das in Zukunft ändern.


Ansprechpartner:

Dr. Lars Hendrich
Sektion Insecta varia
Zoologische Staatssammlung
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 149

Dr. Oliver Hawlitschek
Barcoding Fauna Bavarica
Zoologische Staatssammlung
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 108

Weitere Informationen:

http://www.zsm.mwn.de
http://www.faunabavarica.de
http://www.snsb.de

Dr. Eva-Maria Natzer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften