Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit aus Industrieabfällen gebaut werden kann

16.09.2009
Chemiker der Universität Jena sind an einem Projekt zur umweltfreundlichen Zementproduktion beteiligt

Über 30 Millionen Tonnen Zement werden in Deutschland pro Jahr hergestellt. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Zementindustrie sind das fast zehn Prozent der weltweiten Produktion.

Eine umweltschädliche Nebenwirkung der Zementherstellung ist der Kohlendioxidausstoß. "Grund dafür ist der Kalkstein, der bisher Hauptbestandteil des Rohmehls für die Zementproduktion ist", weiß Dr. Denise Ott von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In diesem Kalkstein, auch Calciumcarbonat genannt, ist Kohlendioxid gebunden. "Das wird während des Brennprozesses im Drehrohrofen in die Umwelt freigesetzt", so die Chemikerin weiter.

Mit der Jenaer Expertise im Bereich der ökologischen Bewertung unterstützt die Wissenschaftlerin ein neues Projekt, in dem nach einer umweltschonenden Methode der Zementproduktion gesucht wird. Das Gemeinschaftsprojekt der Weimarer Firma IBU-tec advanced materials AG, der Bauhaus-Universität Weimar und des Instituts für Technische Chemie und Umweltchemie der Universität Jena wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in den nächsten zwei Jahren mit insgesamt rund 240.000 Euro gefördert.

"Es ist möglich, den Kalkstein anteilig durch Abfallstoffe aus der Industrie, etwa Aschen und Schlacken aus der Roheisenproduktion oder der Stromerzeugung, zu ersetzen", so Dr. Ott. "Der Vorteil ist, dass bei der Verarbeitung dieser Reststoffe kein Kohlendioxid mehr entweicht, die Deponierung vermieden und natürliche Rohstoffe geschont werden können", erläutert die Jenaer Chemikerin. Ziel des Projekts ist es, mit einer neuen Stoffzusammensetzung die Kohlendioxid-Emission um bis zu 40 Prozent zu verringern.

Um das zu überprüfen, fertigen die Chemiker der Universität Jena eine Kohlendioxid-Bilanz an, die alle Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse umfasst. Darin bewerten sie die verschiedenen Rohmehlszenarien, deren Zusammensetzungen denen des herkömmlichen Stoffgemischs ähneln, und filtern die effektivsten Varianten heraus. Mischung und Brennversuche werden von den beiden anderen Projektpartnern durchgeführt. "Unsere Aufgabe ist es, alle Daten der einzelnen Inhaltsstoffe zusammenzutragen und sämtliche Phasen der Energie- und Stoffströme, von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Stoff, zu bestimmen und darzustellen", erläutert Denise Ott. "Am Ende soll eine ausführliche Kohlendioxid-Bilanz stehen, die den kompletten Kohlenstoffausstoß bei der Zementproduktion quantifiziert."

Die Arbeit von Denise Ott wird umfangreiche Recherchearbeiten umfassen. Für die 27-Jährige ist das jedoch nicht neu. Schon im Rahmen ihrer Promotion zum Einsatz ionischer Flüssigkeiten als Lösungsmittel spielten neben der Herstellung dieser Substanzen die Energie- und Kostenbilanz eine entscheidende Rolle. Auch diese praxisorientierte Forschungsarbeit wurde durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

"In den letzten zehn Jahren sind wir an zahlreichen industrienahen Projekten der DBU beteiligt gewesen", betont Prof. Dr. Günter Kreisel von der Universität Jena die intensive Zusammenarbeit. Momentan werden in der Jenaer Nachwuchsforschergruppe "Nachhaltige Prozessentwicklung und Bewertung" vier Forschungsprojekte durch die DBU gefördert.

Kontakt:
Dr. Denise Ott
Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingstr. 12, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948434
E-Mail: denise.ott[at]uni-jena.de

Manuela Herberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten