Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das «Seepferdchen» im Gehirn arbeitet auch unbewusst

01.10.2014

Der Hippocampus, ein Seepferdchen-förmiges Hirnareal, ist zentral für das bewusste Abspeichern und Abrufen von Erinnerungen. Forschende der Universität Bern haben nun nachgewiesen, dass der Hippocampus auch für das unbewusste Abspeichern und Erinnern des Erlebten notwendig ist.

Menschen erleben alltäglich Episoden, an die sie sich später erinnern. Der Begriff «episodisches Gedächtnis» bezeichnet dabei Verknüpfungen zwischen Personen, Objekten, Raum und Zeit. Ein simples Beispiel für eine solche Episode: Person X hat mir gestern im Restaurant ein Buch geschenkt.

«Bislang ging man davon aus, dass das episodische Gedächtnis solche Verknüpfungen nur bewusst speichern und abrufen kann», sagt Katharina Henke vom Berner Institut für Psychologie und dem Center for Cognition, Learning and Memory (CCLM).

Gemäss Lehrmeinung ist der Hippocampus, ein Seepferdchen-förmiges Hirnareal, lediglich für diese bewusste Lern- und Erinnerungsleistung zuständig. Henke hat nun gemeinsam mit Kollegen der Universitätsspitäler Bern und Zürich in der Zeitschrift BRAIN allerdings gezeigt, dass der Hippocampus mehr kann: Er ist auch für das Abspeichern und Abrufen von Episoden zuständig, die ein Mensch unbewusst erlebt.

Unbewusst Zusammenhänge erkennen

Das Forscherteam testete, wie Patienten mit Schädigungen im Hippocampus sowie gesunde Kontrollprobanden unbewusst präsentierte Wortpaare abspeicherten und später abriefen. Zum Beispiel präsentierten die Forschenden das Wortpaar ‹Violine – Zitrone› – allerdings nur unterschwellig:

Die Worte waren hinter schwarz-weissen Pixelmustern «versteckt». Im nachfolgenden Gedächtnistest wurden gut sichtbare Wortpaare präsentiert. Ein solches Paar bestand aus Synonymen zu den unbewusst gelernten Wortpaaren, im Beispielsfall etwa aus den Worten ‹Cello – Mandarine›.

Die Idee dahinter: Die Probanden würden Worte eher als zueinander passend beurteilen, wenn sie sich unbewusst daran erinnerten, dass sie ähnliche Verknüpfungen zuvor schon gesehen hatten. Dies bestätigte sich bei den gesunden Kontrollprobanden, die unbewusst gelesene Wortpaare abspeichern und abrufen konnten.

Mit einer Kernspintomographie konnten die Forschenden zudem erkennen, dass der Hippocampus sowohl beim unbewussten Abspeichern als auch beim unbewussten Abrufen von Verknüpfungen zwischen Worten aktiviert war. Dies belegt laut Katharina Henke, dass neue Verknüpfungen – sprich erlebte Episoden – unbewusst abgespeichert und abgerufen werden können: «Das Gehirn verfügt offenbar über spezialisierte Areale wie den Hippocampus, die ihren Job immer ausüben, auch unbewusst.»

Welche zentrale Rolle dieses Areal spielt, zeigte das Ergebnis der Patienten mit einer Hippocampus-Schädigung: Diese konnten neue Verknüpfungen von Worten weder bewusst noch unbewusst abspeichern. In einem Kontrollexperiment ohne Wortpaare zeigten die Forschenden demgegenüber, dass sowohl kranke als auch gesunde Probanden einzelne unterschwellige Worte unbewusst abspeichern und abrufen konnten, weil das Gehirn in dieser Aufgabe keine neuen Verknüpfungen zwischen den Worten herstellen musste.

Kognition, Lernen und Gedächtnis
Das Center for Cognition, Learning and Memory (CCLM) ist eines von sieben strategischen Forschungszentren der Universität Bern. Wissenschaftler aus den Bereichen Psychologie, Neurologie, Psychiatrie sowie verwandten Disziplinen forschen hier zu Kognition, Lernen und Gedächtnis. Das CCLM bietet auch Dienstleistungen in Form von Beratung oder Interventionen an und betreibt ein Ausbildungsprogramm für Graduierte.
Website: www.cclm.unibe.ch

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2014/hi...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie