Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Geheimnissen der Kakaobohne auf der Spur

08.04.2014

Ein zentrales Merkmal der Jacobs University ist die gelebte Transdisziplinarität in Forschung und Lehre.

Mit einem mehrjährigen Forschungsprojekt baut die Jacobs University nun ihre bestehende Kooperation mit dem weltweit führenden Schokoladen- und Kakaoproduzenten Barry Callebaut aus. Ziel des auf sechs Jahre angelegten Projekts namens COMETA* ist es, die rund 10.000 chemischen Inhaltsstoffe der Kakaobohne genau zu analysieren. Dabei werden insbesondere der Einfluss von Sorte, Ursprung, Anbaumethode und Ernteprozess auf die chemische Zusammensetzung der Bohne untersucht.


An der Jacobs University erforschen Wissenschaftler in einem Projekt mit dem weltweit größten Kakao- und Schokoladenhersteller Barry Callebaut die Geheimnisse der Kakaobohne.

© Barry Callebaut

Am Ende der Kooperation im Jahr 2020 sollen eine einzigartige Datenbank und neue Schnelltests zur Kakaoklassifizierung, Verarbeitung und Bedarfsplanung von Rohmaterial zur Verfügung stehen. Barry Callebaut finanziert das sechsjährige Projekt mit insgesamt 3,7 Mio. Euro.

Peter Boone, Chief Innovation Officer Barry Callebaut: "Barry Callebaut arbeitet seit Jahren mit verschiedenen Universitäten zusammen. So erhalten wir Zugang zu den weltweit besten Experten sowie zu Know-how, das auf dem neuesten Stand ist. Diese Expertise könnten wir in-house niemals selber aufbauen.

Mit der Jacobs University arbeiten wir seit drei Jahren zusammen. Sie ist dabei für uns ein verlässlicher Partner für unsere Forschung geworden. Die Qualität der Ergebnisse ist herausragend und entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte. Deshalb haben wir nun auch die Vertiefung unserer Zusammenarbeit beschlossen."

Prof. Dr.-Ing. Katja Windt, Präsidentin der Jacobs University: "Die Kooperation mit Barry Callebaut ist wegweisend für die zukünftige Ausrichtung unserer Universität. Die Fragestellungen des Projektes greifen technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte auf. Diese Transdisziplinarität ist Kennzeichen aller Studiengänge und Forschungsprojekte an der Jacobs University.

Die Kooperation ist ein ideales Beispiel für unseren neuen Schwerpunkt "Health – focus on bioactive substances", im Rahmen dessen wir die Inhaltsstoffe bioaktiver Substanzen erforschen, in diesem Fall von Nahrungsmitteln wie der Kakaobohne. Wir sind ganz besonders froh, unsere Zusammenarbeit mit Barry Callebaut jetzt ausbauen zu können. Diese Kooperation zeigt exemplarisch, wie die künftige Zusammenarbeit der Jacobs University mit führenden internationalen Unternehmen aufgestellt sein wird."

Dr. ir. Gino Vrancken, Program Manager Cocoa Science bei Barry Callebaut: "Kakao-Forschung ist einer der fünf Hauptforschungsbereiche unserer globalen Innovationsstrategie. Bis heute war die Kakaobohne so etwas wie eine Blackbox. Die Kooperation mit der Jacobs University bringt uns einen großen Schritt voran, das Potenzial jeder Bohne zu entschlüsseln.

Wir gewinnen zuverlässiges Know-how darüber, wie wir Schokoladen- und Kakaoprodukte mit spezifischen Eigenschaften bezüglich Geschmack, Aussehen oder Verarbeitung entwickeln können. Dieses neu erworbene Wissen bedeutet für uns ein wichtiges Differenzierungsmerkmal am Markt, indem wir unsere Kunden noch zielgerichteter bedienen und ihnen ein noch präziser abgestimmtes Produkt liefern können."

Prof. Dr. Matthias Ullrich, Professor of Microbiology an der Jacobs University: "Bisherige Analysen basierten vornehmlich auf dem Fermentationsprozess, dem die Kakaobohne unterzogen werden muss, um ihren schokoladigen Geschmack zu entwickeln. Die genaue biochemische Bestimmung der Tausenden von Bausteinen einer Kakaobohne erlaubt es uns vorherzusagen, welche Auswirkungen Wasser oder Bodenbeschaffenheit auf die Produktion haben werden. Wir können dann genau prognostizieren, welche Bohne das tiefste Braun oder den intensivsten Geschmack hervorbringen wird".

In einem ersten Schritt werden das sogenannte Metabolom (alle Stoffwechselprodukte), alle Enzyme und Peptide sowie die Gesamtheit der Fette des Rohmaterials bestimmt. Dabei werden Kakaobohnen unterschiedlichster Herkunft, Qualität und Fermentierungsverfahren erforscht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden unter anderem mit den an der Jacobs University entwickelten massenspektrometrischen Methoden generiert und in einer großen Datenbank gespeichert. Auf Basis der Datensätze können so neue Methoden und Schnelltests zur detaillierten Klassifizierung und Qualitätskontrolle der verschiedensten Kakaobohnen entwickelt werden, die Barry Callebaut in der Produktion verwendet.

COMETA wird koordiniert von Matthias Ullrich, Professor of Microbiology an der Jacobs University, Nikolai Kuhnert, Professor of Chemistry und Dr. ir. Gino Vrancken, Program Manager Cocoa Science bei Barry Callebaut. Desweiteren forschen Marc-Thorsten Hütt, Professor of Computational Systems Biology und Elke Nevoigt, Professorin of Biotechnology, an dem Projekt.

Die Zusammenarbeit zwischen Barry Callebaut und der Jacobs University begann 2011. Das Schweizer Unternehmen veranstaltet regelmäßig Career Events auf dem Campus in Bremen-Nord und hat bisher fünf Absolventen der privaten Bremer Universität für sein Graduierten-Trainingsprogramm rekrutiert. Vor zwei Jahren begann Prof. Nikolai Kuhnert gemeinsam mit zwei Doktoranden mit der Arbeit an einem ersten Forschungsprojekt für Barry Callebaut.

* COMETA steht für COcoa METAbolomics

Fragen zum COMETA Projekt beantwortet:
Prof. Dr. Matthias Ullrich | Professor für Mikrobiologie
Tel: +49 (0) 421 200 3245 | Email: m.ullrich@jacobs-university.de
Prof. Dr. Nikolai Kuhnert | Professor für Analytische Chemie
Tel: +49 (0) 421 200 3120 | Email: n.kuhnert@jacobs-university.de

Über die Jacobs University
Als Deutschlands führende englischsprachige Campusuniversität bildet die Jacobs University Bremen wissenschaftlichen Nachwuchs aus aller Welt aus. Das Profil der 2001 eröffneten, staatlich anerkannten Privathochschule sind höchste Ansprüche in Forschung und Lehre, Interkulturalität und systematische, disziplinenübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Absolventen als Weltbürger optimal auf verantwortungsvolle Aufgaben in einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt vorzubereiten. Die Jacobs University bietet Bachelor-, Master- und PhD-Abschlüsse für ein breites Spektrum der Ingenieurs-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften an. Aktuell leben und lernen rund 1.400 junge Menschen aus über 100 Nationen auf dem Campus.

Über Barry Callebaut
Mit einem Jahresumsatz von rund CHF 4,9 Milliarden (EUR 4,0 Milliarden / USD 5,2 Milliarden) für das Geschäftsjahr 2012/13 ist die in Zürich ansässige Barry Callebaut der weltweit größte Hersteller von hochwertigen Schokoladen- und Kakaoprodukten – von der Beschaffung und Verarbeitung der Kakaobohnen bis zur Herstellung der feinsten Schokoladen, einschließlich Füllungen, Dekorationen und Schokoladenmischungen. Das Unternehmen unterhält weltweit über 50 Produktionsstandorte und beschäftigt eine vielfältige und engagierte Belegschaft von mehr als 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Barry Callebaut steht im Dienst der gesamten Nahrungsmittelindustrie, von industriellen Nahrungsmittelherstellern bis zu gewerblichen und professionellen Anwendern wie Chocolatiers, Confiseuren, Bäckern, Hotels, Restaurants oder Cateringunternehmen. Diese Gourmet-Kunden bedient das Unternehmen mit den zwei globalen Marken Callebaut® und Cacao Barry®. Barry Callebaut setzt sich mit seiner Initiative «Cocoa Horizons» für eine nachhaltige Kakaoproduktion ein und hilft, die künftige Versorgung mit Kakao sicherzustellen sowie das wirtschaftliche Auskommen der Bauern zu verbessern.

http://www.barry-callebaut.com

Kristina Logemann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Datenbank Kakaobohne Kakaobohnen Produktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise