Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemische Sprache der endophytischen Pilze

19.11.2012
Forscher der Laboratorien “Kommunikationsmoleküle und Anpassung der Mikroorganismen” und “Ursprung, Struktur und Entwicklung der Biodiversität” (Naturkundemuseum/ CNRS) haben eine chemische Sprache entdeckt, die endophytischen Pilzen, und damit der Wirtspflanze, gegenüber phytopathogen Pilzen einen ökologischen Vorteil verschaffen würde, wenn diese um die Pflanze konkurrieren.
Diese Studie eröffnet neue Perspektiven im Kampf gegen Mykotoxin produzierende Pilze, die Lebensmittel und Futtermittel kontaminieren können. Die Ergebnisse wurden am 15. Oktober 2012 in der Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht [1].

Alle Pflanzen werden von einer Pilzflora aus nicht pathogenen Pilzen besiedelt, den “Endophyten”. Obwohl sie nicht sichtbar und ihre ökologischen Funktionen nur wenig bekannt sind, wird immer deutlicher, dass sie in einem symbiotischen Verhältnis zu ihrer Wirtspflanze stehen und deren Anpassung an ihre Umwelt positiv beeinflussen. So fördert diese Symbiose beispielsweise den Pflanzenwuchs und erhöht die Stresstoleranz. Des Weiteren bilden sich durch sie für die Pflanze nützliche Moleküle, die antibiotisch auf Pflanzenpathogene wirken oder als natürliche Insektizide fungieren.

Wissenschaftler haben nun einen dieser endophytischen Pilze untersucht – Paraconiothyrium variabile -, der von einem Nadelbaum des Jardin des Plantes in Paris isoliert wurde. Dieser Pilz erwies sich in vitro als besonders aktiv bei der Hemmung das Wachstum des Phytopathogens Fusarium oxysporum.

Beim Konkurrenzkampf in der Petrischale (siehe Abbildung) scheint die Struktur des Phytopathogens (die mittels Licht- und Elektronenmikroskopie beobachtet wurde) unorganisiert, was die Bildung von Abwehrmolekülen durch den endophytischen Pilz vermuten lässt. Mit Hilfe der Massenspektrometrie konnten die Stoffwechselprofile beider Pilze isoliert beobachtet und verglichen werden. Bei der Beobachtung der Pilze im direkten Konkurrenzkampf haben die Wissenschaftler entdeckt, dass der endophytische Pilz etwa ein Dutzend kleiner spezifischer Moleküle sekretiert. Zwei dieser Moleküle wurden der Familie der Oxylipine zugeschrieben. Oxylipine haben in Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen häufig intra- oder interzelluläre Signalfunktionen. Insbesondere in Pflanzen spielen Oxylipine eine große Rolle als Signale bei Entwicklungsprozessen, Stressantworten und der Pathogenabwehr. Ihre Rolle für Pilze war jedoch bislang nur wenig bekannt.

Auch wenn diese Moleküle nicht direkt das Wachstum von Phytopathogenen hemmen (was die Existenz einer sehr viel komplexeren Sprache vermuten lässt), so können sie doch zu 90% die Produktion eines Mykotoxins (Beauvericin) stoppen. Oxylipine haben also eine Signalwirkung bei der Regulierung der Stoffwechselkaskaden, und fungieren somit als molekulare Sprache.

Diese Studie eröffnet neue Perspektiven im Kampf gegen Mykotoxin produzierende Pilzarten.

[1]: A. Combès, I. Ndoye, C. Bance, J. Bruzaud, C. Djedjat, J. Dupont, B. Nay, S. Prado. Chemical communication between the endophytic fungus Paraconiothyrium variabile and the phytopathogen Fusarium oxysporum. PLoS One, 15 octobre 2012.

Quelle: Pressemitteilung des CNRS – 16/10/2012 – http://www2.cnrs.fr/presse/communique/2829.htm

Kontakte: Presse CNRS – Priscilla Dacher – +331 44 96 46 06 – priscilla.dacher@cnrs-dir.fr
Presse MNHN – Estelle Merceron – +331 40 79 54 40 – presse@mnhn.fr

Redakteur: Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr

Clément Guyot | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geckos kommunizieren überraschend flexibel
29.05.2017 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschungsgruppe erprobt erfolgreich neue Diagnose- und Therapieansätze
29.05.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise