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Brüderlein und Schwesterlein: Fische schwimmen lieber mit Verwandten

07.06.2013
Viele Tiere können verwandte Artgenossen von fremden unterscheiden. Tierarten, die ihren Nachwuchs aufziehen und betreuen, identifizieren Angehörige einerseits über Vertrautheit, andererseits aber auch über Ähnlichkeit im Aussehen und über den Geruch. Diese verschiedenen Mechanismen sind oft schwer zu entwirren.

Joachim Frommen und seine Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna haben nun die Vorlieben des Dreistachligen Stichling bei der Schwarmwahl untersucht. In ihrer Arbeit konnten die Wissenschafter zeigen, dass diese Fische Verwandte als Schwimmpartner bevorzugen, unabhängig davon, ob sich diese zuvor bekannt oder fremd waren.


Joachim Frommen

Viele Fischarten sind für ihr Schwarmverhalten bekannt. Die Zusammensetzung dieser Schwärme kann durch Bekanntschaft und Verwandtschaft beeinflusst werden. In der Regel verringert das gemeinsame Schwimmen das Risiko einzelner Fische, von einem Räuber gefressen zu werden. Das Zusammenkommen in einer Gruppe von Verwandten schützt aber nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Familiengruppe als Ganzes und verbessert dadurch die Überlebenschancen der Familie.

Dreistachlige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) können sowohl bekannte als auch unbekannte Angehörige identifizieren und nutzen diese Fähigkeit in vielen unterschiedlichen Situationen. Außerhalb der Paarungszeit neigen junge und erwachsene Stichlinge dazu, sich in losen Gruppen zu sammeln, und sie scheinen dabei die Gesellschaft naher Verwandter der von "Fremden" zu bevorzugen.
Verwandte oder Bekannte

Um herauszufinden, welchen Mechanismus die Fische bei dieser Vorliebe für verwandte Artgenossen einsetzen, haben Joachim Frommen und Kollegen eine Reihe von Versuchen durchgeführt. Sie ließen beispielsweise einzelne Stichlinge zwischen zwei verschiedenen Gruppen von Fischen frei wählen. In einer Gruppe befanden sich genetisch verwandte Geschwister des Testfisches, die ihm bekannt oder fremd waren. In einer weiteren Gruppe befanden sich lediglich fremde Tiere, die nicht mit dem Testfisch verwandt waren. Die Forscher konnten beobachten, dass Fische die „Geschwister-Gruppen“ den „Fremd-Gruppen“ vorzogen. Ob die Geschwister zuvor bekannt waren oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Die Fische entschieden sich gleichermaßen für die bekannten oder unbekannten Geschwister.
Verwandtschaftsmerkmale erkennen

In einem zweiten Experiment wurden Testfische vor die Wahl zwischen zwei ausschließlich aus Geschwistern zusammengesetzten Gruppen gestellt. Der Unterschied zwischen den Gruppen lag lediglich in der Bekanntschaft mit Mitgliedern der einen Gruppe und Fremdheit mit den Mitgliedern der anderen Gruppe. In diesem Fall schien es den Testfischen egal zu sein, welchem Schwarm sie sich anschlossen. "Es scheint, dass die Fische sich unter anderem die Geruchsmerkmale eng verwandter Gruppenmitglieder früh im Leben einprägen und aus diesen Merkmalen den Verwandtschaftsgrad von Artgenossen abschätzen können“, erklärt der Mitautor Joachim Frommen, "Ob sie diese Artgenossen zuvor schon einmal getroffen haben, scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen."

Der Artikel „Investigating the Effect of Familiarity on Kin Recognition of Three-Spined Stickleback (Gasterosteus aculeatus)“ von Joachim G. Frommen, Sarah M. Zala, Shirley Raveh, Franziska C. Schaedelin, Bettina Wernisch, und Attila Hettyey ist am 8. Mai 2013 online in der Zeitschrift Ethology e119:531-539 , DOI: 10.1111/eth.12091 erschienen.

Rückfragehinweise

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Sarah Zala
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Vetmeduni Vienna
T +43 1 4890915 – 852
sarah.sala@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:

Mag. Heike Hochhauser
Public Relations
Vetmeduni Vienna
T +43 1 25077-1151
heike.hochhauser@vetmeduni.ac.at

Heike Hochhauser | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

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