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Biologe bestimmt menschliche Höchstgeschwindigkeit

28.11.2008
9,48 Sekunden als absolute Untergrenze im 100m-Sprint

Der heuer in Peking aufgestellte Sprintrekord des Jamaikaners Usain Bolt, der sich seit der Vorwoche auch "Welt-Leichtathlet 2008" nennen darf, stellt Wissenschaftler vor die Frage nach der maximalen Leistungsfähigkeit des Menschen.

Der Biologe Mark Denny von der Stanford University prognostiziert, dass Athleten im 100-Meter-Sprint eine Zeit von 9,48 Sekunden erreichen könnten. Hier liege jedoch ein absolutes Limit für den menschlichen Körper, so die im Journal of Experimental Biology veröffentlichte Behauptung Dennys. Was im Körper noch bessere Laufleistungen einschränke, wisse man laut dem Biologen derzeit nicht.

Als Grundlage seiner Aussagen verglich Denny die Höchstgeschwindigkeiten des Menschen mit denen von Hund und Rassepferd seit dem 19. Jahrhundert. Die Bestleistung der Tiere bei Rennen stieg demnach seit den 70er Jahren nicht mehr an, ein Limit sei erreicht. "Daran hat auch die Vergrößerung ihrer Populationen nichts geändert", so der kalifornische Wissenschaftler.

Beim Menschen seien endgültige Aussagen aufgrund verschiedener Disziplinen schwierig. Denny schätzt, dass männliche Sprinter in allen Distanzen noch Zeiten verbessern können, im 100-Meter-Sprint setzt er die Latte bei 9,48 Sekunden, was gegenüber Bolts aktueller Leistung eine Steigerung von 0,23 Meter pro Sekunde bedeuten würde. Weibliche Sprinter könnten ihren derzeitigen Weltrekord zwar noch um 0,4 Sekunden verbessern, doch hätten die Damen ihr Limit auch im Marathon schon ziemlich erreicht.

Roland Stein trainiert die deutsche 4 x 100 Meter-Staffel und auch Ronny Ostwald, den derzeitigen Inhaber des deutschen Sprintnationalrekords über 100 Meter. Im Gespräch mit presstext bezeichnet Stein die individuelle Trainingsbelastung als wesentlich für Leistungssteigerungen im Sprint. "Entscheidend ist, wie gut die Athleten die Kraft auf den Boden umsetzen können. Niedrigere Zeiten werden vor allem durch Krafttraining erreicht." Top-Athleten würden sich durch höhere Belastungsfähigkeit auszeichnen. "Athleten, die unlautere Mittel wie Doping einsetzen, zielen letztlich darauf ab, die naturgegebenen Grenzen des Körpers in der Trainingsbelastung zu steigern", so Stein.

Die Körpergröße der Athleten wertet Stein nicht als eindeutigen Faktor für Schnelligkeit, vielmehr spiele Veranlagung eine Rolle. "Bei den Damen ist seit 20 Jahren niemand auch nur annähernd an die 10,49 Sekunden von Florence Griffith-Joyner gekommen. Vielleicht liegt das daran, dass es einfach keine überragenden Talente gab." Ähnlich lange Rekordpausen könne man auch in der Geschichte der männlichen Sprinter beobachten, betont der Bundestrainer.

Ob es 2009 bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin zu neuen Bestleistungen kommt, hängt für Stein von mehreren Faktoren ab. "Auch der Bahnbelag und das Wetter spielen da wesentlich mit. Ist es warm und die Athleten haben leichten Rückenwind, sind Höchstleistungen möglich." Leistungssprünge im eigenen Team könnten nur durch Stabilisierung der Trainingsqualität geschehen. Daran arbeite man im deutschen Team, so Stein, der die Leistungssteigerung in der Staffel während der letzten Jahre als Erfolge dieser Arbeit wertet.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.stanford.edu
http://jeb.biologists.org

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